Die wahre Alice an der ASS

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Eine eigene Geschichte von „Alice im Wunderland“ hat die Theater AG der ASS kreiert. Rosa Mohamed (vorne) spielt die Rolle der Alice, Sophia Franz ist ihre Schwester, die sie im Wunderland sucht.

Groß-Zimmern (mj) ‐ Eigentlich rückt beim Schultheater immer die ganze Familie zum Gucken an, doch diesmal sind die Schüler mit ihrer Einladung vorsichtig: „Kleine Kinder sollten besser nicht kommen“, lacht Rosa Mohamed (12) und verrät, dass der Horror auf die Bühne einziehen wird. „Vielleicht stirbt sogar jemand ganz unverhofft“, kündigt die Hauptdarstellerin vorsichtig an und ist darauf bedacht, nicht zuviel zu verraten.

Etwas erstaunlich wirkt die Vorschau schon, denn unter dem Titel „Alice im Wunderland“ würde man so ziemlich als letztes eine Schauergeschichte vermuten. Nur die Unterzeile „Alice - die wahre Geschichte“ deutet an, dass das neue Theaterstück der Albert-Schweitzer-Schule (ASS), das über Pfingsten gleich dreimal zur Aufführung kommt, vom üblichen Inhalt abweichen könnte.

Die letzten Monate hat das zehnköpfige Ensemble der Theater AG, die in diesem Jahr nur aus Mädchen besteht, das Stück mit dem freien Schauspieler Andreas Konrad vorbereitet.

Die Mädchen wollten was dramatisches, da musste was passieren“, beschreibt der 37-Jährige wieso man dem Stück eine besondere Wende gab. Laut dem Mitglied des Darmstädter Lakritz-Theaters werde Alice immer in eine kitschige Kuschelwelt gerückt. „Das stimmt schon vom Buch her nicht“, meint Konrad.

„Wir treiben den Wahnsinn weiter“

Die Premiere von „Alice im Wunderland – die wahre Geschichte“ findet am morgigen Freitag um 20 Uhr in der alten Turnhalle der ASS statt. Weitere Aufführungen sind am Samstag um 20 Uhr sowie am Sonntag um 18 Uhr. Der Eintritt kostet für Schüler drei Euro, Erwachsene zahlen vier Euro.

Auch darin gebe es „Action“ und reichlich Herzblut. Daran schlossen die Schülerinnen an und schufen einen fatalen Verlauf: Was märchenhaft anfängt geht immer mehr in Horror über. „Wir haben Ideen gesucht und viel diskutiert, wie extrem wir diese surreale Geschichte weiterschreiben können“, führt der Darmstädter an. Von dem Ergebnis, das eine ganz eigene und ungewöhnliche Dramaturgie bereithält, zeigt sich der Theater-Profi begeistert - vor allem deshalb, weil sie auf der Idee der Schülerinnen beruht. „Wir treiben den Wahnsinn weiter, der in den Figuren immer nur angedeutet wird, und lassen die Sache mal nicht als Traum enden“, kündigt Konrad an.

Mit dem gezeigten Engagement seiner Nachwuchs-Schauspieler in den letzten Wochen und Monaten ist der Theatermann zufrieden. „Wir haben sogar am Feiertag geprobt – und der Vorschlag kam nicht von mir“, lobt er die Begeisterung. Die sieht er als selbstverständlich und essenziell: „Ohne harte Arbeit wird keine Inszenierung was.“

Ohne Hilfsmittel sollen Emotionen transportiert werden

Nach dem Musical im letzten Jahr ist „Alice“ für Konrad das zweite Stück an der ASS. Vor allem die Schüler profitieren von dem Theater-Profi, der zu Beginn reichlich Basistraining vorausstellte. Ohne Hilfsmittel mussten sie Emotionen wie bei der Pantomime transportieren. „Mir geht es um die Feinfühligkeit der Schauspieler. Der Zuschauer muss im Theater etwas spüren, was er nicht greifen kann“, erklärt Konrad. Gerade bei „Alice im Wunderland“ sei dies wichtig: „Wir können niemanden fliegen lassen und die Zauberwelt nur schwer auf die Bühne bringen. Das meiste geht hier nur über das Spiel.“

So verlangt der Regisseur von seinen jungen Mimen reichlich Hingabe und den Willen zum Erfolg. Seine Worte sprechen dabei für sich: „Wenn ein Schauspieler die Sache ernst meint und an sich glaubt, ist alles möglich: Dann kannst du ihn auch ohne jegliches Bühnenbild oder Verkleidung vor das Publikum stellen.“

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