Schöne Bescherung mit Renate und Horst Schwarz

Zu Weihnachten muss keiner alleine bleiben

+
Renate und Horst Schwarz organisieren das gemeinsame Essen.

Groß-Zimmern - Nicht nur für Kinder ist Weihnachten ein wichtiges Fest, sondern auch für Erwachsene und besonders für Senioren. Denn der Mensch ist sozial und braucht Rituale. Von Gudrun Fritsch 

Weil viele im Alter alleine wohnen, ist es gerade in der Adventszeit wichtig, dass sie bei geselligen Treffen ihre Traditionen pflegen. Und wo ginge das besser als beim Essen? Auch das ist wohl ein Grund, weshalb Renate und Horst Schwarz vor fast 15 Jahren für den Erhalt der Tradition des gemeinsamen Mittagessens gekämpft haben. Gut zwölf Jahre hatte zuvor ein Frauenteam um Ilse Heinkel im evangelischen Gemeindehaus ein gemeinsames Essen gekocht. „Eigentlich war es schon beschlossen, dass es danach nicht weitergehen sollte“, berichtet der Vorsitzende des Diakonievereins, Horst Schwarz.

Eleonore Müller (78) aus Klein-Zimmern kommt seit acht Jahren regelmäßig zum Mittagstisch. Auch ihr Lebensgefährte Bruno Geketics (76) aus Georgenhausen ist begeistert.

Für ihn hatte damals gerade die Zeit als Pensionär begonnen, als seine Frau berichtete, dass vielen die vertrauten Essenstreffen fehlen und dass sie sich wünschen, es möge doch weitergehen. „Anfangs war es eher ein Spaß“, erinnert er sich nach inzwischen fast 15 Jahren. Schnell wurde es für die Eheleute aus Klein-Zimmern eine Herausforderung. „Wir mussten zunächst die fast aufgelöste Runde neu zusammenschmieden“, erzählt er. Außerdem habe es Neuerungen gegeben: Die Senioren müssen sich in der Vorwoche anmelden und können ein Menü auswählen, das kommt von einem Caterer, der auch die Senioreneinrichtungen der Gersprenz bedient. Jeden Donnerstag ab 12 Uhr wird zum Essen für fünf Euro eingeladen, auch an Feiertagen. Anfangs kamen 15 Teilnehmer, inzwischen ist das Mittagessen im Gemeindehaus fast immer mit 36 Personen zwischen 90 und 56 Jahren ausgebucht. „Mehr geht nicht“, sagt Schwarz. Dass überwiegend Frauen kommen, findet Schwarz logisch und kommentiert mit einem Lächeln: „Ich habe nichts gegen Frauen.“ Zudem hätten die Herren beim Kreis der Ruheständler einen eigenen Treff.

Damit niemand an Heilig-abend alleine zu Hause sein muss, bietet das gut eingespielte Team alljährlich zur Weihnacht ein besonderes Menü an. Und Schwarz legt auch hier großen Wert darauf, dass es „keine Abfütterungsstation“ ist, sondern ein sehr geselliges Treffen, bei dem Neue willkommen sind, egal woher sie kommen und welcher Glaubensgemeinschaft sie angehören. Es gibt immer ein Begleitprogramm.

Seit acht Jahren kommt Eleonore Müller (78) aus Klein-Zimmern regelmäßig zum Mittagstisch. Ihr Lebensgefährte Bruno Geketics (76) aus Georgenhausen ist ebenfalls begeistert. „Ich bin zwar nicht jede Woche hier, aber mir schmeckt es immer“, sagt er. Besonders am Feiertag genießen die beiden die Bequemlichkeit und die angenehme Gesellschaft. An Heiligabend werden Geschichten vorgelesen und zwei Cellistinnen musizieren. „Außerdem kam noch ein Ehepaar aus Harpertshausen neu hinzu. Er ist ein echter Alleinunterhalter und hat sein Akkordeon mitgebracht“, schwärmt Schwarz.

Ausgebucht ist das gesellige Essen im Gemeindehaus fast immer, nicht nur zur Weihnachtszeit.

So ist es nicht verwunderlich, dass der Eingangsbereich des Gemeindehauses am Samstag zugeparkt ist mit Rollatoren. Einige der älteren Leute kommen mit dem Bürgerbus, andere bilden Fahrgemeinschaften. Seit zehn Uhr bereiten Horst und Renate Schwarz schon den Raum vor. Mit der passenden Dekoration, dem Druck von Karten und dem Einkauf von Geschenken waren sie in den Tagen zuvor beschäftigt. Beim Tischabräumen helfen alle mit, nur in der Küche können höchstens zwei Leute arbeiten. Pünktlich liefert der Caterer das Essen. Zunächst wird Kürbiscremesuppe mit Curry gereicht. Doch, oh weh, die eigentlich bestellte Entenbrust war nicht mehr in ausreichender Zahl vorhanden. Für einige gibt"s statt dessen Enten- oder Gänsekeule. „Das war kein Problem und man war sich schnell einig“, erzählt Schwarz. Zum Nachtisch gibt"s Eis für alle.

Nicht nur die Besucher, auch die Organisatoren werden anschließend reichlich beschenkt. Und vor dem Gottesdienstbesuch gibt"s Kaffee und Kuchen. Doch das Ehepaar Schwarz geht stattdessen in die Küche. Während des Essens ist die Spülmaschine schon zweimal gelaufen, jetzt folgt der letzte Durchgang, einiges wird noch per Hand gespült. „Ich räume immer die Maschine ein und trockne per Hand ab“, erzählt der Ehemann. Zufrieden sind die beiden, auch wenn sie erst um 17.30 Uhr zu Hause sind. „Für uns ist die positive Resonanz der schönste Lohn. Wir machen das, weil es uns glücklich macht.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare