Der Birkenhof von Thomas Schaffer ist für Schwarzkopfschafe ein Paradies

Wolltraud und ihre männliche Mutter

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Ein Herz und eine Seele: Thomas Schaffer und Wolltraud.

Klein-Zimmern ‐ Wenn sich Thomas Schaffer seinen Schafen hinter dem Wohnhaus nähert, nimmt eines der Vierbeiner stets Reißaus. Das kleine Lamm suchte dabei aber nicht das Weite, sondern rennt schnurstracks auf den 34-Jährigen zu. Wenn sich der Landwirt vom Birkenhof nicht gleich herunter bückt, stellt die halbwüchsige und mutige Gesellin ihren Huf auf seinen Schuh und schabt. Oft wird auch an der Arbeitshose geknabbert. Von Michael Just

Für das äußerst zutrauliche und zugleich putzige Verhalten gibt es eine einfache Erklärung: Wolltraud ist ein Flaschenkind und lässt sich deshalb das „Komm mal her!“ nicht zweimal sagen. Wer Wolltraud sieht, hat zwei Fragen: Wie kommt das Tier zu seinem Namen und warum ist es ein Flaschenkind? Die zweite Frage ist einfacher zu beantworten: Anfang Februar geboren, wurde das Lämmchen von seiner Mutter abgestoßen. Bei der Namensnennung liegt schon eine etwas größere Geschichte vor: Auf seiner Facebook-Seite im Internet fragte Schaffer den Freundeskreis nach einem passenden Namen. Der erste Vorschlag entpuppte sich schon gleich als der beste und wurde prompt genommen.

Rund ein Dutzend Schafe weiden derzeit an der Markstraße vor Klein-Zimmern. Jeden Tierfreund dürfte freuen, dass diese nicht aus gewerblichen Gründen, sondern aus Spaß an der Freude gehalten werden. „Für mich erfüllen sie quasi die Aufgabe eines Rasenmähers“, lacht der Landwirt.

Vorher hielt er auf dem Areal Pensionspferde, früher gab es auf dem Hof auch Schweine und Hühner. Die Tiere rentierten sich mit der Zeit aber nicht mehr, so dass es derzeit nur noch vier Hunde und eine Katze gibt – und eben die Schwarzkopfschafe. Die waren am Anfang weniger als eine handvoll, dann wurde ein Bock zur Vermehrung hinzu geholt. Wegen der Innzucht sind das stets verschiedene Böcke. Mit dem Zimmerner Bauer Mann gibt es dazu einen unkomplizierten Austausch.

Da die Tiere mit den schwarzen Köpfen nur den natürlichen Tod fürchten müssen, können die ältesten Tiere von Schaffer schon stattliche sieben bis acht Jahre vorweisen. Nur wenn einmal im Jahr im Juni der Wanderscherer anrückt, geht es den Tieren zwar nicht an den Kragen, aber zumindest an den Pelz.

Auch hier gibt es kein kommerzielles Interesse, da momentan ein rentabler Markt für Schafswolle fehlt. Oft nimmt der Scherer das Fell mit oder es wird bei Anfragen an Kindergärten verschenkt. Die Schur ist vor dem Sommer absolut notwendig und hat für die Vierbeiner etwas befreiendes: „Ist das Fell ab, ist man immer wieder überrascht, dass die Tiere jetzt nur noch halb so breit sind“, sagt der Hobby-Züchter.

Dass der 34-jährige an der kleinen Wolltraud den meisten Spaß hat, versteht sich von selbst. Fast wie ein Hund folgt sie ihm und ist auch für Streicheleinheiten offen, die die gleichaltrigen Artgenossen mit Flucht quittieren. Insgesamt vier Lämmer hüpfen derzeit auf der Wiese umher.

Am Anfang ist Wolltraud ihrer männlichen Ziehmutter auch ins Haus gefolgt. Wenn der junge Agrarfachmann mit seiner Freundin im Garten im Liegestuhl liegt, kommt sie so nah ran, wie es der Elektrozaun erlaubt – ein treuer Blick inklusive.

Derzeit kriegt der Vierbeiner noch die Flasche. „Das wird bis Juli so gehen“, sagt Schaffer, denn die Mutter, die ebenfalls auf der Weide steht, lässt den Nachwuchs partout nicht an die Milchbar.

„Das ist sicherlich keine böse Absicht“, schmunzelt der Tierfreund. Auch wenn die verfütterte Menge, die stets mit Haferschleim verdickt ist, in den nächsten Wochen sinkt, wird derzeit immer noch viermal pro Tag gefüttert. Jeden Abend kurz vor der Tagesschau gibt es die letzte Flasche.

Am Anfang war das Füttern noch schwieriger, da der Nachwuchs die spezielle Biestmilch braucht, die nur Mütter besitzen, die frisch gekalbt haben. „Um da alles richtig zu machen, habe ich mir extra den Rat vom Tierarzt geholt“, erzählt der Lebensretter. Bei einer solchen Fürsorge werden seine Lieblinge auch weiterhin gedeihen.

„Ich esse ohnehin nicht gerne Fleisch vom Schaf. Und weil ich die Tiere jeden Tag sehe, kann ich sie mir sowieso nicht auf dem Teller vorstellen“, sagt Schaffer.

Nur beim Schafskäse sieht die Sache anders aus: „Den esse ich ganz gerne“, räumt er ein, wohlwissend, dass für dessen Herstellung die Vierbeiner ungeschoren davon kommen.

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