Volksgründung bei den Bienen

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Hier lässt sich eine Schwarmtraube nieder. Die Bienen gründen ein neues Volk.

Groß-Zimmern - Der Staat hat seine volle Größe erreicht – jedenfalls bei den Bienen. Die Völker zählen bis zu 50.000 Bienen, die je nach Wetter wieder so viel Nektar eingetragen haben, dass der Imker wieder Honig ernten kann. Die Insekten widmen sich aber noch einer anderen Aufgabe.

Es ist auch die Zeit, in der sich die Bienen vermehren. Nicht nur, dass im Stock neue Bienen heranwachsen, es werden auch neue Völker gebildet. Natürlicherweise geschieht das durch das sogenannte Schwärmen. Wie das bei den Bienen vonstatten geht, weiß der Imker und Bienenexperte Manfred Maiwald, Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Roßdorf und Umgebung.

Als erste Vorbereitung für das Schwärmen legt das Volk neue Königinnenzellen an. Diese Brutzellen sind etwa doppelt so groß wie die Wiege einer Arbeiterinnen-Biene. Die junge Made wird besonders gut mit Futter versorgt. Steht der Auszug kurz bevor, versorgen sich die Arbeiterinnen, die die abziehende Königin begleiten, mit Honig aus den angelegten Vorräten. Dieser Proviant reicht maximal zehn Tage - eine Zeitspanne, in der unbedingt eine neue Behausung gefunden werden muss. Kurz vor dem Auszug beginnen die schwarmwilligen Tiere wild durcheinander zu rennen, hochfrequente Vibrationspulse zu erzeugen und die Königin durch Beißen und Ziehen an den Beinen und Flügeln zu traktieren. Daraufhin beginnt der Bienenfall: Wie ein Wasserfall strömen die meisten Bienen aus dem Stock. Die Luft erfüllt sich mit einem Brausen und die Schwarmwolke lässt sich mit der Königin in der Nähe, meist an einem Baumast als Ttraube nieder.

Kundtschafter suchen neue Behausung

Wer einen Schwarm im Garten entdeckt, könne unbesorgt sein, die Bienen seien nicht stechwütig, es höre sich nur bedrohlich an, erklärt der Experte. Nur die jüngsten und ältesten Arbeitsbienen bleiben zurück und bauen mit einer neuen Königin das Volk wieder auf. Der ausgezogene Schwarm lässt durch Kundschafter eine neue Behausung suchen. Bei Erfolg ziehen alle in diese ein, beginnen sofort mit dem Wabenbau, sammeln Nektar und Pollen, die Königin beginnt mit der Eiablage und das Leben geht seinen Lauf...

Ob sie in der freien Natur ohne Imker allerdings länger als ein Jahr überleben könnten ist fraglich, da niemand da wäre, der ihnen gegen die Varroa-Milben hilft. Deshalb versucht der Imker, diesen Schwarm wieder einzufangen, womit er das Volk rettet und selber ein neues Bienenvolk bekommt. Durch das Schwärmen kann der Imker viele Bienen und auch Honig verlieren. Folglich sorgt er rechtzeitig dafür, dass sein Volk nicht schwärmt. Er bildet sogenannte Ableger, indem er einige Waben mit Brut und Pflegebienen entnimmt, in eine neue Beute setzt und eine junge, gezüchtete Königin hinzufügt. Ansonsten würden die Bienen auch selbst eine neue Königin heranziehen. So kann der Imker seine Bienenvölker kontrolliert vermehren.

Pflanzenschutzmittel sind eine Gefahr

Der natürliche Totenbefall eines Bienenvolkes liegt bei etwa 500 Bienen pro Tag. Wenn sich diese Rate vergrößert, vermindert sich unweigerlich die Überlebenschance des Volkes über den Winter. Dies kann ein Indiz dafür sein, dass mit dem Ökosystem etwas nicht in Ordnung ist, erklärt der Experte.

Eine Gefahr für die fleißigen Honigsammler sind Pflanzenschutzmittel. Maiwald weist darauf hin, dass gerade bei den neuartigen Pestiziden, den sogenannten Neonikotinoiden, festgestellt wurde, dass diese das Nervensystem der Biene schädigen. Der Geruchsinn, das Erinnerungs- und das Orientierungsvermögen nehmen ab; - die Tiere sammeln nicht genügend Nektar, finden nicht mehr zum Stock zurück und sterben.

Andere Mittel schwächen das Immunsystem der Biene, sodass Viren den Organismus angreifen können.

Aus Sicht der Imker sei eine Abkehr von der Anwendung von Neonicotinoiden und anderen Insektiziden dringlich gefordert, um die Bestäubung zu gewährleisten und nachhaltigen Schaden an der Insektenwelt abzuwenden, betont Maiwald.

Infos beim Bienenzuchtverein Roßdorf.

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