Viel geboten auf „nur“ elf Kilometer langer Tour

Groß-Zimmern: Vom Roßberg zum Rehberg

Weinberg? Gipfelkreuz? In Groß-Zimmern Fehlanzeige. Doch lange suchen muss man nicht, um beides nah beieinander zu finden: In Roßdorf wächst der Wein auf dem Roßberg, und vom Rehberg grüßt majestätisch das Gipfelkreuz. Auf beide Höhen führt der Wandervorschlag des Odenwaldklub Groß-Zimmern.

Auch die evangelische Kirche in Roßdorf ist bei der Wanderung zu sehen.

Groß-Zimmern - Dass man bei dieser „Bergtour“ ins Schwitzen geraten kann, liegt auf der Hand. Allerdings sind die Aufstiege nie lange, und das herrliche Panorama lässt die kleine Anstrengung schnell vergessen. Denn am Ende der Tour ist man zwar mit den Füßen „nur“ elf Kilometer gewandert, mit den Augen aber zu allen umliegenden Mittelgebirgen in allen vier Himmelsrichtungen. Die Tour beginnt im Roßdörfer Wiesenweg, von Groß-Zimmern kommend direkt hinter der Unterführung links. Nach wenigen Metern wechselt man von der Straße links hoch auf den alten Bahndamm. Über eine Brücke gelangt man in die Straße Am Weihersbrunnen und geradeaus hinaus aufs Feld. Über den Erbsenbach hinweg erreicht man schließlich den Bergfuß des Roßbergs und folgt dem Pfad unterhalb des Basaltbruchs nach rechts. Nach rund 400 Metern eröffnet sich ein Abzweig nach links. Das grüngelbe Sechseck, das den fünf Kilometer langen Roßdörfer Geisenwaldrundweg markiert, hilft, den Abzweig zu finden. Nun beginnt der Aufstieg zum Roßberg. Zuerst über die Wiese, dann immer am Waldrand entlang. Schon bald gesellen sich rechter Hand die Reben des Weinguts Edling dazu, und nach rund 400 Metern ist die Höhe mit den Ruhebänken erreicht. Von hier aus genießt man einen herrlichen Blick über Roßdorf und zum Rehberg gegenüber, dem letzten Etappenziel.

Vom Wein zur Eiche
Statt gleich den steilen Pfad hinabzusteigen, bleibt man noch für kurze Zeit auf der Höhe zwischen Basalt und Reben. Erst am Ende des Weinbergs biegt man rechts ab und nimmt den steilen Pfad zwischen Feld und Reben hinunter. Allerdings nur kurz. Dann führt ein Feldweg nach links Richtung K 129. Doch noch ehe sie erreicht wird, wandert man im spitzen Winkel nach rechts und für kurze Zeit auf dem Schotterweg entlang, dann folgt man der sanften Linkskurve und steuert mit Blick auf einen maroden Hochsitz das Feldgehölz an. Der Weg um das Dickicht herum führt zu einer Kopfweide. Dort heißt es links abbiegen und übers offene Feld den Kamm ansteuern. Schon auf dem Weg dorthin wird klar: Dort oben ist man nicht alleine. Groß und Klein, zu Fuß oder auf Rädern, ziehen wie die Figuren eines Scherenschnitts in Reih und Glied über die Höhe. Warum der Weg so beliebt ist? Auf dem asphaltierten Radwanderweg liegt einem die Welt sozusagen zu Füßen, und der Blick reicht so weit, wie es das Wetter und die Augenkraft zulassen: Im Idealfall vom Mainzer Berg bis zum Melibokus, von der Veste Otzberg bis zum Kraftwerk Groß-Krotzenburg. Zügig führt der Weg nun zum Ober-Ramstädter Stadtteil Eiche. Vorbei am Gelände des Amateurfunk-Clubs erreicht man die Weimarer Straße und schließlich einen Kinderspielplatz. Dort biegt man rechts auf den schmalen Pfad ein, der zur Siedlergemeinschaft führt. Den Weg durch das Wohngebiet hindurch zeigt die Beschilderung für die Radler Richtung Darmstadt – Mühltal – Traisa. In der Breslauer Straße an den Glascontainern verlässt man diese Orientierungshilfe und überquert die L 3104. Jenseits der Straße führt ein unbefestigter Weg direkt am Waldrand entlang. Nach knapp einem Kilometer wird die Rasthütte des Odenwaldklubs Ober-Ramstadt mit dem schönen Namen Odenwaldblick erreicht. Spätestens hier oben wird deutlich, warum sich die Stadt mit Fug und Recht als Tor zum Odenwald bezeichnet.

Grandiose Fernsicht vom Rehberg
Direkt hinter der Hütte befindet sich der Waldparkplatz Kuhfalltor mit einer Fülle von Wanderzeichen. Dort orientiert man sich am roten Quadrat und den Rundwegmarkierungen O1 und gelbe Drei, die die Wanderer nach rund 300 Metern auf dem breiten Forstweg zur Lud- wigseiche bringen. Das achteckige Gebäude vis-à-vis hätte bestimmt viel zu erzählen, wenn es des Redens mächtig wäre. Das „Heisje“, wie die Ober-Ramstädter sagen, diente wohl schon den Darmstädter Großherzögen als Jagdpavillon. Der abwechslungsreiche Wanderweg schlängelt sich weiter durch den Wald. Orientierung gibt nun am besten die gelbe Drei, denn zuerst verabschiedet sich das rote Quadrat, dann auch der Rundweg O1 nach links. Die gelbe Drei mündet schließlich in den legendären Kotelettpfad, erkennbar an einem gelben V und markanten Holztafeln. Der Markierung folgend steigt man hinauf auf die Anhöhe Hundsrück und erreicht schon bald den Waldrand und eine Pferdekoppel. Nun geht es zuerst links, dann rechts und dann schnurgerade auf der Höhe entlang. Kurz vor den ersten Häusern, wenn der R1 nach links abbiegt, wenden sich die Wanderer nach rechts, und kurze Zeit später ist das mächtige Gipfelkreuz zwischen den Bäumen unschwer auszumachen. Errichtet haben es die Roßdörfer aus Dankbarkeit, nachdem sie den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden hatten. Obwohl der Rehberg nur etwa 270 Meter hoch ist, bietet er eine grandiose Fernsicht: Von den Hochhäusern in Frankfurt und dem Feldberg im Taunus, über den Spessart zum nördlichen und westlichen Odenwald.

Dann geht es nur noch bergab. Rechts unterhalb des Gipfelkreuzes führt ein Treppenweg vorbei an einem Schießstand direkt in den Claudiusweg, dann nach links in den Traisaer Weg und schließlich nach rechts in den Blütenweg. Am Ende dieses Weges stößt man auf den Erbsenbach. Das idyllische Pfädchen zwischen Häusern und Bach leitet die Wanderer nun einen guten Kilometer durch Roßdorf hindurch. Erst an der Straße Am Riedsbach verlassen sie den Bach und erreichen über den Bruchwiesenweg den Ausgangspunkt. (lahe)

Infos im Internet
Vorschläge zu „Wanderbares Groß-Zimmern“ unter » owk-gross-zimmern.de

Rubriklistenbild: © Badior/OWK/p

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