Begegnung mit Flüchtlingen

„Wir können voneinander lernen“

+
Lemlem und Hanan (rechts) zeigen, wie in Eritrea Kaffee serviert wird. Jürgen Federlin verständigt sich in Zeichensprache.

Klein-Zimmern - Die Organisatoren des Runden Tisches zum Thema Flüchtlinge waren positiv überrascht. Mit einem solchen Andrang am Samstagabend im Klein-Zimmerner Elisabethenhaus hatten sie nicht gerechnet. Von Ulrike Bernauer 

„Wir wussten nicht, wie viele Leute kommen würden“, sagt Angelika Schofer von der Sozialen Stadt. „Da haben wir es heute Abend ein bisschen kuschelig.“ Auch Pfarrer Christian Rauch begrüßt die Menschen, die aus Syrien, Mazedonien und Eritrea nach Groß- und Klein-Zimmern geflüchtet sind. Rauch spricht auf Englisch, damit ihn möglichst viele verstehen. Untergebracht sind die meisten der gut 20 Neuankömmlinge in der Blumenstraße in Klein-Zimmern, eine syrische Familie wohnt in der Berliner Straße.

Ziel der Gemeinde ist es, keine große Gemeinschaftsunterkunft zu bilden, sondern die Menschen in verschiedenen Wohnungen unterzubringen. Das soll die Integration in -Zimmern erleichtern. Der Kontakt mit der Bevölkerung soll an diesem Abend gefördert werden. Dazu stellen sich die Flüchtlinge erst einmal vor. Sie werden von der ehrenamtlichen Deutschlehrerin Katharina Kabis über ihre Herkunft, ihr Alter, ihre Berufe und ihre Hobbys befragt und können gleich erste Deutschkenntnisse, die sie in den letzten zwei Monaten erworben haben, zum Besten geben. Samira ist 33 Jahre alt und kommt aus Mazedonien, Nelofar kommt aus Syrien und geht nun in die zweite Klasse der Geißbergschule. Lemlem aus Eritrea schwimmt gerne und fährt Fahrrad. Für diese Vorstellungsrunde bekommen die Asylbewerber aus den fernen Ländern einen kräftigen Applaus von den Zimmernern.

Das Treffen ist gedacht, damit sich Fremde und Einheimische näher kommen und sich vielleicht auch Menschen finden, die den Neuankömmlingen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen wollen. Ottmar Hengl kann sich durchaus vorstellen, den Fremden ein wenig seiner Zeit zur Verfügung zu stellen. „Helfen tut Not“, stellt er fest und fühlt sich auch ganz persönlich angesprochen. „Ich will mit Zeit nehmen, die Leute zu den Behörden zu begleiten oder zum Arzt.“ Hengl hat Erfahrung, er arbeitet ehrenamtlich beim Flughafensozialdienst und begleitet auch dort Menschen aus fernen Ländern. Ganz praktische Hilfe hat Sigrid Küppers im Sinn. „Wir haben sehr viele Kinderbücher, einen Teil davon haben wir heute auch auf dem Flohmarkt verkauft. Hier bei den Flüchtlingen, von denen viele Kinder haben, wären die am besten aufgehoben. Aber es ist schöner, die Menschen erst kennen zu lernen und ihnen dann die Bücher zu schenken. Das ist besser, als wenn man das so anonym macht.“

Flüchtlinge wünschen sich einen Neustart

Aldikan ist mit seiner Ehefrau und drei Kindern im Alter von sechs, drei und einem halben Jahr aus Syrien vor dem Bürgerkrieg geflohen. Seit zwei Monaten ist er in Zimmern. Aldikan findet das Leben in Deutschland schwer und er kann es nicht vergleichen mit seinem Leben in Syrien. Die Leute hätten in Deutschland wenig Kontakt untereinander, meint er. Zudem leidet der Familienvater darunter, dass er nicht arbeiten darf. Aldikan war 17 Jahre lang Lehrer an einer Grundschule. „Ich würde alles machen, Hauptsache ich kann etwas arbeiten.“ Die Familie wünscht sich einen Neustart in Deutschland. Inzwischen ist Bewegung in die Räume gekommen. Die Frauen aus Eritrea, Mazedonien und Syrien haben gekocht und es gibt ein umfangreiches Büffet mit Speisen aus den fernen Ländern.

Alle wollen probieren und die meisten sind begeistert von den Gerichten mit den ungewöhnlichen Gewürzen. Manchen schmeckt es so gut, dass einige Frauen auf die Idee kommen, die Flüchtlingsfrauen ganz anders kennen zu lernen. „Ich würde gerne einen Kochkurs mit ihnen machen“, sagt Clementine Fügner. Nach dem Essen zieht Kaffeeduft durch die Räume. Hanan zeigt, wie man den Kaffee in Eritrea den Gästen serviert. Dort werden die Bohnen ganz frisch geröstet und dann wird der Kaffee für den Gast erst aufgebrüht und angeboten. Kommt ein neuer Gast hinzu, werden weitere Bohnen geröstet. Die Zimmerner Besucher im Haus Barbara staunen und viele stellen fest: „Wenn wir wollen, können wir viel voneinander lernen!“

Lampedusa: Flüchtlingselend in Italien

Lampedusa: Flüchtlingselend in Italien

Kommentare