Viele sind gerade bei Frost schon früh im Einsatz

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Heldenhaft bei Schnee und Eis im Einsatz: Birgit Held trägt bei jeder Witterung die Zeitung aus.

Groß-Zimmern ‐ „In Skandinavien würden sie lachen über das bisschen Schnee, das bei uns liegt“, schmunzelt Armin Schumann, Hausmeister an der Albert-Schweitzer-Schule (ASS). Von Ursula Friedrich

Für die Menschen unserer Region ist der ausgeprägte Winter allerdings eine Herausforderung – schon der Weg zur Arbeit ist für viele Pkw-Fahrer eine nervenaufreibende Tortur. Und wer seinen Job gar auf Schusters Rappen erledigt, ist doppelt gefordert: Birgit Held, die seit 1998 dafür sorgt, dass der LOKAL-ANZEIGER pünktlich im Briefkasten steckt, wenn unsere Leser ihr Frühstücksei aufschlagen, ist ab drei Uhr nachts auf der Straße. Müdigkeit, Kälte und Schneefall trotzend, ist die Austrägerin des LOKAL-ANZEIGERs zuverlässig unterwegs, um das „Blättche“ in die Briefkästen zu stecken. „Das ist mein härtester Winter. Einmal hat das Thermometer minus 17 Grad angezeigt“, lacht sie, und wappnet sich mit vier Schichten Oberbekleidung für ihre frostige Tour.

Ebenso wie seine Kollegen Thomas Volk sowie Holger Schmitt von der Friedens- und Angelgartenschule liegt Schumann um diese Zeit zwar noch im warmen Bett - aber auch die Hausmeister müssen um einiges früher raus als sonst. „Im Moment stehe ich um 5.45 Uhr auf“, so Schumann, denn bevor die 753 Gesamtschüler auf das Areal strömen, sind Schneeräumen und Streuen angesagt. „Und wenn es wie an diesem am Wochenende schneit, müssen wir auch Samstag und Sonntag räumen, denn die Verkehrssicherheit hat oberste Priorität“. Ein hartes Los, das unter anderem auch die Zivildienstleistenden des größten Zimmerner Vereins teilen: Sven Ebenau und Dennis Sommer kennen auf dem Gelände des TV Dank emsigen Schneeschippens inzwischen jeden gefährlichen Winkel: „Vom Vordach der Georgi-Reitzel-Halle löste sich kürzlich eine kleine Schneelawine und drohte das Räumkommando zu begraben“, erzählen sie lachend. Von der Disziplin der rund 2 200 TV-Mitglieder, die in den unterschiedlichsten Bereichen Sport treiben, sind sie angetan: „Alle putzen sich die Schuhe gut ab, bevor sie den Flur betreten“, bilanziert Ebenau, der dennoch akribisch den Hallenboden schrubbt.

Beschwerden über ungeräumte Gehwege - Oftmals Unwissenheit vorhanden

Mit den winterlichen Pflichten nimmt es nicht jeder Bürger so genau: „Bei uns rufen viele an, die sich beschweren, dass die Gehsteige nicht geräumt sind“, berichtet Manfred Jung, Leiter des Zimmerner Ordnungsamtes. „Gerade in den großen Wohnblocks fühlt sich niemand so richtig zuständig, da bleibt dann alles liegen.“

Um dieses Problem einzudämmen, tourt das zehnköpfige Team des Freiwilligen Polizeidienstes durch die Straßen. Dick vermummt in Parkas und mehrere Lagen Pullover treten Thomas Frank und Martina Gonzalez ihre Streife an. Drei Stunden dauert ihre Schicht, bei der momentan vor allem eines auf dem Dienstplan steht: Bürger zum Schneeräumen zu animieren.

Wo sich die weiße Pracht zu sehr auf dem Bürgersteig häuft, wird an der Tür geklingelt. „Aber wir kommen nicht mit dem erhobenen Zeigefinger“, so das Duo. Freundlich und sachlich erinnern sie Anwohner an ihre Räumpflicht. „Unsere Erfahrung ist positiv. Oft ist es kein böser Wille, sondern Unkenntnis, dass nicht geräumt wird. Manche Bürger gehen schon früh arbeiten und können tagsüber nicht räumen. Andere glauben, das Schneeschippen sei Aufgabe der Gemeinde.“

Freiwilliger Polizeidienst drücken bei Falschparkern ein Auge zu - Verkehrssicherheit muss aber gewahrt bleiben

Die Bauhoftrupps sind zwar unermüdlich im Einsatz, schieben Schneeberge und Überstunden um zumindest die Hauptstraßen vom Gröbsten zu befreien, doch für das Trottoir vorm Haus sind Eigentümer und Mieter verantwortlich. „Wir müssen sicher stellen, dass Passanten mit Kinderwägen oder ältere Menschen, die mit Rollator unterwegs sind, gefahrlos laufen können“, so Frank.

Während der morgendlichen Streife wird er auch auf Falschparker hingewiesen. „Hier drücken wir aber oft ein Auge zu und verteilen keine Knöllchen, sofern die Verkehrssicherheit gewahrt ist und niemand behindert wird.“ Grund hierfür: Durch auftürmende Schneeberge an den Straßenrändern sind die Parkmöglichkeiten zur Zeit eingeschränkt.

Mit der kalten Witterung hat das Team keine Probleme: „Drei Pullis und Skiunterwäsche“, ist das Rezept von Gonzalez, um auch bei kräftigen Minusgraden den Dienst ohne Frostbeulen zu überstehen. „Uns wurde angeboten, die Dienstzeit bei diesem Wetter auf zwei Stunden zu verkürzen“, erzählt Frank. Dies habe die Mannschaft jedoch abgelehnt. „Unser Amt hat eine sehr schöne Seite, denn man hat viel Kontakt zu den Leuten.“

Für ältere, alleinstehende Menschen sind die Helfer des Freiwilligen Polizeidienstes beliebte Ansprechpartner. „Manche reden mit uns, weil sie zu Hause keinen haben.“ Und das gilt natürlich besonders auch bei frostiger Witterung, Schnee und Eisglätte.

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