Wie es mit den Wirkwaren war

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Mit regem Interesse verfolgten Besucher die Geschichte der Strick- und Wirkwarenindustrie in Groß-Zimmern.

Gross-Zimmern - Die weibliche Arbeitskraft war im 19. und 20. Jahrhundert eine wichtige „Ressource“, um einen Wirtschaftszweig in Groß-Zimmern am Leben zu halten: die Strick- und Wirkwarenindustrie.

200 Jahre lang, vom Kaiserreich bis in unsere Zeit, prägte dieses Handwerk die Gemeinde. Dies recherchierte Dr. Claudia Scheurich, ihre Ergebnisse präsentierte der Verein „Bel(i)ebt Groß-Zimmern“ gemeinsam mit dem Bürgertisch der Projektwerkstatt erstmals beim Jahrmarkt der Vereine.

Die mit alten Bildern dokumentierte Zeitreise durch die Strick- und Wirkwarenindustrie hatte allerdings Löcher. Zeitzeugen, oder die Nachkommen ehemaliger Arbeiterinnen, könnten diese Lücken mit Kentnissen und eigenen Erinnerungen füllen.

Sechs Wirk- und Strickwarenfirmen

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Besucher der Ausstellung in der Mehrzweckhalle verfolgten mit großem Interesse die Karriere zahlreicher Unternehmen. Vor dem zweiten Weltkrieg, so die Recherche Scheurichs, gab es sechs Wirk- und Strickwarenfirmen. Viele waren winzig, wie die Firma Reiter, die im privaten Wohnzimmer in der Andreasgasse sechs Näherinnen beschäftigte.

Bei Struwi Wiedekind wurden ab 1916 Ringelsocken, Pullis und Westen gefertigt. Und wenn die Firma Göbel in der Friedhofstraße ihre Arbeiterinnen in den 40er Jahren mit 40 Pfennig in der Stunde entlohnte, so entsprach dies durchaus dem üblichen Satz. 150 Mark trugen Beschäftigte in den 50er Jahren nach Hause, sie arbeiteten bis zu zehn Stunden an sechs Tagen in der Woche.

Großteil der Firmen schloss in den 70er Jahren

Arbeitsbedingungen wie aktuell in Indien und Bangladesch sind kaum vergleichbar, das Arbeitspensum lässt jedoch Parallelen zu.

Ein Großteil der Firmen schloss in den 70er Jahren und „kein anderer gewerblicher Zweig konnte die Vielzahl an Arbeitsplätzen ersetzen“, so Scheurich.

Eine Ausnahme ist das Unternehmen Georg und Otto Friedrich, das 1969 eine Firma in der Angelstraße 20 und später ein Produktionswerk in der Waldstraße eröffnete.

Europaweit mit an der Spitze

Das Erfolgsunternehmen steht heute europaweit mit an der Spitze und produziert rund 72 Millionen Quadratmeter Stoff jährlich.

Der prägende Wirtschaftszweig Zimmerns hat zwar Spuren hinterlassen, die nun erstmals dokumentiert wurden. Doch die Chronik kann mit Hilfe der Bevölkerung noch weiter wachsen. Berichte werden gerne noch eingearbeitet.

Bilder vom Jahrmarkt der Vereine

Jahrmarkt der Vereine in Groß-Zimmern

Ansprechpartner ist Tobias Lauer von der Projektwerkstatt Soziale Stadt des Diakonischen Werks unter 618378. Beim Kürbismarkt am 12. und 13. Oktober soll die Ausstellung ein weiteres Mal gezeigt werden. 

 ula

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