Es wächst Gras drüber - Natur erobert sich die Gersprenz zurück

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Natürlich bewachsen ist die Gersprenz inzwischen auch wieder an den Stellen, wo im Frühjahr noch die Bagger wühlten. Davon konnte sich die NABU-Ortsgruppe überzeugen.

Groß-Zimmern - Unglaublich fanden es die Teilnehmer der NABU-Exkursion kürzlich, wie schnell sich die Gersprenz verändert hat. Von Ulrike Bernauer

„Wenn ich mich an die Mondlandschaft erinnere, die hier im Frühjahr zu besichtigen war - und heute erkennt man kaum noch, dass hier die Bagger, ich will nicht sagen, gewütet haben“, sagte Herbert Pietsch erstaunt. Die kleine Gruppe besichtigte vergangene Woche die Gersprenz-Renaturierung. Start war am Parkplatz der Viktoria.

Auch der Nabu-Vorsitzende Dr. Lothar Jakob zeigte sich beeindruckt. Von den 32 000 Kubikmetern Erdaushub, die hier bewegt wurden, ist praktisch nichts mehr zu sehen. Überall ist das Ufer grün bewachsen, einzig die Totholzemelente, die eingebracht wurden, um die Fließgeschwindigkeit noch weiter herab zu setzen, erinnern an die immensen Bauarbeiten.

Das Totholz wurde auch eingebracht, um bei Hochwasser angeschwemmte Äste an bestimmten Stellen sozusagen aufzusammeln. „Hier kann man mit dem Bagger bis an das Gewässer heran und das Treibgut herausholen, bevor es im unteren Teil der Gersprenz für Probleme sorgt“, erklärte Jacob.

Extremes Wetter für die Landwirtschaft

Die Vegetation am Ufer sieht bereits wieder so aus, als hätte sie hier schon ewig gestanden. Viel Klee gibt es, aber auch das indische Springkraut, ein Neophyt, der eingeschleppt wurde und früher nicht in Deutschland heimisch war. Das sieht zwar zurzeit mit seinen rosa Blüten schön aus, verdrängt aber die eigentliche Vegetation und breitet sich besonders gut an Gewässern aus. Bekämpft wird das Springkraut allerdings kaum, im Gegensatz zur Ambrosia und dem Herkuleskraut, das für die Gesundheit des Menschen bei Berührung gefährlich sein kann. An Gehölzen konnte die Gruppe nur Erlen bewundern, die schon im ersten Jahr aufgegangen sind. Erstaunt waren die Wanderer auch, dass die Gersprenz sehr gemächlich fließt, obwohl sie durch die Regenfälle relativ viel Wasser führte. Ein extremes Wetter war es in diesem Jahr für die Landwirtschaft.

Nach dem trockenen Frühjahr hat in der Erntezeit häufig Regen das Einbringen des Getreides erschwert, wenn nicht behindert. Mehr als 12 000 Tier- und Pflanzenarten sind in Auwäldern und vor allen Dingen in Gewässeraltarmen beheimatet, die hier auch in kleiner Form bei der Renaturierung hergestellt wurden. Jacob zitierte Konrad Lorenz: „Es ist eine Landschaft voller Wunder, vergleichbar nur mit dem tropischen Urwald, ein Dschungel in unserer gemäßigten Breiten. Wissen wir überhaupt, was wir im Begriff sind, zu verlieren?“

Künstliche „Uferabbrüche“ geschaffen

Der Ansiedlung des Eisvogels wollen die Gersprenz-Renaturierer beispielsweise ein wenig nachhelfen, indem sie künstliche „Uferabbrüche“ geschaffen haben. An solchen Orten gräbt sich der schillernde Vogel gerne seine Bruthöhlen. Die Löcher, die die Nabufreunde allerdings in den Steilufern gesehen haben, waren zu klein für den Sänger und stammen wohl von anderen Tieren.

„Aber wer weiß, wir haben in den letzten Jahren auch oft erlebt, dass sich Tiere dann doch - manchmal auch an unerwarteten Stellen - wieder ansiedeln, wenn die Bedingungen ansonsten gut sind“, erklärt Jakob.

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