Wachstum ohne Grenzen?

+
Nebulös wie gestern der Blick auf das Klein-Zimmerner Baugebiet in der Pfütze sind derzeit die Aussichten für den Verkauf von Immobilien. Etliche Bauflächen sind ungenutzt.

Groß-Zimmern ‐ „Wie viel Bevölkerungswachstum braucht Groß-Zimmern und wo soll dieses Wachstum herkommen?“ Diese Frage stellen die Grünen in einer Pressemitteilung angesichts der vom Gemeindevorstand vorgelegten Stellungnahme zum Regionalplan Südhessen, die in der nächsten Sitzung der Gemeindevertretung beraten und beschlossen werden soll. Von Gudrun Fritsch

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit liegt der Regionalplan derzeit in Städten und Gemeinden aus. Ähnlich wie bei den Bebauungsplanverfahren können Kommunen, Verbände und auch Einzelpersonen hierzu Stellungnahmen abgeben. Einen aktuellen Entwurf hat der Gemeindevorstand erarbeiten lassen und kürzlich den Fraktionen zur Beratung vorgelegt.

Der Regionalplan soll 2011 in Kraft treten und hat eine Laufzeit von zehn Jahren. Für diese Zeit macht er Vorgaben hinsichtlich der Ausweisung von Baugebieten, Verkehrstrassen und anderen raumbedeutsamen Maßnahmen.

Für Groß-Zimmern sieht er einen Zuwachs von 32 Hektar Wohnbaufläche vor. Das entspricht rund 1 000 Wohneinheiten mit 3 000 Einwohnern. Also einem Zuwachs von 300 Personen pro Jahr. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr hat die Bevölkerung um 60 Personen abgenommen.

Die von einem unabhängigen Institut und den Fachbehörden aufgrund der Bevölkerungsprognosen ermittelten Zuwächse, die sich in der vorgelegten Planung wieder finden, sind dem Gemeindevorstand anscheinend nicht genug. Den erarbeiteten Antragsvorschlägen ist zu entnehmen, dass fast das Doppelte – nämlich 63 Hektar - gefordert werden sollen.

Diese sollen westlich der Berliner Straße, des Baugebietes „Roter Morgen“ und der Schillerstraße, südlich von Klein-Zimmern, des Otzbergrings und im früher verworfenen Baugebiet „Klein-Zimmern-Nordost“ liegen.

Die Grünen haben einen Antrag gestellt. Sie wollen in der Gemeindevertretung Auskunft erhalten über derzeitig ungenutzte Bauflächen. „Wer mit offenen Augen durch den Ort geht, stellt neben Leerständen und zum Verkauf stehenden Gebäuden, auch Neubaugebiete fest, deren Realisierung nur langsam vorangeht. Jetzt sollen zusätzlich 50 Bauplätze auf dem Gelände der Ziegelei ausgewiesen und weitere 62 Hektar der Regionalplanung abgetrotzt werden. Angesichts der demographischen Entwicklung, der Wirtschaftslage und anderer Faktoren erscheint uns das extrem blauäugig“, meint die Fraktionsvorsitzende Marianne Streicher-Eickhoff.

Auch zur Zulässigkeit von großflächigem Einzelhandel sind die Grünen anderer Meinung. „Wir haben vor Ort die gesamte Palette der Einzelhandelsketten an den Zufahrtstraßen, während die Betriebe im Ortskern aufgeben“, wundert sich der Vorsitzende des Grünen-Ortsvereins, Werner Wenz. Er kritisiert, dass in der Stellungnahme die Erweiterung des Frankfurter Flughafens und die dadurch bedingten Lärmbelästigungen nicht erwähnt werden.

Kommentare