Ausgerechnet in der Pandemie wird die Pfarrfastnacht in Groß-Zimmern 50 Jahre alt

„Wir holen unser Jubiläum mit allen nach“

Mehr als 25 Jahre dabei: Das Männerballett Elfchen ist schon eine feste Größe bei der Groß-Zimmerner Pfarrfastnacht und bei den Sitzungen nicht mehr wegzudenken.
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Mehr als 25 Jahre dabei: Das Männerballett Elfchen ist schon eine feste Größe bei der Groß-Zimmerner Pfarrfastnacht und bei den Sitzungen nicht mehr wegzudenken.

Groß-Zimmern – Am Samstag hätte sie eigentlich stattfinden sollen, die Jubiläumssitzung anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Pfarrfastnacht. Doch aufgrund der Corona-Pandemie gab es keine „Helau“-Rufe, kein Geschunkel und keinen Gesang in der Mehrzweckhalle. Und auch keine Online-Sitzung, denn Proben der Akteure sind schließlich unter den aktuellen Regelungen auch nicht möglich.

Für die Redaktion ist das Jubiläum aber Grund genug, die Jahre von 1971 bis heute einmal Revue passieren zu lassen.

Hatte es in den 1950er Jahren noch Fastnachtssitzungen der „Narhalla“ gegeben, rief der fastnachtsbegeisterte Vorsitzende des Kirchenchores, Erwin Darnieder, der dort damals ebenfalls in der Bütt stand, mit Gleichgesinnten 1971 die Pfarrfastnacht ins Leben. „Zu den Begründern zählen unter anderen Erwin Darnieder, Hans Seidel und Wilhelm Braun“, erzählt der aktuelle Elferratspräsident Friedrich Faust. Die Pfarrfastnacht fand im Saal des „Kaiserhofes“ statt und bot ein umfangreiches Programm, für das Heinrich Burger, Karl Rupp, Peter Wick, August Wick, Pfarrer Günter Schröder und Anna Herbert in der Bütt standen. Die Messdiener beteiligten sich mit einem Gruppenauftritt, während das Trio „Ud-An-Fri“ (Udo Engelhard, Anne Darnieder und Friedrich Stumpf) sowie der Kirchenchor den musikalischen Rahmen bildeten. „Man musste schon zeitig daheim fortgehen, wollte man Platz finden im Kaisersaal“ – begann der Nachbericht über die erste Pfarrfastnachtssitzung im Groß-Zimmerner Lokal-Anzeiger vom 10. Februar 1971, dessen Fazit lautete: „Es war wohl niemand im Saal, der sich mehr versprochen hätte.“ Von 1971 bis 1979 fand die Pfarrfastnacht im „Kaiserhof“ statt. Als dort die Räumlichkeiten nicht mehr zur Verfügung standen, wich man 1980 auf das neu gebaute Pfarrheim aus. Danach wurde die Pfarrfastnacht, die heute über 400 zahlende Besucher verzeichnen kann, ab 1981 in der Mehrzweckhalle veranstaltetet. In den ersten zehn Jahren führte Erwin Darnieder die Narrenschar an. Von 1982 bis 1991 übernahm dann Gerhard Köhler als Sitzungspräsident mit Elferrat das Ruder. Der rührige Heimathistoriker Manfred Göbel, der sich natürlich auch mit der Fastnacht in der Gersprenzgemeinde beschäftigt hat und in unterschiedlichsten Rollen bei der Pfarrfastnacht aktiv war und ist, hatte 1992 den Vorsitz über die Veranstaltung: „Das war aber nur eine Interimslösung für mich, und ich gab das Amt gerne an Norbert Pullmann weiter, der es bis 2004 ausübte.“ Friedrich Faust, der bereits 15 Jahre im Elferrat engagiert war, leitet wiederum seit 2005 die Pfarrfastnacht als Elferratspräsident.

