Richtlinien erfordern voraussichtlich bis 2019 Ertüchtigung

Weiterer Bau an der Kläranlage

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Erst im Herbst 2016 wurde die Erweiterung der Kläranlage abgeschlossen. Doch die Europäischen Wasserrahmenrichtlinien sehen weitere Maßnahmen zur Phosphorreduzierung vor. Es muss also nachgerüstet werden. Unser Bild zeigt die vorgesehene Fläche für eine zweite Phosphor-Fällanlage.

Groß-Zimmern - Eigentlich ist die Kläranlage der Gemeinde am Ortseingang nahe der B 26 gut ausgerüstet. Erst im Herbst letzten Jahres wurde nach rund 22 Monaten Bauzeit die Erweiterung von 16.500 Einwohnergleichwerten (EW) auf jetzt 27.500 abgeschlossen. Doch damit ist es wohl nicht genug. Von Gudrun Fritsch 

Zur Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinien will das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Änderungen für die Einleitegenehmigungen der Kläranlagen herbeiführen. Schwerpunktmäßig sollen bis 2018 Maßnahmen zur Phosphorreduzierung umgesetzt werden. Hauptgrund für die Erweiterung der Groß-Zimmerner Kläranlage war die Grenze der Belastbarkeit. Die Gemeinde wächst – und damit auch die Menge an Fäkalien und Abwasser. Kläranlagen müssen jährlich Eigenkontrollberichte an das Regierungspräsidium Darmstadt schicken, in denen die mengenmäßigen und stofflichen Belastungen gemeldet werden. Denen war zu entnehmen, dass die von der Kläranlage zu bearbeitende Abwasserbelastung weitaus höher war, als die Größe eigentlich zuließ. Nur durch sehr gute Betriebsführung und unter Verwendung unterschiedlicher Hilfsmittel habe man die Grenzwerte einhalten können, die die Einleitung der Kläranlagenabwässer in die Gersprenz erlauben, sagte Bürgermeister Achim Grimm bei der öffentlichen Einweihung der Erweiterung. 1,6 der 3,7 Millionen Euro Gesamtkosten schulterte die Gemeinde, 747000 Euro steuerte das Land Hessen hinzu.

Die Gehalte an Phosphor im kommunalen Abwasser haben sich in den letzten 30 Jahren erheblich verändert. Zahlreiche Auflagen und Verbote haben zwar bereits dazu geführt, dass der hauptsächlich durch Wasch- und Reinigungsprodukte erzeugte Phosphor-Eintrag deutlich reduziert werden konnte, zudem ist das Umweltbewusstsein bei den Verbrauchern gestiegen.

Phosphor, im Allgemeinen als Nährstoff bekannt, begünstigt besonders das Pflanzenwachstum, deshalb wirkt er im Gewässer eutrophierend – das Algenwachstum wird gesteigert, dessen Auswirkungen vielschichtig sein können. Im Extremfall kommt es zu Sauerstoffarmut im Gewässer mit tödlichen Folgen für Fische und andere Wasserorganismen. Deshalb sollen die Grenzwerte eines Gesamtphosphorgehaltes (Pges) von derzeit 1,6 ab Juli 2017 auf ein Milligramm pro Liter Wasser (mg/l) reduziert werden. Geplant ist ein Überwachungswert von Pges 0,7 mg/l. Hierrüber wurden die Gemeinden seit Februar 2016 informiert.

Eine erste Stellungnahme zu diesen neuen Auflagen, ausgearbeitet vom Ingenieurbüro Reitzel, hat der Gemeindevorstand im August an das Regierungspräsidium Darmstadt geschickt. In dem Schreiben wurde erläutert, dass die aktuelle Erweiterung der Zimmerner Kläranlage bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf die verbesserten Ablaufwerte gemäß der Wasserrahmenrichtlinie ausgelegt war.

Als Ertüchtigungsmaßnahme wolle man eine Erweiterung der P-Fällung mit weiteren Online-Messungen sowie die Verbesserung der hydraulischen Verhältnisse im ersten Nachklärbecken ergänzend hinzufügen. Die geschätzten Investitionskosten von 250.000 Euro wären mit der Abwasserabgabe zu verrechnen. „Im Oktober erhielt die Gemeinde vom RP Darmstadt einen Bescheidentwurf mit den oben angegebenen Werten. Ab Januar 2018 sollen die herabgesetzten Grenzwerte eingehalten werden“, das teilte Bürgermeister Achim Grimm den Gemeindevertretern bei der jüngsten Parlamentssitzung mit.

Die Gemeinde habe daraufhin im November in einer erneuten Stellungnahme nochmals auf die zu dieser Zeit noch nicht abgeschlossene Kläranlagenerweiterung verwiesen und betont, dass nach dem Umbau noch keine gesicherten Ablaufwerte bestimmt werden konnten. Deshalb seien Notwendigkeit und Ausmaß eventuell erforderlicher Ertüchtigungsmaßnahmen noch nicht absehbar.

Bezüglich der Zeitschiene wurde um die Genehmigung gebeten, dass man in Groß-Zimmern 2017 die neuen Ablaufwerte ohne weitere Ertüchtigungsmaßnahmen definieren, 2018 mit den Arbeiten beginnen und diese 2019 beenden könnte. Die Einhaltung der neuen Werte würde demnach ab 2020 erreicht werden.

Ali Bakkar vom Ingenieurbüro Reitzel erklärte dem LA auf Nachfrage, dass voraussichtlich alle Kläranlagen entsprechende Maßnahmen ergreifen müssen. In Zimmer soll hierfür eine zweite Phosphor-Fällanlage hinzukommen. Eine Fläche für den Container mit Tanksilo wurde bei der Erweiterung bereits vorgesehen. Von dort aus könnten relativ einfach Leitungen zu den Becken verlegt, Leerrohre hierfür habe man bereits berücksichtigt. Auf die Frage, wieso die zusätzliche Fällanlage nicht gleich mit installiert wurde, entgegnete Bakkar: „Das war zu der Zeit noch kein Thema.“

Jährlich zahlt Groß-Zimmern zwischen 55.000 und 60.000 Euro Abwasserabgabe für die Einleitung in die Gersprenz. Auf die Frage, was geschehe, wenn die neuen Werte gelten, aber der Überwachungswert nicht eingehalten wird, entgegnete er: „Ich nehme an, dass die Abgabe dann erhöht wird und eventuell müssen Strafen gezahlt werden.“ Auch aus diesem Grund wäre es ratsam, wenn Groß-Zimmern 2018 mit der Umstellung beginnen und sie 2019 abschließen würde. Die Investitionskosten von geschätzt 250.000 Euro könnten jedoch über einen Zeitraum von drei Jahren mit diesen Abgaben verrechnet werden.

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