Wohin mit all den alten Autos?

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Eine einzige Blechlawine soweit das Auge reicht. Bald reicht der Platz für Abwrackautos nicht mehr aus.

Groß-Zimmern - (wd) „Diese teilweise sehr gut erhaltenen Autos verschrotten zu müssen, das treibt einem die Tränen in die Augen“, sagt Jörg Eschke vom Groß-Zimmerner Autoverwerter Sauerwein.

Er ist erschüttert darüber, wie rigoros manche Besitzer die Abwrackprämie nutzen, ohne groß darüber nachzudenken, wie viel ihre Autos tatsächlich noch wert sind. „Bei uns auf dem Hof stehen zur Zeit Fahrzeuge, die würden nach einer Instandsetzung auf dem Gebrauchtwagenmarkt noch locker für gut 5 000 Euro weggehen“,erzählt Eschke, dessen Unternehmen seit der Einführung der Abwrackprämie von der Blechlawine schier überrollt wird.

Die Fahrzeuge landen nach dem Ausschlachten in der Schrottpresse in Mannheim. Zuvor versucht Eschke alles an Ersatzteilen zu verwerten, was auf dem Markt noch zu verkaufen ist. Eine halbe Stunde würden seine Mitarbeiter pro Fahrzeug benötigen, um wie vom Gesetzgeber vorgeschrieben, die Reifen abzumontieren und das Auto „trocken zu legen“. Hierzu müssen Stoffe wie Motoröl und Bremsflüssigkeit abgelassen werden. Die ordnungsgemäße Entsorgung die im Emmissionsschutzverfahren geregelt ist, kontrolliert das Regierungspräsidium in Darmstadt in regelmäßigen Abständen. Deren Mitarbeiter waren zuletzt Anfang März zu einem Ortstermin auf dem Gelände in Groß-Zimmern, teilte der Pressesprecher des RP in Darmstadt, Dieter Ohl, dem LOKAL-ANZEIGER auf Anfrage mit.

Um bestimmte Dinge absegnen zu lassen, laufe ein Veränderungsverfahren. Sobald hierfür alle Unterlagen eingegangen seien, könnte dies rasch abgeschlossen werden. „Der Ansturm führt zu Kapazitätsproblemen und zugleich sind die Schrottpreise nach unten gegangen“, so Ohl. „Gab es im vergangenen Jahr noch bis zu 300 Euro für ein zur Verschrottung anstehendes Auto, so müssen wir heute 50 Euro zuzahlen plus Transportkosten“,bestätigt Eschke. "Zudem hätten viele Betriebe mit den Autohäusern vertragliche Vereinbarungen über die Abnahme. Das heißt, sie müssen diese Autos annehmen“, berichtet Ohl und vergleicht die Situation mit einem Flaschenhals. „Über diese Konsequenzen hat sich der Gesetzgeber bisher keine Gedanken gemacht“,meint Ohl kritisch. Für das RP stehe in jedem Fall die Sicherheit im Vordergrund und die werde in den fünf Betrieben im Kreisgebiet - neben dem in Groß-Zimmern noch in Alsbach-Hähnlein, Griesheim, Weiterstadt und Babenhausen - akribisch überwacht.

„Eigentlich müssten wir bei dem derzeitigen Andrang noch Mitarbeiter einstellen und wir könnten noch zusätzlich vier Hebebühnen brauchen, um dem Ansturm gerecht zu werden“,beschreibt Eschke die momentan Situation. Er weiß manchmal nicht mehr, wie er die Arbeit bewältigen soll. Im letzten Jahr habe man noch Mitarbeiter entlassen müssen, jetzt würden sie wieder benötigt. Dauerarbeitsplätze zu schaffen mache aber keinen Sinn, da nach Ablauf der Abwrackprämie wohl nur noch wenige Autos auf dem Schrottplatz landen werden. Eschke meint, dass es auch für viele Werkstätten und Autohäuser im nächsten Jahr sehr düster aussehen werde.

Auch für viele Fahranfänger sei die derzeitige Situation schlecht. „Der Gebrauchtwagenmarkt mit günstigen Fahrzeugen ist leer gefegt, und wir verschrotten Autos, nach denen sich viele 18-Jährige die Finger lecken würden“.

Viele Schrotthändler nehmen keine Altautos mehr an, teilte der Bundesverband „Sekundärrohstoffe und Entsorgung“ kürzlich mit. Teilweise verlangen sie Geld für die Annahme. Anders lohne es sich bei den stark gesunkenen Schrottpreisen nicht mehr.

Pro Auto fallen rund 900 Kilo Schrott an. Eine Tonne (1000 Kilo) bringe höchstens noch 20 bis 40 Euro ein, bestätigt der Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (Düsseldorf), Ulrich Leuning.

Vor einem Jahr waren es noch 100 Euro mehr.

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