Die meisten Exoten haben sich ans hiesige Klima angepasst

Viele Käufer für Sittiche und Kanarien

Rote Kanarienvögel waren sehr gefragt.Fotos (2): Bernauer

Groß-Zimmern (bea) ‐ Richtig gut bevölkert ist die Rad- und Rollsporthalle am Sonntagvormittag. Nicht nur von Piepmätzen, die man allenthalben zwitschern hört, sondern auch von zahlreichen Vogelfreunden. Darunter sind viele Züchter, aber auch Privatleute, die hier einen neuen Hausgenossen erwerben wollen. Der Kanarien-Vogelzucht- und Schutzverein veranstaltet wieder seine beliebte Vogelbörse.

Ganz schnell fündig geworden sind Nancy und Loreen Weitzel aus Hergershausen. Sie kaufen nicht nur einen Vogel, sondern gleich sechs. „Wir haben im vergangenen Sommer eine große Voliere im Garten gebaut, da sitzt im Moment nur ein Vogel drin. Der arme Kerl fühlt sich einsam“. Jetzt wird er sechs Genossen bekommen, zwei Nymphen-, zwei Bourk- und zwei Wellensittiche. Einer der Nymphensittiche wehrt sich heftig, als Verkäufer Friedel Reeg aus Breuberg ihn aus dem Käfig holt und die Nummer seines Ringes abliest. Doch bald wird auch er sich über die große Voliere freuen.

Züchter Reeg ist zufrieden mit seinem Geschäft, jetzt hat er noch Zebrafinken und einen Prachtrosella, die einen neuen Besitzer suchen. „Ich komme immer hierher. Früher war ich selber Mitglied hier im Groß-Zimmerner Vogelschutzverein, da gibt es noch eine alte Verbundenheit“. Der Breuberger trennt sich von seinen großen Vögeln, er will künftig nur noch Zebrafinken und Kanarienvögeln züchten.

Kalt ist es in der Halle und das hat seinen Grund. „Die meisten Vögel leben inzwischen draußen in Volieren, auch die Exoten haben sich unserem Klima angepasst“, erklärt der Zimmerner Vereinsvorsitzende Peter Steinbeck. Kämen die Vögel jetzt von kalten Temperaturen erst ins Warme und dann ins Kalte, dann könnte man manchen nach zwei Tagen mit den Beinen nach oben im Käfig liegen sehen.

Angepasst haben sich die Exoten zwangsweise an hiesige Kältegrade. Schon seit Jahrzehnten werden diese Vögel in unseren Breitengraden gezüchtet und nicht jeder hatte früher die Möglichkeit, den Tieren im Warmen genug Platz zu geben. Überlebt haben folglich im Laufe der Jahre nur die widerstandsfähigen Tiere, die jetzt die Urväter der heutigen Vögel sind. „Ich halte selbst einen Papagei und einen rosa Kakadu das ganze Jahr draußen“, berichtet Steinbeck.

Gekauft wird jetzt von den Züchtern, weil die Zuchtsaison bald beginnt. Da wollen die Liebhaber ihre Paare beisammen haben. Die meisten Vögel brüten im April und mit den Jungvögeln geht es dann schon im Herbst in die Schauen, wo sie hoffentlich Preise abräumen. Sittiche und Papageien verkauft auch Helmut Lipsewers aus dem Jossgrund. „Wir können nicht alle behalten“, erklärt Lipsewers, der zum ersten Mal auf der Vogelbörse in Groß-Zimmern ist.

Keinen großen Erfolg hat heute Günther Weber aus Maintal. Seine Border-Kanarien haben noch keinen Abnehmer gefunden. „Die gehen mal weg wie warme Semmeln, mal läuft einfach nichts“, sagt der Maintaler achselzuckend. „Vor kurzem brauchte ich meine Vögel gar nicht aus zu packen, sie wurden mir sofort alle abgekauft.“ Der Maintaler nimmt es mit Humor: „Was soll's, dann habe ich mich heute wenigstens gut unterhalten.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare