Gemeindeältester empfängt morgen im Seniorenwohnheim Verwandte und Freunde

Wilhelm Götz feiert 100. Geburtstag

Wilhelm Götz wird 100 J Foto: sr

GROSS-ZIMMERN J " ""„Auf Kuchen mit vielen Kerzen lege ich keinen großen Wert“, sagt Wilhelm Götz lächelnd. Auf die Frage, was er sich zu seinem Geburtstag wünscht, meint er schelmisch: „Dass ich hundert werde. “.

Der Wunsch, der sich für die meisten auf eine unvorstellbar ferne Zukunft bezieht, ist für Götz sehr realistisch. Der Bewohner des Seniorenheims Gersprenz feiert nämlich morgen seinen 100. Geburtstag.

Entspannt und zufrieden sitzt der Senior im Rollstuhl. „Mit dem Laufen klappt es nicht mehr so“, beschreibt er sein Befinden im hohen Alter. Doch er klagt nicht.

Gerne unterhält sich der einstige Landwirtschaftsberater, der nebenbei auch als Journalist tätig war, mit Kollegen. Und er hat viel zu erzählen: „Schließlich habe ich ja hundert Jahre auf dem Buckel.“ Nur allzu verständlich ist da, dass ihm konkrete Orte, Namen oder Daten nicht gleich einfallen wollen.

„Ich war viel unterwegs, in Schlesien, Moskau und auch in Amerika“, berichtet Götz von Erlebnissen.

Geboren wurde er 1913 in Bladowitz, das heute Mladejovice heißt und zu Tschechien gehört. Während der Hundertjährige nach Worten sucht, lassen Mimik, Körperhaltung und vor allem seine Augen erahnen, dass er an die hügelige Landschaft denkt, in der er aufgewachsen ist. Die Region ist als Sudentenland bekannt. Regale voller Bücher und Bildbände lassen erkennen, dass sich Götz intensiv mit dem Land und seiner Geschichte befasst hat. Eine Abordnung der Landsmannschaft wird am Sonntag nach Groß-Zimmern zum Gratulieren kommen.

Wie Wilhelm Götz nach Groß-Zimmern gekommen ist, das will ihm auf Anhieb nicht einfallen. Sein Sohn Kurt, der in Unterfranken geboren ist und ebenfalls an der Gersprenz lebt, hilft aus.

Der Jubilar kam anschließend in die Käsmark, die heute Teil der Slowakei ist. „Ja, Käsmark und Groß-Ullersdorf“, (heute: Velke Losiny) die Namen wecken offensichtlich intensive Erinnerungen und wieder laufen Bilder vor seinem inneren Auge ab. Dort war er auf der Schule, hat seine Ausbildung zum Landwirtschaftsberater absolviert – und seine Frau Maria kennengelernt.

Er zeigt auf die Bilder, die an der Wand in seinem Zimmer hängen. Gemeinsam haben die beiden die letzten Jahre im Zimmerner Seniorenhaus verbracht, im März ist Maria Götz im Alter von 94 Jahren gestorben.

„Sie war seine soziale Brücke zu den Zimmernern“, berichtet der Sohn, denn als Lehrerin und von 1954 bis 1984 stellvertretende Leiterin der Friedensschule war sie überall im Ort bekannt.

Nach der Kriegsgefangenschaft folgte die Zwangsaussiedlung und Neuansiedlung bei Würzburg für die Mutter und den beiden erstgeborenen Töchtern. Der Sohn wurde in Gnodstadt bei Würzburg geboren und die dritte Tochter schließlich 1950 in Groß-Zimmern.

Wilhelm Götz arbeitete bei der Landwirtschaftskammer in Darmstadt. Nebenbei hat er da schon für Zeitungen über Gartenbau und Landwirtschaft geschrieben, was nach seinem Ausscheiden aus dem Hauptberuf 1950 zur Hauptsache wurde.

‹ Am Sonntagvormittag wird es im Seniorenhaus einen Empfang mit Verwandten und Freunden geben.

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