Ursula Burgdorf mit Individuellem und Gemeinschaftsaktionen

„Wenn andere nicht loslegen, übernehme ich selbst“

Ursula Burgdorf  J Foto: sr

Groß-Zimmern - Zum zehnjährigen Bestehen von Ursula Burgdorfs Kreativwerkstatt stellt der Lokal-Anzeiger die Initiatorin vor. Als Künstlerin will die 51-Jährige nicht bezeichnet werden, denn „wer definiert schon, was Kunst ist?“. Von Gudrun Fritsch

1991 ist „Ulla“, wie Freunde sie nennen, mit Ehemann Ralf nach Groß-Zimmern gekommen. Hier sind die Töchter (21 und 18 Jahre) aufgewachsen und Burgdorf hat sich in den altersentsprechenden Gremien engagiert.

„Ich habe viele Ideen und versuche diese zumeistmit anderen umzusetzen. Wenn die nicht anbeißen, übernehme ich eben selbst“, sagt die studierte Kunst- und Textilgestalterin aus Köln etwas schelmisch über sich selbst. Ihre „manchmal spinnerten“ Ideen können sich auf die Aktivitäten im Elternbeirat beziehen oder auch auf den gemeinsamen Ausbau eines Spielplatzes, wie am Roten Morgen geschehen. Burgdorf versteht zu motivieren und mitzureißen. „Ich bin technisch vorbelastet“, sagt sie. Ihr Vater war Physiker und der Meinung, dass die Tochter unbedingt löten lernen müsste. „In seiner Werkstatt habe ich auch etwas über elektrische Schaltungen gelernt. Aber viel lieber habe ich aus den bunt markierten Widerständen Kettchen gebastelt.“

Gründungsidee für die Kreativwerkstatt war es, Platz zu schaffen und dabei kreativ tätig zu sein. „Vor allem sollte man nicht alles so ernst nehmen“, sagt Burgdorf und definiert einen weiteren Grundgedanken: „Ist das Kunst oder kann das weg?“

Bei der Planung des neuen Hauses hat sie 2002 auf einem wohnraumhohen Keller bestanden, in dem viele nebeneinander kreativ arbeiten können. Nach Aufrufen in der Presse und Mundpropaganda reichten die anfänglichen zwei Gruppen mit maximal sechs Teilnehmern einmal die Woche bald nicht mehr aus. Inzwischen kommen an sechs Wochenterminen über 25 Menschen aus dem gesamten Kreis immer wieder in die Werkstatt. Das Altersspektrum reicht von 15 bis 70 Jahren, Männer sind zuweilen auch dabei.

Burgdorf: „Ich schlage Themen vor und erläutere Techniken. In diesem Rahmen bleibt dann alles ergebnisoffen.“ Jede kann also individuell machen, was sie will. Oft findet ein Spiel mit Materialien statt. Das können alte Stühle als Aufforderung zum Bemalen sein oder auch Fliesenbruch, der zu Mosaiken oder Kollagen gefügt wird. Die gesellige Atmosphäre inspiriert, manche kommen sogar in erster Linie deshalb, und immer wieder gibt es Gemeinschaftsaktionen.

Das „Verfremden von Alltagsgegenständen“ ist ein wichtiger Grundsatz der Aktivitäten. Um Techniken wie Filzen, Schweißen, Tiffany oder Kalligraphie zu lernen, organisiert Burgdorf schon mal gemeinsame Fahrten zu Fachleuten. Außerdem gibt es Kooperationen mit dem Zimmerner Jugendzentrum, Mitarbeit im Projekt „Soziale Stadt“ oder die Unterstützung des Dieburger Orgelprojektes. Manchmal kommen Gruppen zu kreativen Geburtstagsfeiern, „so wie andere eben kegeln gehen.“

Auch alleine ist Ulla Burgdorf gerne kreativ tätig. Ihre „Poltermosaike“ aus Überresten von Polterabenden sind sehr gefragt.

Die Kunstpädagogin hat mehr als genug zu tun. Als finanzielle Quelle für den Lebensunterhalt sieht sie das alles jedoch nicht. Gestalten ist für sie „eine Art Lebensunterhalt für die Seele.“

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