Welches Benzin kommt in den Tank?

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E 10 oder E 5? Die Verbraucher sind verunsichert, was in den Tank ihes Autos soll. Tobias Hix hat sich für den neuen Kraftstoff entschieden.

Groß-Zimmern (ula). „Die Leute sind verunsichert“, resümiert Elisabeth Weick, Tankstellenpächterin der Jet-Tankstelle in der Waldstraße. Seit rund drei Wochen fließt der günstigere Biokraftstoff E 10 aus den Zapfsäulen, aber er wird wenig angenommen.

Der Grund: „Jeder hat schon irgendwie davon gehört, aber keiner weiß so recht, was es mit dem neuen Bio-Super auf sich hat“, so Weick. Sie hat viele Informationsbroschüren neben ihrer Kasse liegen, um aufzuklären. Welcher Fahrzeugtyp letztlich E 10 tanken darf, ist für die meisten Verbraucher ein Rätsel. Weick verweist an Fachwerkstätten und Hersteller, denn das Gros der Marken, Fahrzeugtypen und Zulassungsdaten sei kaum überschaubar. Selbst beim Profi gebe es mitunter widersprüchliche Aussagen, so ein Kunde. Während laut Hersteller unbedenklich E 10-Kraftstoff in das vierjährige Fahrzeug getankt werden könnte, riet seine Fachwerkstatt ab. Das herkömmliche Super hat mit einem Preis von rund 1,60 Euro pro Liter allerdings den Zenit erreicht. „Jeder zweite Kunde ist empört und regt sich über die hohen Spritkosten auf“, so Heidi Ridder, Mitarbeiterin der Aral-Tankstelle in der Darmstädter Straße.

„Die hohen Preise sind echt der Wahnsinn“, erklärt Faik Altan, der erstmal nur für einen kleinen Betrag getankt hat - ob es morgen günstiger wird? „Der neue Kraftstoff wird schlecht angenommen“, bilanziert auch Ridder. Viele Leute beschweren sich, da sie mit ihren Fahrzeugen das neue Super gar nicht tanken dürfen und deshalb zur teuren Alternative greifen müssen.“ Doch es gibt auch experimentierfreudige Autofahrer, die wider fachlichen Rates zum neuen Biotreibstoff greifen. „Die Leute tanken erst und fragen dann, ob es schlimm ist“, wundert sich Weick.

Ob eine falsche Tankfüllung gleich ernsthafte Konsequenzen für den Motor hat? „Vermutlich nicht“, so Jörg Seifert, Chef der Zimmerner Aral Tankstelle. „Allerdings sind die Leute mit Recht verunsichert, es fehlen einfach Informationen“, meint er.

Biosuper schluckt 0,3 Liter mehr auf 100 Kilometer

Langzeitstudien, ob es durch die Verdopplung des Ethanol-Anteils im Super zu Schäden kommen kann, gibt es noch nicht. Viele seiner Kunden erhielten daher auch unbedenkliche Aussagen per Telefon vom Fahrzeughersteller. „Aber schriftlich gibt ihnen das keiner“, so Seiferts Erfahrung.

Bei Kritikern ist der Nutzen von E 10, das den CO 2-Ausstoß drosseln soll, ohnehin umstritten. Im Gegensatz zum konservativen Super mit einem Anteil von fünf Prozent Ethanol wird dem Biosprit zehn Prozent Bio-Ethanol zugesetzt, das aus Getreide und Zuckerrüben gewonnen wird. Im Verbrennungsprozess des Motors wird nur soviel CO 2 ausgestoßen, wie die Pflanzen während ihres Wachstums aufgenommen und gebunden haben. Allerdings, so Skeptiker, würde der vermeintlich klimafreundlichere Einsatz durch jenen Energieaufwand relativiert, der beim Anbau und der Verarbeitung anfalle.

Tobias Hix gehört zu den wenigen Verbrauchern, die sich mit dem Thema akribisch befasst haben. „Mein Autohaus brauchte allerdings vier Wochen, um mir auf meine Mail zu antworten, ob ich den neuen Kraftstoff tanken darf.“ Inzwischen wurde sein vierjähriger Kleinwagen mit zwei neuen Schläuchen nachgerüstet. Hix tankt E 10 – vor allem wegen des niedrigeren Preises. Allerdings, dies hat der zweifache Familienvater per „Bordcomputer“ recherchiert, sei der Kraftstoffverbrauch seines Fahrzeugs nun gestiegen. Vom Biosuper „schluckt“ der Wagen auf 100 Kilometern 0,3 Liter mehr.

Um die allgemeine Verunsicherung komplett zu machen, stellt Seifert eine These auf: Nicht überall, wo E 10 draufstünde, sei der neue Kraftstoff drin. Die Umstellung sei seiner Meinung nach noch nicht vollzogen, daher wurden die Preisschilder an seiner Tankstelle abgeklebt. Vom Tanklastfahrer erfuhr er, was der Rohölkonzern nicht preis geben wollte: Bisher würde vielerorts noch das alte Super ausgeliefert.

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