Groß-Zimmern

Vizeweltmeister bei den Kicker-Senioren

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Filippo Cicchelli holte den Titel in Frankreich

Wer kennt sie nicht, die großen schweren Tische mit den Stangen, an denen in Reih' und Glied kleine Männchen stecken, mit denen der Spieler am Rande versucht, den Ball ins gegnerische Tor zu kicken.

Klein-Zimmern (bea) - Die meisten haben viel Zeit in ihrer Jugend am Kicker verbracht, für einige ist der Sport ein Leben lang attraktiv und wenige bringen es auf internationaler Ebene zu Erfolgen. Einer dieser Erlesenen ist der Klein-Zimmerner Filippo Cicchelli (51).

Auf den ersten Blick fällt es gar nicht so sehr auf, auf den zweiten dann doch gewaltig. Bei ihm zu Hause wimmelt es nämlich von Pokalen. Gut, dass die neue Trophäe für den größten Erfolg etwas kleiner ausgefallen ist, denn „Ich weiß schon gar nicht mehr, wohin damit“, meint Martina Cicchelli, Ehefrau des Tischfußball-Vizeweltmeisters der Senioren im Einzel und im Doppel zusammen mit Johann Wahl.

Cicchelli greift in die mit Trophäen voll gestopfte Vitrine und holt zwei Medaillen heraus. Im französischen Nantes gab es keinen Pokal, sondern „nur“ Medaillen.

Bei der Seniorenweltmeisterschaft spielte der Tischfußball Club (TFC) Klein-Zimmern ganz vorne mit. Neben Cicchelli war auch Vereinsmitglied Hans-Friedrich Kircher aus Darmstadt überaus erfolgreich, im Doppel holte er zusammen mit Ulrich Stoepel den Weltmeistertitel, im Einzel wurde er hinter Cicchelli Dritter.

Beim Interview sitzt die ganze Familie am Tisch. Die beiden Söhne Mario und Christian kickern in der Spitzenklasse ihrer Altersgruppen. „Mein Vater hatte eigentlich schon aufgehört“, erzählt Christian, „doch als Kircher zu unserem Verein kam, hat er doch wieder angefangen“.

Seit 1978 spielt Filippo Cicchelli im Klein-Zimmerner TFC, ein Bekannter hatte ihn damals mitgenommen und Cicchelli war sogleich begeistert. Zahlreiche spielerische Höhepunkte hat er seitdem erlebt. 1999 wurde er mit seinen Vereinskollegen Bundesliga-Vizemeister und „einer der wohl spannendsten Momente“ in seiner Karriere war das Finale im Rooky-Einzel 2001 in Las Vegas. Dort spielte der Zimmerner gegen seinen Sohn Mario. Das gab es selbst im Land der unbegrenzten Möglichkeiten noch nicht, dass das Finale innerhalb einer Familie ausgetragen wurde.

Filippo Cicchelli will weiterspielen, auch wenn er nicht mehr der Fleißigste im Üben ist. Zwar steht im Wohnzimmer von Sohn Christian ein Tischfußball, aber daran trainiert der Vizeweltmeister nicht allzu oft. „Wenn man das einmal kann, verlernt man es auch nicht mehr“, erklärt Christian. Das Training beschränkt sich im Wesentlichen auf die freitäglichen Verbandsspiele, einmal im „Pipapo“ und dann im Wechsel im Vereinslokal des Gegners.

Ob Vater Cicchelli an der nächsten Weltmeisterschaft teilnehmen wird, weiß er noch nicht. Die findet in Südafrika statt. „Das wird teuer“, sagt er und stöhnt bei dem Gedanken an Flug- und Hotelkosten. Der Verein kann das nicht bezahlen und großzügige Sponsoren gibt es beim Kickern nicht. Also müsste der 51-Jährige alles aus eigener Tasche bezahlen. „Aber zuerst einmal muss ich mich qualifizieren“, sagt der Buchbinder, der im Familienbetrieb in Münster arbeitet. Wenn es dann soweit sei, könne er sich das ja immer noch überlegen. Aber vielleicht zieht Cicchelli dann doch das Angeln in heimischen Gewässern vor, ein Hobby, dem der gebürtige Italiener auch frönt, wenn er endlich einmal Zeit hat. Oder er backt eine leckere Pizza - zwei Öfen gibt es dafür bei den Cicchellis einer steht im Keller, der andere im Garten.

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