Oktoberfest im Zimmern – und worauf es bei einem Dirndl ankommt

Wiesn in Weiß-Grün

Maß und Dirndl: Diese vier Besucherinnen stand ihre Tracht ausgesprochen gut. Fotos: just

Groß-Zimmern – „Ein Dirndl sollte eng und figurbetont daherkommen. Dennoch muss noch Platz für ein halbes Hähnchen sein“, sagt Kerstin Kiendl lachend. VON MICHAEL JUST

Mit ihren Freundinnen Susanne Göbel, Katja Tessier und Daniela Güzelsu gehörte die 43-Jährige am Samstagabend zu den partyhungrigen Besuchern des Oktoberfestes in der Mehrzweckhalle. Auf die Beine gestellt hatten die zweite „Zimmner Wiesn“ jene Kerbborschte, die 1987/88 das Licht der Welt erblickten.

Dass das Prosit auf die Gemütlichkeit lediglich im zweijährigen Turnus stattfindet, können Tom Steger und Gerrit Großklaus vom Orga-Team erklären: „Der Aufwand ist einfach zu groß. Die vielen Vorbereitungen bezüglich der Halle oder der Band können wir nicht jedes Jahr stemmen“, formulieren die beiden 31-Jährigen. Wie sie ergänzen, sei es bereits kompliziert, einer Sporthalle Atmosphäre zu geben. Mit vielen langen dünnen Stoffbahnen, die unter der Decke verliefen sowie dem Schmücken der Bühne und den Tischen wurde das Ziel dennoch sehr gut umgesetzt.

Bestanden die Bahnen das letzte Mal noch aus Krepppapier, fielen sie diesmal in Stoff qualitativ hochwertiger aus. Damit ging eine Weiterentwicklung einher. Regelrecht auffallend zeigte sich die Farbgebung, die sich nicht wie üblich in Weiß-Blau sondern in Weiß-Grün präsentierte. Diese Couleur entspricht der Jahrgangsfarbe. Ergänzend schufen die grün karierten Hemden der Ausrichter Identität. Einige Kerbborschte anderer Jahrgänge verzichteten ganz auf ein kariertes Oberteil und trugen ihr strahlend weißes Kerbhemd. Im Zusammenspiel mit einer Lederhose entfachte dies eine ganz eigene Wirkung.

Der Kerbjahrgang 1987/88 bestand, neben Kerbmädchen Lisa Boywitt (sie brachte sich am Samstagabend beim Kassendienst ein), einst aus 16 jungen Männern. Sie sind heute noch komplett dabei. Alle zwei Wochen ist Stammtisch, dazu gibt es im Dezember einen größeren Jahresabschluss. Auch werden Ausflüge unternommen. In guter Erinnerung ist noch die fünftägige Fahrt ins Ötztal mit Rafting und Canyoning. Die Liebe zu den Bergen, das zehnjährige Bestehen vor zwei Jahren und die Idee, als „Nachkerb“ mal was Besonderes zu schaffen, resultierten 2017 in der ersten Zimmner Wiesn. Damit füllten die Borschte eine Lücke, denn ein Oktoberfest gab es in der Gemeinde zuvor noch nicht. Der erfolgreiche Zuspruch vor zwei Jahren wurde am Wochenende mit einer vollen Halle eingestellt. Die vielen Tischreservierungen kündigten ein positives Fazit bereits im Vorfeld an. Mit Kuhl 7 stand eine andere Stimmungskapelle als 2017 auf der Bühne. „Beim ersten Mal war die Musik zu pop- und rocklastig und es fehlte der bayrische Einschlag“, erinnert sich Gerrit Großklaus. Kuhl 7 aus der Aschaffenburger Gegend trat am Wochenende – zumindest in der ersten Hälfte – weitaus zünftiger auf. Kerstin Kiendl und Daniela Güzelsu hatten sich extra für den Abend ein Dirndl gekauft. In den vergangenen Jahren blieb für die alleinerziehenden Mütter nur wenig Zeit, Oktoberfeste zu besuchen. Mit den beiden anderen Freundinnen wurde deshalb eine sich nicht allzu oft bietende Gelegenheit zum Ausgehen genutzt. In der Vergangenheit besuchte Kerstin Kiendl schon die Cannstatter Wasn in Stuttgart, was zu einem Vergleich bewog: „Das Bier ist in Groß-Zimmern deutlich günstiger“, sagte sie lobend. Halbe Hähnchen gab es natürlich aufgrund des großen Organisationsaufwandes in der Mehrzweckhalle nicht. Dafür boten die Kerbborschte eine Brezelmaschine, deren frische Produkte hervorragend zum Bier schmeckten und die letzten Energien für einen langen Wiesn-Abend in weiß-grün mobilisierten.

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