Ökologische Maßnahmen im Wald

Buchen verdrängen Eichen

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Dass die Kümmelswiese als Ausgleich für den Frankfurter Flughafen aufgeforstet wurde, finden die OWK-Senioren schade.

Groß-Zimmern - „Warum in die Ferne schweifen. . . ?“ Die Senioren des OWK richteten sich bei ihrer jüngsten Wanderung nach Johann Wolfgang von Goethes. Von Ursula Friedrich 

Statt ausgedehnter Wanderungen auf dem Rheinsteig oder am Bodensee ging es mit Revierförster Martin Starke durch den Zimmerner Wald. Knapp 40 Wanderer marschierten zur Birkenruhe, dem Ausgangspunkt der Exkursion. Wanderer – vom Schulkind bis zum Rentner - zogen los, um die heimische Natur zu genießen und Wissenswertes vom Fachmann zu erfahren.

Über aufgewühlte Wege – hier suchte das reich vorkommende Schwarzwild nach Würmern und Maden – gingen es zu Aufforstungsflächen an der Grenze zu Roßdorf. Die zarten Schösslinge am Waldrand sind Synonym für die Arbeit des Försters. Bis nachhaltige Waldwirtschaft in Ergebnisse mündet, in diesem Fall mit einem ein Hektar großen Eichenhain, „braucht es mehrere Förstergenerationen“, erklärte Starke seinem Publikum. „In 70 Jahren gibt es hier Holz fürs Sägewerk.“ 750 Hektar umfasst der Zimmerner Wald. Acht Kubilmeter Holz wachsen pro Hektar jährlich nach, sechs Kubikmeter werden geschlagen und verkauft.

Ein Ort der Erholung

Für Zimmerns Bürger ist der Wald in ersten Linie ein Ort der Erholung, wenngleich nicht jedem Spaziergänger ökologische Maßnahmen der Fachleute auf den ersten Blick einleuchten.

Förster Starke hatte auch Anekdoten im Rucksack. Kaum hatten Waldarbeiter einen Bruchsteinhaufen als Rückzugsort für Schlangen, Frösche und andere Tiere abgekippt, klingelte im Forstamt das Telefon. „Da hat einer Dreck abgekippt!“, monierte ein aufmerksamer Bürger, während ein zweiter gerne ein paar der schönen Basaltbrocken für den eigenen Garten abgeholt hätte. Der Fachmann machte seinem Publikum ökologische Maßnahmen transparent, vom seichten Tümpel bis zur Hirschkäferwiege und alten Eichenbeständen, einem Sorgenkind der Fachleute. „Die Schattenbaumart Buche verdrängt die Eiche – ohne menschliche Hilfe hätten Buchen im Wald bald die Oberhand.“ Nicht überall führten Maßnahmen der Forstämter zur ökologischen Verbesserung. „Warum gibt es die Kümmelswiese nicht mehr?“, beklagten mehrere ältere Wanderer den Verlust der einzigen zentralen Wiesenfläche im Zimmerner Wald, die bis in die 60er Jahre ein populäres Ausflugsziel war. „Als Kinder sind wir mit der Lehrerin oder Sonntags mit der Familie oft zur Kümmelswiese gewandert“, erinnerte sich Ilse Kunz. „An der Waldeslust gab es dann eine Brause für uns Kinder und für den Papa ein Bier.“

Baumwipfelpfad im Nationalpark

Baumwipfelpfad im Nationalpark Bayerischer Wald

Sogar ein Heimatliedchen wurde dem auch in ökologischer Hinsicht als Kleinod geltenden Wiesenstück gewidmet. „Uff de Kümmelswiese sitzt de dicke Schorsch....“, stimmte ein Wanderer an. Das ist Vergangenheit. Als Ausgleichsmaßnahme für den Ausbau des expandierenden Frankfurter Flughafens, der drastisch steigenden Flugbewegungen und neuen Generationen von Flugzeugen baulich Rechnung trug, wurde die Kümmelwiese aufgeforstet.

Zurück in die Gegenwart, wo es in den vergangenen Jahren durch das Naturschutzprojekt Messeler Hügelland wieder zur Verbesserung des vielfältigen Lebensraumes Wald kam. „Wir haben in fünf Jahren über 40 Teiche angelegt“, so Starke – und dies mit vergleichsweise kleinen Mitteln. 500 bis 700 Euro wurden für das Ausbaggern einer Teichfläche investiert. Schnell will Starke noch etwas weiterbaggern, denn zum Verdruss von Naturschützern und nachhaltigen Forstwirtschaftlern läuft das von der Hessischen Landesregierung initiierte Förderprojekt Messeler Hügelland zum Jahresende 2014 aus.

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