Letzte Lesung der Bücherwürmer 2009

Was würden Tiere sagen?

+
Die Autorin Brita Wagner aus Seeheim.

Groß-Zimmern ‐ Was wäre, wenn Tiere reden könnten? Über ihre Nöte, Ängste und Befindlichkeiten, besonders in Beziehung zum Menschen hat sich Brita Wagner aus Seeheim seit langer Zeit Gedanken gemacht. Auslöser war die Frage ihrer damals vierjährigen Tochter, ob denn ihre Katze auch beten könnte.

20 Jahre sind vergangen, bis das Manuskript für das Buch 1997 entstand und 2005 publiziert wurde. „Tiergebete“ waren passend das Thema der letzten Herbstlesung mit den „Zimm'ner Bücherwürmern“ im MehrGenerationenHaus.

Angelika Seidler stellte die Autorin vor, die sogleich mit Gebeten von Esel. Spinne, Kalb und Storch in die Tierwelt entführte.

Missmutig äußert sich etwa der Esel über sein negatives Immage, obwohl er dem Menschen doch dient. Trost findet er in der Bibel, da Jesus auf einem Esel in Jerusalem einritt. Auch die Spinne fragt sich, warum sie so oft Ekel erregt; baut sie doch geniale Netz-Kunstwerke. Ihr Trost sind die Kinder, die sich daran erfreuen. Das Kalb im Tiergebet ist eines von den Glücklichen, die auf die Alm getrieben werden. Aber Probleme des lebensunwürdigen Stalldaseins, der Viehtransporte und mit wenig verantwortungsbewussten Menschen klingen hier ebenso an.

Zuletzt kommt der Storch, der für seine zweifache Nord-Süd-Staatsbürgerschaft kein Visum benötigt. Ein Gebet, das sich mit der Schöpfung und dem genialen Navigationssystems der Störche sowie dem allgemeinen Phänomen des Vogelzuges beschäftigt.

Wagner las auch einige Tiergedichte. Besonders betroffen machte der Reim vom „Igel in Todesnot“. Diesem Text liegt die Beobachtung zugrunde, wie sich ein Igel in einer Plasteverpackung verfangen und stranguliert hat. Es ergaben sich lebhafte Diskussionen. Die Tiere stellen in Wagners Gebeten ihre Fragen an Gott. Das Publikum an diesem Abend hat jedoch die Erkenntnis mitgenommen, dass eigentlich die Menschen sich selbst diese Fragen stellen sollten. Gedichte passend zur besinnlichen Vorweihnachtsstimmung beendeten die Lesung. Als kleines Weihnachtsgeschenk nahmen dann auch gleich einige der Gäste dieses empfehlenswerte Buch mit nach Hause. Abschließend dankten die Teilnehmer besonders Angelika Seidler vom Mehrgenerationenhaus, die es ermöglichte, dass die Lesungen in dem stimmungsvoll, gemütlichen Rahmen stattfinden konnten.

Kommentare