Konferenz in Schaafheim spricht über Mängel im ländlichen Raum

Zu wenig Hausärzte und Pfleger

Drei Teilnehmer der Pflegekonferenz (von links): Nicole Novak, die Leiterin des Groß-Zimmerner Demenzservicezentrums, Gabriele Veit vom Senio-Verband und der Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung, Hans-Jürgen Brems.

Groß-Zimmern -

Schaafheim (bea) „In Deutschland leben heute etwa 1,1 Millionen demenzkranke Menschen“, erläuterte Nicole Novak. „Im Jahr 2030 werden es voraussichtlich 1,7 Millionen sein.“ Die Leiterin des Groß-Zimmerner Demenzservicezentrums, das für den ganzen Ostkreis zuständig ist, stellte das Zentrum bei der Pflegekonferenz in Schaafheim vor Vertretern verschiedener Organisationen vor, die sich mit Pflege befassen. Größter Risikofaktor dieser immer häufiger werdenden Krankheit sei das steigende Alter der Bevölkerung. Deshalb seien auch rund 60 Prozent der Bewohner in einem Pflegeheim davon betroffen. Etwa 400 000 demenziell erkrankte Menschen würden in Alten- und Pflegeheimen versorgt.

„Wir können im Zentrum kaum Einzelfallberatung machen“, sagte Novak. Vielmehr sei die Aufgabe des Demenzservicezentrums die Weitervermittlung an die zuständigen Stellen. Wohnortnahe Vermittlung an Betreuungsangebote gehöre dazu, aber auch Infos über das Krankheitsbild und die Inanspruchnahme der Pflegeversicherung bei Demenz. Besondere Projekte für Demenzkranke gebe es auch, wie etwa das Tanzcafé, das schon mehrmals stattgefunden habe.

Eine neue Veranstaltung konnte Novak auch ankündigen: Für die breite Öffentlichkeit ist der Vortrag „Meine Eltern werden älter“ gedacht. Dipl.-Pflegewirtin Elke Boß wird über dieses Thema am 17. Juni, 19.30 Uhr, im Mehrgenerationenhaus in Groß-Zimmern referieren.

Tom Best, Leiter des Pflegeheims Bethanien, stellte den Teilnehmern der Pflegekonferenz sein neu gebautes Haus vor. 48 Bewohner leben in dem voll belegten Haus in Wohngruppen zu je zwölf Personen.

„Das Wohngruppenmodell hat sich bewährt“, sagte Best. „Das zeigt sich an der Zufriedenheit der Bewohner mit unserer Einrichtung.“

Eine große Diskussion entspann sich zum Thema „Fachärztliche Versorgung in Pflegeheimen“. Heimleiter Best, der auch für das Pflegeheim in Harreshausen zuständig ist, berichtete von Problemen mit der hausärztlichen Versorgung der Heimbewohner im Babenhäuser Pflegeheim. Mit der Einrichtung eines „Runden Tisches“, an dem alle Hausärzte teilgenommen hätten, habe man die Versorgung der Bewohner sichergestellt.

„Im Landkreis Darmstadt-Dieburg gibt es teilweise einen Ärztemangel“, erklärte Hans-Jürgen Brems von der Kassenärztlichen Vereinigung. „Es fehlen jetzt 15 Hausärzte, und die Aussichten, die 15 Praxen wieder zu besetzen, sind nicht gut.“ Brems prognostizierte, dass die ärztliche Versorgung noch schlechter würde. Einer der Gründe sei, dass zunehmend Frauen in den Arztberuf strömten, die aufgrund von Familienverpflichtungen kürzere Arbeitszeiten wahrnehmen würden. Auch das Verhalten der jungen männlichen Kollegen habe sich verändert. „Bringen Sie nun die kürzeren Arbeitszeiten der Ärzte mit einer Bevölkerung zusammen, die immer älter wird“, sagte Brems.

Aus diesem Grund müsse man neue Wege in der ärztlichen Versorgung auf dem Lande gehen. Dazu gehöre auch, dass die Krankenkassen in neue Modelle investierten. „Etliche Ärzteeinsätze wären unnötig“, befand eine Teilnehmerin der Pflegekonferenz, „wenn mit älteren, einsamen Menschen mehr geredet würde.“

Und Anette Huber, Pflegedienstleiterin des Diakonischen Werkes Groß-Umstadt, konstatierte einen Mangel an Pflegekräften: „Nicht nur die Ärzte werden immer weniger, wir steuern auf einen dramatischen Pflegepersonalmangel zu oder haben ihn schon.“

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