„Wham is´ die Kerb?“

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Zwei Hörner schmücken das Haupt des Elchbocks. Der blau-weiße Weihnachtsmarkt und das Christkind bringen die Kerbpuppe.

Groß-Zimmern - Stellen Sie sich vor, es ist Sommer, der Weihnachtsmann kommt und bringt ein riesengroßes Paket mit der Puppe Ihrer Träume. Unsinn? Absolut nicht. Zur Zimmerner Kerb ist eben alles möglich. „Last Christmas, I gave you my heart”, schallt es aus den Lautsprechern und viele singen den Wham-Song begeistert mit. Hunderte stehen am Straßenrand und warten aufs Christkind. Von Gudrun Fritsch

Nicht leicht haben es die 16 blau-weißen Kerbborschte bei der Abholung der „Bobbe“ am Samstag. Immer wieder werden sie von den zahlenmäßig stärkeren Roten und Grünen der Vorjahre überstimmt. Das Wettschreien macht Mut, steckt an und steigert die Stimmung.

Teils stehen die Menschen farblich markiert im Pulk, wie sie vom Roten Platz nach dem Gottesdienst herüber gekommen sind, teils sind es Jahrgangs-Gruppen oder einfach nur Schaulustige, darunter sehr viele Kinder, die gespannt auf die Ankunft der Puppe warten.

Besinnlich und heiter zugleich war zuvor der ökumenische Gottesdienst auf dem Roten Platz. Gestaltet wurde er mit Musik, Gesang und Segenswünschen auch der stark vertretenen Goldenen und Silbernen sowie der aktuellen Kerbborschte. Das Fanfarencorps geleitet den Umzug durch die Dieburger Straße zur Abholung am Brückelchen.

So schön war der Kerbumzug

Fantasievoller Kerbumzug

Einige Zuschauer stehen hier allerdings etwas abgeschlagen, denn die Bühne ist diesmal nicht wie üblich an der Kreuzung, sondern an der Einfahrt zur Kistenwache. Nach kurzem Warten schleppen Zwerge des Schwarzen Jahrgangs einen Tannenbaum heran. Der zierte bis von wenigen Tagen noch den Garten der Senks (wir haben berichtet), wird nun zum Weihnachtsbaum auf der Bühne erhoben und lässt schnell geschmückt die passende Feststimmung aufkommen. Etwas irritiert schauen sich die Menschen nach der Puppe um. Sie werden nicht enttäuscht.

Eine lange weiße Strech-Limousine rollt vor. Im Gedränge sorgen Sicherheitsleute dafür, dass die Insassen aussteigen können. Geleitet vom Schwarzen Jahrgang hüpfen grün-weiße Engelchen heraus. Die Herren der „Glühweinkerb“ entrollen ein Spruchband, auf dem geschrieben steht: „Wham is die Kerb?“ und Hansi Geier tanzt rülpsend auf der kleinen Bühne zu dem ultimativen Weihnachtssong. Christmas Party ist angesagt. Aber wo ist die Puppe?

Jetzt warten alle gespannt auf das Christkind. Wenn es im Winter eine Kerb geben kann, wieso dann nicht auch den Weihnachtsmann im Sommer? Zu Rudis rotem-Nasenlied schunkelt und singt die Masse und von weitem trabt ein gigantischer Elchbock heran.

Die Abholung der Kerbbobbe

Kerbbobbe namens Nicole

Sicher hält Weihnachtsmann (Roland Cöster) die Zügel in den Händen, neben ihm auf dem Schlitten sitzt das Christkind (Matthias Äppelboom) umringt von Geschenken. „Von drauß vom Walde...“, beginnt Cöster mehrmals, denn zunächst spielt die Technik nicht mit. Dann klappt’s. Im Wald habe er das Wesen gefunden, das er nun im riesigen roten Geschenkpaket mit den Worten: „Haltet in Ehren die Gute, sonst komm ich wieder mit der Rute“, an die Kerbborschte überreicht. Das wundersame Konjunkturpaket, das die Zimmerner Wirtschaften ankurbeln wird, schwebt über die Köpfe und landet wohlbehalten auf der Bühne. „Endlich isses souweit, des is doch e Glick, sou e schej Geschenk heb ich noch nie im Läwe kriegt!“, ruft Florian Cöster bewegt ins Mikrophon. Wieder einmal zeigt sich mit dieser Konstellation, dass in Zimmern die Kerbbobb nicht weit vom Stamm fällt. „Mer nemme dich all sofort in die Ärm, ich soue nor oans, mer hewwe dich gern“, jubelt der Blau-weiße und stellt dem Publikum die Kerbbobbe 2009 vor.

Noch geht es jedoch nicht zum Feiern in die Hall, denn zunächst melden sich die Silbernen Kerbborschte zu Wort. Sie waren auf mysteriöse Weise in Besitz der Kerbrede gekommen. Nach diversen Verhandlungen und Angeboten, den Text im LA vorab veröffentlichen zu lassen, geben die Silbernen nun im Tausch gegen zehn Kisten Bier dem Jahrgang 1989/90 seine Rede zurück.

Erstmals nicht von den Kerb-Dixie-Stompers, sondern musikalisch begleitet vom Fanfarencoprs ziehen die blau-weißen Kerbborschte mit ihrer Puppe und dem Volk zur Kerbarena.

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