Ziegelwerke stehen wieder zum Verkauf

Groß-Zimmern - (guf) Noch vor der Jahrtausendwende meldete der damalige Bürgermeister Dieter Emig, dass es einen potenziellen Käufer für die brach liegenden „Odenwälder Ziegelwerke“ gebe. Einig war man sich damals in der örtlichen Kommunalpolitik, das Gelände so schnell wie möglich einer neuen Nutzung zuzuführen.

Mit Investitionen bis zu 70 Millionen Euro und 200 neuen Arbeitsplätzen bis zur Fußballweltmeisterschaft 2006 winkte die „Immobiliengruppe Frankfurt“, die auf dem 66 000 Quadratmeter umfassenden Areal an der Darmstädter Straße ein Seminarzentrum mit Wellness-Bereich, ein hochklassiges Hotel und Wohnbauten gehobenen Standards errichten wollte.

Seitdem sind neun Jahre vergangen und die alte Ziegelei ist genau das geworden, was alle vermeiden wollten: eine verwildernde Industriebrache.

Nach monatelangen Versuchen eine Stellungnahme zu erhalten, hatte der LOKAL-ANZEIGER nun endlich Erfolg. Seit geraumer Zeit macht nämlich im Ort das Gerücht die Runde, dass die Immobiliengruppe das Projekt nicht weiter verfolge.

„Der Vertrag wird tatsächlich nicht zum Vollzug kommen“, bestätigte Insolvenzverwalter Tobias Hoefer aus Mannheim jetzt telefonisch den Rückzug der Frankfurter. Die Immobiliengruppe hatte sich lediglich als Kaufinteressent vormerken lassen, war aber rechtlich nicht Eigentümer. Zwischenzeitlich seien alle Interessenten gleich behandelt worden, aber „außer einem ernst zu nehmenden Angebot war überhaupt nichts dabei“, so Hoefer.

2005 hatten die Groß-Zimmerner Gemeindevertreter nach langwierigen Beratungen dem städtebaulichen Vertrag über die Erschließung des Geländes zugestimmt.

Auf Nachfragen des LA erklärte der Investor noch 2008, die Bankenkrise hätte zwar einige Investoren verlangsamt, würde aber das Projekt nicht gefährden. Unter dem Titel „Abschlag im Vorgarten“ warb man: „Im Rhein Main Resort, direkt am Golf Sport Park, entsteht eine Parklandschaft mit etwa 50 Villen und Loft-Wohnungen“ und Marketingexperte Hans-Jörg Vetter von der Geschäftsführung der Immobiliengruppe versicherte: „Die Nachfrage ist da.“

Das hat sich nun offensichtlich geändert. Vetter ist nicht mehr im Amt und Hoefer sagt: „Ich kann lediglich den Grundbesitz verwalten, es gibt null Geld.“

Er sucht nun dringend einen Käufer, der die Immobilie möglichst so übernimmt, „wie sie steht und liegt“. Einen Preis könne man nicht nennen, „wichtig ist, dass die Bank als erster Gläubiger befriedigt wird“. Interessenten sind gebeten, sich bei Rechtsanwalt Tobias Hoefer, Soldnerstraße 2, 68219 Mannheim, zu melden.

Skulpturen des Künstlers Well Habicht wurden zum Schutz vor weiterem Verfall auf Anregung des Glöckelchenvereins und nach Absprache mit der Denkmalschutzbehörde im Bauhof untergebracht. Sie könnten - sofern es keine amtlichen Auflagen gebe - auf Antrag der Gemeinde in deren Besitz übergehen, so Hoefer. Bürgermeister Achim Grimm wusste bis gestern nichts von dem Rückzug. „Das hat sich ja bereits abgezeichnet. Aber es ist bedauerlich, dass der Gemeinde keine Mitteilung gemacht wurde“, sagte er.

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