Viele Flüchtlinge sind Folteropfer

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Flüchtlinge auf einem völlig überfüllten Boot im Mittelmeer.

Groß-Zimmern - Am heutigen Internationalen Tag zur Unterstützung der Folteropfer erinnert der Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP) daran, dass EU-Richtlinien die Aufnahmestaaten zur notwendigen und adäquaten Behandlung von Folteropfern und anderen Gruppen von Flüchtlingen verpflichten.

„Die vor einem Jahr festgelegten Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen, werden oft nicht eingehalten“, kritisiert BDP-Präsident Prof. Michael Krämer angesichts der Nachrichten im vergangenen Jahr. „Der Umgang mit Flüchtlingen in Lampedusa und die Diskussion um das sichere Drittland werfen Fragen auf, denen mit Humanität begegnet werden muss!“ Rund 30 Prozent aller in Industrieländer geflüchteten Menschen wurden vor ihrer Flucht gefoltert, so eine Studien von 2013. Ein Großteil der psychisch erkrankten Folterüberlebenden vermeidet es, an die traumatischen Erfahrungen erinnert zu werden. Viele Flüchtlinge verschweigen selbst in Asylanträgen die Details ihrer Foltererfahrungen mit der Folge, dass ihre Schilderungen als unglaubhaft eingestuft werden – und ihr Asylantrag abgelehnt wird.

Erst während der Behandlung der seelischen Folgen berichtet beispielsweise ein Mann, der in der Demokratischen Republik Kongo demonstrierte, viermal inhaftiert wurde und dann flüchtete: „Es ist eine andere Welt. Du denkst nicht mehr. Du existierst nur noch. Brot, Schlafen und Trinken, darum dreht es sich. Bis sie dich wieder abholen, dir alle Fragen zum hundertsten Mal stellen, dich schlagen, bis du das Bewusstsein verlierst. Der Tag zur Unterstützung der Folteropfer ist ein Gedenktag, der 1997 durch die UNO-Hauptversammlung beschlossen wurde. Folter ist international geächtet; in Deutschland ist es eine Straftat.

Folter passiert in fernen Ländern – aber ihre Folgen werden auch in Deutschland durch die beherbergten Flüchtlinge zur Realität. Aus diesem Grund wandte sich der BDP bereits im Mai mit einer Resolution an die Öffentlichkeit, um eine Diskussion über das Thema „Wie gehen wir mit Flüchtlingen um?“ anzustoßen.

In Groß-Zimmern wurde im Dezember 2013 der Runde Tisch Flüchtlinge gegründet. Hier hat man es sich zur Aufgabe gemacht, den ankommenden Menschen einen positiven Start vor Ort zu ermöglichen und Problemen frühzeitig zu begegnen. Um diese Ziele zu verwirklichen werden noch Unterstützer in der Bevölkerung gesucht. Aktuell haben im Ort 24 Personen Zuflucht gefunden – zehn davon sind Kinder zwischen acht Monaten und 14 Jahren. Demnächst könnten noch zwei Familien aus Afghanistan hinzu kommen.

Es wurden zwei weitere Wohnungen gemietet, der Kreis zahlt die Miete und sucht weiterhin Unterkünfte. Bei Interesse kann man sich bei Bürgermeister Grimm melden. Sprachnachhilfe wird seit März angeboten. Mittwochs zum Erstorientierungskurs kommen alle Flüchtlinge, außer denen, die bereits einen Sprachkurs besuchen. Sachspenden für neu ankommende Flüchtlinge werden gesammelt. Bei Bedarf wird zielgerichtet zu Spenden aufgerufen, da keine Lagerräume zur Verfügung stehen. Auch Geldspenden sind willkommen. Die Verwendung der Mittel kann man in der Projektwerkstatt erfragen. Die Helfer werden nicht alleine gelassen. Sechs Termine à zwei Stunden sind zur Schulung vorgesehen.

(guf)

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