Wahlkampf mal ganz anders:

Zum Kaffee mit Volker Bouffier

+
Ganz locker vom Hocker im Gespräch mit Zimmerner Bürgern: Bürgermeister Achim Grimm (von links), Ministerpräsident Volker Bouffier und Manfred Pentz.

Groß-Zimmern - Raum ist in der kleinsten Hütte. Mit dem berühmten Zitat von Friedrich Schiller hält es auch Achim Grimm. Für den Besuch seines „großen“ Parteikollegen Volker Bouffier hat er am Mittwoch eine vergleichsweise kleine Lokalität ausgedeutet. Von Ursula Friedrich 

Zuversichtlich lässt Bürgermeister Achim Grimm den Blick über erwartungsvolle Gesichter streifen, die am Mittwochnachmittag im Bistro Amici dicht zusammengerückt sind. Der Kaffee ist serviert – Ministerpräsident Volker Bouffier lässt noch auf sich warten. Als eine schwarze Limousine vorfährt, wird es zunächst ein bisschen hektisch, denn nun gilt es, für den Hessischen Ministerpräsidenten einen Sitzplatz zu schaffen. Der findet sich schnell, auf einem Barhocker an der Theke nimmt Bouffier Platz – zunächst verblüfft, dann schlicht begeistert von soviel Nähe und Gemütlichkeit. Auf Tuchfühlung mit rund 60 Parteikollegen und interessierten Bürgern begegnet der Landesvater seinem Publikum nicht alle Tage. Und Bürgermeister Grimm hat sich mit diesem Treffen ein Wunsch erfüllt: Den Ministerpräsidenten aus der eigenen Partei als Fürsprecher für seine Bürgermeisterkandidatur zu gewinnen.

Nomen est Omen: Der Name des Bistros Amici war Programm, als Ministerpräsident Volker Bouffier gemütlich einkehrte - wie bei Freunden, die nicht mit Applaus geizten und aufmerksam zuhörten.

Bouffier, unterstützt von seinem Generalsekretär Manfred Pentz, einem waschechten Zimmerner Bub, findet zielsicher die richtigen Pointen, vom Groß-Zimmerner Vorort („Dieburg“) bis zu Donald Trump („Jeder Tag ein Hammer“). Natürlich habe der Bürgermeister seinen Zuspruch gar nicht nötig, befindet der Gast, schließlich stehe Grimm diesmal ohne Gegenkandidaten zur Wiederwahl. „Er muss seine Arbeit als Bürgermeister in den letzten zwölf Jahren wohl gut gemacht haben!“ Bouffier plädiert leidenschaftlich: „Bitte geht wählen, auch, wenn es nicht so spannend ist“, doch eine hohe Wahlbeteiligung sei Ausdruck einer lebendigen Bürgerschaft und ein demokratischer Pflichtakt.

Mühelos spannt der Christdemokrat den Bogen von Groß-Zimmern nach Europa und über die ganze Welt. Es gebe keine noch so kleine Gemeinde, die nicht auch „ganz stark von Europa abhängig“ sei. Von den 28 EU-Mitgliedsstaaten sei Deutschland das Sahnehäubchen – die Hessen mit dem prosperierenden Rhein-Main-Gebiet vielleicht noch etwas sahniger. Zurück nach Zimmern: Die Kommune, angesiedelt in einer Boomregion, „liegt dennoch nicht in der Walachei!“ Hier lässt sich das Bouffier’sche Heimatprinzip nahtlos anwenden: Zuhause fest verwurzelt – offen für die ganze Welt. „Das ist doch das größte Kompliment: dass die, die da sind, gerne bleiben, und andere gerne kommen“, meint der CDU-Mann. Im Publikum, das zeigt sich in der anschließenden Fragerunde, hat man sich gut vorbereitet. „Wenn der Ministerpräsident schon mal hier ist...“, eröffnen Groß-Zimmerner Pädagogen der Landrat-Gruber-Schule in Dieburg die Runde, fordern Chancengleichheit in der Bildung und ein „mehr“ an Allgemeinbildung im Lehrplan.

Die Anregungen nimmt Bouffier mit, will jedoch weder die Abschaffung der Grunderwerbssteuer, noch eine Verwaltungsreform zusagen, um Kommunen aus der Pflicht der Kreisumlage zu entbinden. Ein Blick auf die Uhr, der nächste Termin wartet. „Schade“, so das Resümee des Gastes: „Kaffee mit Bouffier, das könnten wir jeden Nachmittag machen.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare