„Woihnoachte is do“ - auch für die Orgel

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Für gute Stimmung sorgten die vier Musiker aus Groß-Umstadt und Zimmern.

Groß-Zimmern ‐ Groß war der Andrang im Pfarrzentrum, die Zwischenwand, die eigentlich geschlossen bleiben sollte, wurde geöffnet, um den Gästen des etwas anderen Weihnachtskonzerts Platz zu bieten. Der Orgelverein hatte zur „Hessischen Woihnoacht“ mit der Gruppe Sinfonhier gebeten und damit offensichtlich den Nerv vieler Zimmerner im positiven Sinn getroffen. Von Ulrike Bernauer

Ich hoffe, dass der Klingelbeutel nachher voll und die Orgel bezahlt ist“, sagte Paul Wucherpfennig vor Beginn des Auftritts. Der Wunsch wird wahrscheinlich nicht ganz in Erfüllung gegangen sein, aber wenn die Spendenbereitschaft ähnlich stürmisch verlief wie der Beifall, dann müsste die Finanzierung der Orgel ein ordentliches Stück näher gerückt sein. Zugunsten des Instrumentes verzichteten die Vier von „Sinfonhier“, Renate Filip, Andreas Schiener, Gerhard Schlepper und Wucherpfennig auf ihre Gage. Sattelfest in Mundart musste man bei diesem Konzert allerdings schon sein und Vorkenntnis bei den Bezügen zur Region waren gewiss auch von Vorteil. Besinnlich ging es los mit dem Lied „Woihnoachte is do“. Der Text „das Herz ist weit, es wird Weihnachtszeit“, entsprach der Stimmung vieler Besucher.

Ungewöhnlich waren hierbei jedoch die Instrumente mit Gitarre, Geige, Quetschkommode, Trompete und Klarinette. Zudem war das Publikum aufgefordert, den Refrain mitzusingen, was viele nach Überwindung kleiner Hemmschwellen gerne taten.

Aus Wasser wurde Wein

Aber nicht nur um die Freude auf die Weihnachtszeit ging es bei den vier Musikern. Auch etwas fetzig wurden die Klänge bei „de Woihnoachtsblues“. „Besinnlich ist es meistens nicht in der Vorweihnachtszeit. Im Gegenteil, oft gibt es viel Hektik und Stress“, so Wucherpfennig. Dass die Kehle etwas trocken war, machte er mit dem Lied „Woi-Insel Woihnoacht“ klar. Pfarrer Christian Rauch verstand die Andeutung richtig und orderte für den Sänger erst mal einen roten Schoppen. „Aus Wasser wurde Wein, das funktioniert immer noch“, kommentierte Wucherpfennig unter viel Gelächter und Beifall das Ereignis. Die Thekenmannschaft im Pfarrzentrum erweiterte den Auftrag dann auf alle vier Musiker, so dass die sich auch ordentlich zuprosten konnten. Ob allerdings wirklich Wein aus der Nachbargemeinde Groß-Umstadt im Glas war, in der immerhin drei der Musiker wohnen, bleibt dahingestellt.

Passend zum Wetter war das Lied „Guck doch mal, wie’s schneit“. Ihr Licht unter den Scheffel stellten die Musiker auch ganz gerne mal. „Wir sind das einzige Sinfonieorchester ohne Dirigent. Da müssen wir immer Blickkontakt halten. Einmal im Jahr proben wir und das war am Dienstag. Jetzt gucken wir mal, was wir noch wissen“, erklärte „de Paul“. Trocken fügte Schlepper hinzu: „Das hier ist jetzt sozusagen die Generalprobe“. Und weil es so schön war, luden die Musiker das Publikum gleich wieder zum Mitsingen ein. Der Text zum Stück: „Schätzche mach schon mal den Ofen an“ war ein denkbar einfaches „Ouwe ou“ (Ofen an). Und so sang alles begeistert mit und der Applaus war riesig. Zugaben-Rufe gab es sogar schon zu Beginn der Pause und eine Besucherin sprach wohl vielen Zuhörern aus dem Herzen: „Genau das Richtige heut“.

Das Attribut besinnlich konnte dieses Konzert zwar nicht in Anspruch nehmen. Dafür entließ es sein Publikum aber garantiert in bester Laune in die letzten vier Vorweihnachtstage.

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