150 Jahre TV: Von Anfang an ein Verein mit tragender gesellschaftlicher Rolle und sozialer Verantwortung

Weit mehr als sportliche Betätigung

Ein Archivfoto der ersten Turnhalle des TV.  J Foto Repro: Friedrich

GROSS-ZIMMERN - Gemeinsam sind sie schon 300 Jahre alt. Zum alten Eisen gehören die beiden Veteranen jedoch nicht: Die Chorgemeinschaft und der Turnverein Groß-Zimmern präsentieren sich im 21. Von Ursula Friedrich

Jahrhundert im Gewand moderner Vereine, die den Dienstleistungsgedanken unserer Gesellschaft ein Stück weit mittragen, um zu überleben, und sich aufgeschlossen auf gesellschaftliche Verändungen einstellen.

Wenn der „Bunte Abend“ heute und die akademische Feier am morgigen Sonntag, 21. April, mit Tanz, Gesang und Turnkunst gewürzt werden, erinnert man dabei an die Anfänge. Als sich 1863 der Turnverein Groß-Zimmern gründete (TV), bekannten sich die Gründungsväter zu weit mehr als der Absicht, gemeinsam miteinander Sport zu treiben.

Die im damaligen Kaiserreich (1871) etabliere nationale Turnbewegung wurde von freiheitlichen Grundprinzipien getragen. Turnvereine wurden von sozialen und politischen Themen geprägt. In Groß-Zimmern, dessen Bewohner überwiegend in recht bescheidenen, oft auch ärmlichen Verhältnissen lebten, übernahm der TV seit seiner Geburtsstunde eine tragende gesellschaftliche Rolle und soziale Verantwortung. Ja sogar die Bildung kam bei gemeinsamen Leseabenden nicht zu kurz.

1877 erbaut der Verein ein Badhaus – das erste Schwimmbad der Gemeinde. Bereits seit 1866 unterhielt der TV eine Gemeindebücherei – 40 Jahre lang war man für diese soziale Einrichtung verantwortlich. Am 13. Februar 1893 beschloss man sogar, eine Feuerwehrmannschaft zu bilden, die tapfer am Sonntag Morgen um 6 Uhr zur Übung antrat. Leichtathletik, Gymnastik und Turnen standen damals im sportlichen Fokus, doch auch Singen und Theaterspielen prägten das Vereinsleben.

Ein Meilenstein der Vereinsgeschichte ist die Einweihung der Turnhalle. Am 6. und 7. November 1911 wurde die erste Vereinsturnhalle in Südhessen feierlich eingeweiht. Mit diesem Bauwerk, das bis heute als „Alte TV-Halle“ genutzt wird, hat es eine besondere Bewandtnis. Das 21 Meter lange und elf Meter breite Gebäude diente zunächst als Notkirche in Offenbach. Der TV, der ursprünglich einen kompletten Hallenbau plante, kaufte die Immobilie für 1 800 Mark an, um sie in Groß-Zimmern neu aufzuschlagen und mit einem neuen Schieferdach (100 Mark) einzudecken.

Auch sportlich war der Verein im Aufwind. 1912 wurde die erste Damenriege gegründet. Das erste Handballspiel, das Groß-Zimmern gewann, wurde am 3. April gegen den Turnverein Dieburg ausgetragen. Von nun an wurden Faust- und Handball sowie Fußball in der Sport- und Spielabteilung des TV trainiert.

Mit Beginn der NS-Zeit willigte der Vereinsvorstand ein, die „Führer-Satzung“ anzunehmen. Neben der Förderung des Turnens wurde als Vereinszweck so die „Pflege deutschen Volksbewusstseins und vaterländischer Gesinnung“ festgeschrieben.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das sportliche Angebot erweitert und Grundstücksfläche hinzugekauft, sodass dem TV 17 500 Quadratmeter Trainingsfläche zur Verfügung standen. Mit der Wahl Georgi Reitzels zum Vorsitzenden am 19. März 1977 begann eine neue Ära in der Vereinsgeschichte. Unter seiner weitsichtigen Planung gediehen Sportverein und Trainingsstätten.

Gleich im August wurde die Tennisabteilung gegründet. Sukzessive wurde die bauliche Entwicklung vorangetrieben und eine Vielzahl von Sportstätten für die unterschiedlichen Sportarten geschaffen. Im Oktober 1977 konnte das Sportzentrum mit einer Drei-Feld-Tennishalle, vier Tennisplätzen, zwei Kleinfeldspielfeldern und der renovierten Turnhalle eröffnet werden.

Im Folgejahr wurde der Lauftreff eröffnet, Zivildienstleistende wurden nun als Verstärkung für den Verein eingestellt.

1979 wurden Tanzsportabteilung und Radwandergruppe aus der Taufe gehoben, 1980 kamen Babyschwimmen und eine Koronarsportgruppe hinzu.

Für beispielhafte Vereinsarbeit wurde der TV 1981 mit dem Heinz-Lindner-Preis des Landessportbunds Hessen für beispielhafte Vereinsarbeit ausgezeichnet. Die Grillhütte wurde eröffnet und schließlich, mit einem großen Festakt am 18. August 1990 die neue Sporthalle. Die Schützen weihten 1995 den Bogenschießplatz ein, im Januar 1997 wurde schließlich die Einweihung der Gymnastik- und Kletterhalle gefeiert. Als Michael Coors im März 2007 den Vorsitz des auf 2 100 Mitglieder angewachsenen Vereins übernahm, wurde Georgi Reitzel mit einer Gala-Sportschau unter dem Motto „Danke Georgi“ verabschiedet.

Das Kapital der Väter zu erhalten und zu pflegen, ist Hauptaufgabe des neuen Vorstands, der nun im Team agiert. Sparen ist dabei die Devise der Zukunft, denn Sanierungsprojekte sind erforderlich.

2013 soll der Fußboden in der Tennishalle erneuert werden. Ein weiteres Thema ist die Sanierung von Duschen und Sanitäranlagen in der Georgi-Reitzel-Halle, deren Dach bereits im vergangnenen Jahr für 90 000 Euro saniert wurde.

Sportlich bleibt man dem Motto „Sport für alle“ treu, mit einem facettenreichen Angebot das vom Pampersträger bis zum Senior allen Altersklassen etwas bietet.

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