Die komische Akrobatengruppe Torollos unterhielt die Besucher der Pfarrfastnacht ab 1973.

Im Laufe der Jahre veränderte sich das Programm und auch die Akteure wechselten, wobei der Kirchen- und der Bläserchor sowie die Jugendgruppe der Pfarrei St. Bartholomäus feste Größen im Programm waren. In den vergangenen Jahren hat der Elferrat immer ein Thema für die Sitzung vorgegeben, zudem gibt es seit fünf Jahren eine Sektbar und einen DJ, der nach dem Bühnenprogramm für Stimmung sorgt. „Zu den genialsten Büttenrednerinnen zählten Anna Herbert und Elfriede Burger als ,Fraa vun de Besch’“, erinnert sich Manfred Göbel, der selbst mit den „Zimmerner Leut’“ wichtige Themen der Pfarrgemeinde und aus der Kommune in seinen Vorträgen aufgreift. Darüber hinaus bereicherten die Huppdohlen und als Pendant das Männerballett „Elfchen“ jeweils mehr als 25 Jahre den närrischen Abend mit ihren Showeinlagen und Tänzen. Vor den „Elfchen“ hatte Wilhelm Braun auch die Turnergruppe „Torollos“ trainiert, die ab 1973 mit komischer Akrobatik das Publikum begeisterte. Doch auch die geistlichen Oberhäupter der Pfarrgemeinde ließen sich ihren Auftritt nicht nehmen: Pfarrer Günter Schroeder trat oftmals mit seinem Kaplan Wetzel zusammen auf, Pfarrer Odilo Effler mit Gemeindereferentin Luitgard Matthäi beziehungsweise Bankauf, Pfarrer Peter Kern im Trio mit den beiden evangelischen Pfarrern Michael Fornoff und Michael Merbitz-Zahradnik, Pfarrer Christian Rauch mit Gemeindereferentin Jutta Moka sowie als jüngster Zugang Pfarrer Frank Blumers.

„Ich kann mich auch noch gut an die Vorträge der Ordensschwestern, vor allem Schwester Bergitta, sowie an die von Küsterin Anneliese Geiß erinnern“, erzählt Pfarrer Markus W. Konrad, der schon als Kind die Pfarrfastnacht besuchte und als Jugendlicher mit der Katholischen Jungen Gemeinde auf der närrischen Bühne stand. „Die Pfarrfastnacht hat mir das Tor für die Meenzer Saalfastnacht geöffnet“, lautet das Fazit des in Groß-Zimmern Aufgewachsenen, der in Gonsenheim als Füsilier-Gardist aktiv ist und am 14. Februar über die „Fastnacht und Corona“ in der Sendung „Kreuz und quer“ des hessischen Radiosenders FFH (jeden Sonntag von 6 bis 9 Uhr) reden wird. Doch nicht nur für ihn ist die Pfarrfastnacht in der Gersprenzgemeinde etwas Besonderes: „Alle Aktiven auf und hinter der Bühne sind Ehrenamtliche, die zu 80 Prozent aus unserer Pfarrgemeinde kommen und für ihr Engagement kein Honorar erhalten. Sie sind trotzdem mit Herzblut bei der Sache“, sagt Friedrich Faust stolz. „Hinzu kommt, dass die Pfarrfastnacht über so viele Jahrzehnte kontinuierlich stattfindet“, ergänzt Manfred Göbel. Bisher fiel die beliebte Sitzung nur zwei Mal aus – 1991 aufgrund des Golfkrieges sowie aktuell 2021 wegen Corona. Um so freudiger blicken die Veranstalter der kommenden Kampagne entgegen: „Wir holen unser Jubiläum mit allen nach“, bekräftigt Friedrich Faust, der sich sicher ist, dass die Pfarrfastnacht auch die nächsten runden Jubiläen erleben wird, schließlich gäbe es genügend Pfarreimitglieder, die die Tradition aufrechterhalten.

Von Martina Emmerich

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