„Wollen wir denn noch ein Neubaugebiet?“

+
Diskussionsbedarf besteht in den Fraktionen darüber, ob sie ein Neubaugebiet an der alten Ziegelei befürworten.

Groß-Zimmern - (guf) Eine Industriebrache am Ortsrand, das wünscht sich keiner. Aber seit die Odenwälder Ziegelwerke schließen mussten und ein Insolvernzverwalter eingesetzt wurde, werden die alten Fabrikgebäude und das weitläufige Gelände an der Darmstädter Straße als gefährliche Abenteuerspielplätze oder illegale Müllkippen genutzt.

Nach dem Scheitern eines zunächst geplanten Hotelprojektes zeigt seit Ende letzten Jahres ein neuer Investor Interesse an dem Anwesen.

Aussagen von Planungs-Ausschussmitgliedern zum Projekt „Ziegelei“

Bürgermeister Achim Grimm (CDU): „Die Industriebrache ist hässlich und müsste dringend gesichert werden. Jugendliche nutzen sie als Abenteuerspielplatz und man kann nur hoffen, dass dort nichts passiert.“

Manfred Burger (CDU): „Man sollte mit dem Investor in Verhandlung treten und Forderungen stellen, dass er etwa den Bau einer Kita übernimmt. Ich war in Wembach und habe mir das vergleichbare Früchtenicht-Projekt angeschaut. Das ist sehr schön erschlossen - Hut ab!“

Stefan Fröhlich (SPD): „In den letzten Jahren ist in den Innenbereichen baulich nicht viel passiert, zuletzt erschlossene Baugebiete weisen noch Lücken auf. Welchen Nutzen hätte die Gemeinde von einer solchen Satellitenstadt oder bedeutet das Projekt letztlich nur Folgekosten?“

Erich Keller (Grüne): „Das wäre eine neue Siedlung weit ab vom Ort und zwischendrin gar nichts. Vielleicht sollte man das Gelände als Gewerbe- oder Mischgebiet ausweisen.“

Kurt Werdecker (FDP): „Es fehlt die Anbindung an den Ort Groß-Zimmern. Die zusätzlichen Kosten - auch für den notwendigen Ausbau der Kläranlage -, die ein solches Solitär in Form einer Mini-Hackersiedlung mit sich brächte, sind kaum zu bewältigen. Von uns gibt es kein spontanes Hurra!“

Im Rahmen der Juni-Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses (PU) präsentierte der Leiter der Babenhäuser „Projektentwicklung GmbH“, Harald Früchtenicht, gemeinsam mit Ingenieur Michael Schweiger den Groß-Zimmerner Kommunalpolitikern erste Vorstellungen für die Bebauung der alten Ziegelei. Das Konzept geht von einer „lockeren Bebauung“ mit 55 Ein- bis Zweifamilienhäusern und Grundstücken von 400 bis 800 Quadratmetern sowie einem Gebäude für altengerechtes Wohnen aus. Die Entsorgung von Altlasten der „Trümmerlandschaft“ sei zwar teuer, aber machbar. Die in der Fassade des alten Fabrikgebäudes zu erhaltenden Klinker-Plastiken des Künstlers Well Habicht wolle man im ebenfalls geplanten Seniorenwohnheim integrieren. Mit dem Denkmalschutz wurde vereinbart, dass der zunächst als schützenswert eingestufte, im Plan jedoch störende, große Schornstein fallen könnte.
Am Montagabend stand die Bebauung des Ziegeleigeländes nun wieder auf der Tagesordnung des PU. Diesmal stand im Vordergrund die Frage, wie sie Chris Kowal von der SPD formulierte: „Wollen wir denn noch ein Neubaugebiet?“.
Ähnliche Fragestellungen kamen auch von Sprechern der anderen politischen Parteien und Bürgermeister Achim Grimm regte an, über die vorliegenden Pläne in den Fraktion zu diskutieren und dem Gemeindevorstand Stellungnahmen mit Ideen und Vorschlägen bis zum 20. November schriftlich vorzulegen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare