Weiberfastnacht in Groß-Zimmern

Küsschen, aber auch Schelte für die Männer

+
Die „Desert Roses“ kamen als Vampire auf die Bühne.

Groß-Zimmern - Es ging wieder ordentlich zur Sache bei der Weiberfastnacht im katholischen Pfarrzentrum. Die Damen nahmen kein Blatt vor den Mund und oft waren neben Selbstironischem die Männer das Thema der Büttenreden. Von Ulrike Bernauer

Neben dem Zuhören stand für die närrischen Damen aber auch Bewegung an, bei zahlreichen Schunkelrunden gab es für das Publikum die Möglichkeit, die Glieder zu schütteln. Den Beginn machte Elfriede Burger, die ganz passend als Sportlerin des Jahres auf die Bühne kam. Mit vielen Sportarten hat sie es probiert, mit dem Fußball beim FC Männerschreck, dem Tanzen, dem Reiten, aber auch dem Catchen. Nirgends hielt es die Sportlerin lange, dafür brachte sie dann aber die Faschingsrunde auf Trab. Elisabeth Schaffer beschäftigte sich mit den unterschiedlichen Erziehungsmethoden von anno dazumal und heute. Da kamen nicht nur das Außenklo von früher und das heutige Wellnessbad zur Sprache. Da erinnerte sich die Büttenrednerin auch wehmütig an Lokalbesuche. Heute würden die Kinder in der ganzen Örtlichkeit herumrennen, „bei uns ist keiner von seinem Platz verschwunden, ging ja auch nicht, wir waren festgebunden“.

Brigitte Jung nahm das Motto Zirkus auf. Sie hatte sich einen Fuchspelz um die Schultern gelegt, „damit wenigstens ein Tier dabei ist“. Ansonsten plauderte sie aus 50 Jahre Eheleben, dem sie nicht viel Gutes abgewinnen konnte. Ihre Augen blitzten zum Ende ihres Vortrags, als sie die Belehrungen für Ehemänner vortrug. „Die Frau hat das Recht und die Pflicht, sich jederzeit über den Inhalt seiner Brieftasche zu informieren.“ Außerdem hat sie des Nächtens die Schlüsselgewalt über Haus und Hof, während der Mann das Recht hat, „unter Vorbringung wichtiger Gründe für die übrige Zeit den Schlüssel von seiner Frau zu erbitten“. Als Bänkelsängerinnen traten Sandra und Tanja Ihring auf. Unter anderem setzten sie sich mit so mancher Regel der katholischen Kirche auseinander. „Mer sinn zwaa späde Mädchen, des nemmer mer halt sou hin. Trotzdem nemmer mer die Pille, des hot aach en tiefere Sinn. Seid ehrlich unn nit erzkatholisch unn dutt nit sou verklemmt, ehr schließt aach kao Feierversicherung erst, woann es Haisje schunn brennt.“

Auch Pfarrer Christian Rauch stand in ihrem persönlichen Gesangbuch, Rauch hatte es offensichtlich sehr eilig, den Christbaum los zu werden. „Vielleicht hot er persönliche Ängsde, weil er glai assoziiert: die Tannebaumnadel doun rieseln, wie die Hoarn, die er täglich verliert.“ Küsschen bekamen die beiden Sängerinnen dann nicht von Rauch, der zum Geburtstag seines Vaters enteilt war, sondern von den Pfarrern vom anderen Gickel, von Michael Fornoff und Michael Merbitz-Zahradnik.

Elke Thill ist eine eifrige Kirchgängerin und sie ließ die Närrinnen an ihren Gedanken während eines Gottesdienstes teilhaben. Neben den Worten des Pfarrers kreisen Fragen, wie „habe ich den Herd ausgemacht“, durch ihr Hirn. Katharina Fischer hingegen kam als Sparbrötchen. Weil sie sich keine Seidenstrümpfe mehr leisten kann, hat sie sich, ganz Grand Dame, die Naht aufs Bein gemalt. Ausgesprochen deftig ging es bei Gaby Geier zu, sie erzählte von ihrem Job als Krankenschwester auf der Männerstation.

Weiberfastnacht in Groß-Zimmern

Weiberfastnacht in Groß-Zimmern

Selbstverständlich gab es auch etwas für die Augen. Als erstes bejubelten und beklatschten die Weiber die Garde des Turnvereins, die die Fastnacht mit einem klassischen Gardetanz eröffnete. Als gar schauerliche Vampire kamen die „Desert Roses“ auf die Bühne, aus dem Weltall kamen die „Hupfdohlen“. Sie steckten in aufwendigen, wunderschönen Kostümen und funkelten mit ihren leuchtenden Brillen um die Wette. Keine der Tanzgruppen kam ohne Zugabe von der Bühne. Die Ehre des letzten Tanzes hatten die Elfchen, die als Piraten vor die Damen traten. Sie machten noch einmal ordentlich etwas her und statt Zugabe animierten sie das Publikum mit einer Polonaise selbst zur Bewegung.

Durch das Programm hatte wortgewaltig Rosemarie Busch-Maiwald geführt. Sie hatte den Zirkus, als Clown verkleidet, würdig vertreten. Immer wieder für Stimmung sorgten Gerhard Kuhr und Charlie Weygandt. Die beiden Musiker waren ein unerschöpflicher Quell von Stimmungsmusik, die auch gerne ganz regional sein konnte. Neben Dieburger Fastnachtsliedern spielten sie auch die Zimmerner Nationalhymne. Die Damen wussten was sich gehört, sangen kräftig mit und hatten die Hand über dem Herzen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare