15 von 24 bundesweit existierenden Fledermausarten leben auch in Zimmern

Waldrundgang mit „altem Hasen“

Der ehemalige Haumeister Hannes Klober (vorne links)unterhielt sich beim Waldrundgang sehr angeregt mit Förster Martin Starke (vorne rechts). - Foto: Bernauer

Groß-Zimmern - Die Schar der Waldrundgänger war am Samstag vermutlich auch wetterbedingt überschaubar, dafür aber umso wissbegieriger. Förster Martin Starke hatte sehr interessante Themen ausgesucht. Von Ulrike Bernauer

Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Achim Grimm an der Waldschule geht es erst zur Hirschkäferwaage. Die ist aber nur am Rande Thema. Förster Starke interessiert dabei wesentlich mehr der alte Eichenbestand, vor dem die Gruppe steht.

Vor einigen Jahren wurden hier einige Bäume gefällt. Sie gingen nach Frankreich, wo aus dem Holz Fässer für die Weingärung hergestellt wurden. „Frankreich hat keine Eichen mehr in dieser Größe, die wurden schon alle abgeholzt“, so Stark. Einige Eichen, die eher minderwertige Qualität hatten, wurden stehen gelassen. Sie sollen wachsen dürfen, bis sie irgendwann eines natürlichen Todes sterben. Sie werden besonders geschützt, denn der junge Buchenwald, der sich unter ihnen ausbreitet, wird sozusagen als „Unkraut“ gefällt. „Die Buchen würden sonst die Eichen tot wachsen und ich habe die Hoffnung, dass die Eichen noch ein paar hundert Jahre stehen bleiben. Sie sind Lebensgemeinschaften, in denen viele Tiere und Pflanzen existieren, die in jüngeren Beständen überhaupt nicht vorkommen“, erklärt Starke.

Mit beim Spaziergang ist diesmal Hannes Klober. Er war ab 1975 Haumeister, heute sagt man Forstwirtschaftsmeister, im Zimmerner Wald und kennt ihn ebenso wie Starke wie seine Westentasche. Fünf Mitarbeiter hatte Starke in den besten Tagen im Wald, heute ist er alleine. Allerdings hat er zurzeit den Forstinspektoranwärter Tibor Pohle, der seit April seine Ausbildung im Zimmerner Forst abschließt. Unter den Mitarbeitern zu Klobers Zeiten waren auch noch die „Pflanzweiber“, die den Pflanzgarten betreuten.

Heute werden im Zimmerner Forst keine Pflanzen mehr angezogen. Starke setzt auf Naturverjüngung oder es werden Setzlinge gekauft.

Als jüngster Spaziergänger geht Lukas (9) mit. Er hat eine Stirnlampe auf dem Kopf. „Ich will in Ameisenhaufen blicken können“, erklärt Lukas. So ganz begeistert ist der Förster nicht von seinem Vorhaben. „In die Löcher darfst du schauen, aber nicht darin rumwühlen.“ Früher gab es sehr viel mehr Ameisen im Zimmerner Forst, aber viele sind verschwunden, als Sturm Wibke die Fichtenbestände platt gewalzt hat. Damit verschwanden auch die Ameisen, die sich in den Fichtenwäldern besonders wohl fühlen.

Im Wald kann man sich leicht verschätzen was die Größe und das Alter von Bäumen angeht. Eine Fichte schätzt Lukas auf 25 Meter, tatsächlich ist sie 32 Meter hoch. Und statt 40 Jahre ist der Baum 140 Jahre alt. Im Zimmerner Wald haben die ältesten Bäume rund 200 Jahre unter der Rinde. Der älteste Baum der Welt ist eine Grannenkiefer in der Sierra Nevada, die ist zwar nur vier Meter hoch, aber sie ist bereits 4 500 Jahre alt.

In den großen Eichen fühlen sich auch Fledermäuse wohl. Spezialist Rudolf Boehm hat sich den Forst angeschaut. Von 24 Fledermausarten, die in Deutschland vorkommen, konnte er 14 bestätigen, 2015 entdeckte er sogar mit der Bechsteinfledermaus noch eine 15. Art. „Diese außergewöhnliche Artenvielfalt im Zimmerner Wald ist das Ergebnis ökologisch hochwertiger Pflege“, freut sich Starke.

Im Anschluss an den Rundgang lud die Gemeinde die Teilnehmer zu einem Imbiss in der Waldschule ein.

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