Am meisten wird gelernt, wenn man selber forscht

Wasserspiele mit der Waldschule

Mit Gummistiefeln kann man in den flachen Erbsenbach hineingehen.

Groß-Zimmern - „Je intensiver das Rot auf der Skala ist, desto mehr ist das Gewässer mit Giftstoffen belastet“, erklärt Antje Avemarie den Mädchen. Von Ulrike Bernauer

Glücklicherweise ist das Stäbchen nur blassrosa, das Wasser, das die kleinen Besucherinnen des Waldschulkurses „Ein Tag am Erbsenbach“ untersuchen, stammt aus heimischem Gewässer. Am renaturierten Erbsenbach tummeln sich am Samstagnachmittag zehn Kinder, die in drei verschiedenen Gruppen unterschiedliche Aspekte eines natürlichen Gewässers testen.

Die chemische Untersuchung des Wassers mit Hilfe eines kleinen Labors gehört auch dazu. Neben der Feststellung von Giftstoffen, das Wasser des Erbsenbachs ist also leicht belastet, steht auch die Prüfung des PH-Wertes auf dem Programm.

Ganz vertieft sind die Mädchen, die sich in dieser Gruppe zusammen geschlossen haben, und holen immer wieder neue Wasserprobe aus dem flachen Bachlauf.

Gewässerexperte Uwe Avemarie, der den Kurs leitet und normalerweise seinen Arbeitsplatz in der Abteilung Natur- und Umweltschutz im Landkreis Darmstadt-Dieburg hat, steht währenddessen mit drei Jungen mitten im Bach, dessen Bett an dieser Stelle - wie in den meisten Bereichen - nicht allzu tief ist.

Er erklärt ihnen die Unterschiede in der Struktur des Wasserlaufes. Da liegen größere Steine, es wachsen Wasserpflanzen, Sand hat sich an einer Stelle angesammelt oder der Bach hat sich eine kleine Rinne gegraben, in der das Wasser etwas schneller fließt. „Dort sieht es dann ganz anders aus, wenn man genau hinschaut. Und es sind auch andere Tiere zu sehen“, erklärt Avemarie. Die Kinder sollen an diesem Nachmittag hauptsächlich zwei Dinge lernen: Einerseits, dass es immer sinnvoll ist, zusammen zu arbeiten, denn dann entdeckt man beispielsweise beim Pflanzensammeln viel mehr als wenn man den Einzelkämpfer spielt. Andererseits geht es darum, das Interesse an der Natur zu wecken und zu zeigen, dass Ausgewogenheit in der Landschaft immer sinnvoll ist. Die biologischen Parameter untersuchen die kleinen Naturforscher, also welche Pflanzen und welche Tiere im und am Bach leben. So wird es beispielsweise nie einen Bach ohne Algen geben, die gehören einfach dazu. Problematisch wird es, wenn eine Pflanze zu dominant ist. Das gilt auch für die Tierarten. Der Bachflohkrebs gehört in jedes Gewässer, er ist die Nahrungsgrundlage für Fische und Vögel. Wenn es aber nur noch Bachflohkrebse gibt, dann stimmt etwas nicht.

Beigebracht wird den Jungen und Mädchen auch, dass es immer problematisch ist, wenn der Mensch in solch ein Gefüge eingreift. „Man kann nie genau wissen, was das nach sich zieht. Ob wir, wenn wir Pflanzen massenhaft entnehmen, damit bestimmten Tieren die Nahrungsgrundlagen entziehen“, sagt Avemarie.

Ganz wichtig sei es, dass die Kleinen selbst sehr aktiv werden. „Wir haben gelernt, dass bei den Kindern am meisten hängen bleibt, wenn sie sich die Erkenntnisse selbst erarbeitet haben. Außerdem ist es sehr wichtig, dass die Kinder Spaß am Forschen haben. Das Schönste wäre, wenn sie nach Hause kommen und sagen, Mama, Papa, da wollen wir noch mal hingehen“, sagt Avemarie.

Kommentare