Viele Gratulanten und ein Enkel

+
Tilly Held feierte gestern im Kreis vieler Freunde, Angehöriger und Bekannter ihren 80. Geburtstag.

Groß-Zimmern (ula) ‐ Das Geburtstagsgeschenk traf schon einige Tage früher ein. „Ich bin diese Woche zum zweiten Mal Uroma geworden“, erzählt Tilly Held. Das „Zimmerner Mädchen“ feierte gestern im Kreis von vielen Freunden, Bekannten und Verwandten im evangelischen Gemeindehaus 80. Geburtstag.

Ein musikalischer Gottesdienst mit Kirchen- und Posaunenchor rundete am Sonntag Nachmittag die Feier des Geburtstages ab. Pfarrer Michael Fornoff dankte der langjährigen Küsterin im Namen des Kirchenvorstands für die vielen Jahre, die sie mit großem Engagement und viel Herzblut für ihre Gemeinde im Einsatz war. 

Die Kirche ist für mich das A und O“, sagt das Geburtstagskind. Zwölf Jahre lang war sie im Kirchenvorstand und begann anschließend ihre Tätigkeit als Küsterin der Gemeinde. Mit ihrer Kreativität gestaltet sie das Gotteshaus seit vielen Jahren mit: Die Blumendekorationen, der geschmückte Altar, die feinen Handarbeiten, all dies sind Elemente, die ihre Handschrift tragen. „Ich arbeite gerade an einer neuen Altardecke“, erzählt die fitte ältere Dame. Für die filigrane Stickarbeit mit winzige Stichen hat sie rund ein Jahr Produktionszeit angesetzt. Auch die Besuchsdienste in der Gemeinde sind ihr ein Herzensanliegen: Jubilare, Geburtstagskinder, trauernde Menschen, Senioren oder Kranke werden von der fürsorglichen Tilly Held besucht.

Die Kirche ist ihr ein Zuhause

Ihren Wunsch, einmal Sport- und Handarbeitslehrerin zu werden, konnte sich Tilly Held nicht erfüllen. Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Vater von den Nazis ins Gefängnis gebracht. Er hatte einer jüdischen Familie in Frankfurt geholfen und diese Menschlichkeit mit der Freiheit bezahlt. Die junge Tilly hatte sich unterdessen das Autofahren selbst beigebracht und fuhr im elterlichen Betrieb, einer Spedition, auch schon mal Lkw. In den Nachkriegjahren stand dann zunächst die Pflege der krebskranken Mutter an. Aus war der Traum vom Lehrberuf.

Als Trainerin einiger Wassergymnastikgruppen konnte sie ihrer Passion später dennoch teilweise nachkommen. Seit rund 20 Jahren leitet sie die Teilnehmer ihrer Gruppen beim Sport im Wasser an. Wöchentlich treffen sich rund 70 Wasserratten zum Training im Hallenbad. Die sportliche Tilly ist nicht nur im dort aktiv. Vielen Menschen in der Gemeinde ist sie als flotte Radfahrerin bekannt, die stramm durch ihren Heimatort fährt. Seit rund zehn Jahren dient sie ihrer Gemeinde als Küsterin – und will dies auch weiterhin tun. Die Kirche ist ihr ein Zuhause, das trotz manchen Schicksalsschlages Kraft und Erfüllung gibt. Während Held gewissenhaft die Kollekte zählt, sagt sie: „Meinen Glauben brauche ich, daran halte ich fest und das gibt mir Kraft.“

Kommentare