KVD zieht durch Zimmerns Gassen

Wagen mit Personenbeförderung sind für den diesjährigen Umzug nur vier angemeldet, außerdem wollen sich die Dieburger Fastnachter einreihen. Das sollte der farbenfrohen Parade – hier ein Motiv aus 2018 – aber keinen Abbruch tun ... Foto: archiv

In einer Woche ist die Gemeinde mit dem Gänsefuß im Wappen im Ausnahmezustand: Vom 24. bis 27. August feiern die Zimmerner ihre Kerb. Angesichts vieler Rituale beim nachweislich 528. VON SABINE MÜLLER

Heimatfest kann man getrost von Tradition sprechen – und dennoch gibt es interessante neue Elemente.

Groß-Zimmern – In den vergangenen Jahren habe sich gezeigt, dass der Kerbverein mit Struktur, Auf- und Abbau sowie Programmauswahl richtig liege, berichtet Marc Pullmann im Gespräch mit dem Lokal-Anzeiger. „Wir haben deshalb das Konzept dieser Kerb nur wenig umgestellt.“ Seit März 2016 ist Pullmann der Vorsitzende des Kerbvereins, und als Veranstaltungsdesigner weiß er genau, von was er spricht. Ein paar Neuerungen werden das älteste und größte Fest der Gemeinde, das stets auch Tausende Besucher in den Ort lockt, dennoch beleben.

So sind am Samstag alle Veranstaltungen eine Stunde früher angesetzt als bisher. Der ökumenische Gottesdienst in der evangelischen Kirche beginnt also schon um 17 Uhr, wobei der gebürtige Zimmerner und einstige Kerbborscht (Kerb 1989, Kerbjahrgang 69/70), Pfarrer Markus W. Konrad, in der Predigt an die Kirchweih als Ursprung des Kerbfestes erinnern wird, da die katholische Gemeinde derzeit noch ohne Hauptverantwortlichen ist. „Gäste, die später den Tanz in der Mehrzweckhalle besuchen, sollen vorher noch in Ruhe etwas essen können“, erläutert Pullmann den Grund für die Zeitverschiebung.

Essen ist ein weiteres Stichwort zum Thema „das gab’s noch nie“: Erstmals bietet der Kerbverein in Kooperation mit der Gaststätte Auszeit nicht nur Getränke, sondern auch eine kulinarische Stärkung in der Mehrzweckhalle an. Wer Appetit auf Schnitzel mit Beilagen und Salat hat, kann auf der Online-Plattform des Kerbvereins eine Bestellung samt Platzreservierung vornehmen. „Mit 80 bis 100 Personen haben wir bei diesem Angebot gerechnet, bisher haben sich aber nur etwa 50 angemeldet“, informiert Pullmann und hofft noch auf ein paar mehr.

Auch die Eintrittskosten zum Kerbtanz am Samstagabend wurden verändert: Wer in der Mehrzweckhalle „Next Wave“ hören möchte, zahlt 8 statt bisher 7 Euro. „Steigende Kosten“ führt der Vereinschef als Grund für die Erhöhung an, „wir haben das Personal des Sicherheitsdienstes aufgestockt.“ Der Verein setzt zudem auf mehr weibliches Personal bei der Taschenkontrolle am Einlass. Mehrausgaben verzeichnen die Verantwortlichen auch bei Licht, Ton, Bands und DJs, sagt Pullmann, meint jedoch, dass diese 8 Euro für den ganzen, ansonsten kostenlosen Veranstaltungsreigen, „noch immer ein guter Preis“ seien. Durch seine langjährige Erfahrung habe der Verein bisher realistisch kalkuliert, der Haushalt stehe auf festen Füßen.

Für die Deckung der Kosten ist in erster Linie der aktuelle Kerbborschte-Jahrgang als Hauptveranstalter des Festes verantwortlich. Über diverse Aktionen, mit denen der Jahrgang 1999/2000 in den vergangenen Monaten Erlöse erzielt hat, hat der Lokal-Anzeiger berichtet. Um „seinem“ Fest einen individuellen Stempel aufzudrücken, will der grün-weiße Jahrgang die Abholung der Kerbbobbe am Samstag um 18 Uhr am Briggelsche in diesem Jahr etwas anders gestalten – „es gibt eine größere Überraschung“, kündigt Pullmann an, mehr wird natürlich nicht verraten.

Die Kunde, dass erstmals der Karnevalverein Dieburg am Kerbumzug teilnimmt, hat allerdings schon die Runde gemacht und mag bei manchem für ungläubiges Staunen sorgen. Doch bekanntlich liebt sich, was sich neckt: „Wir freuen uns über den KVD und haben seit ein paar Jahren eine ganz enge Zusammenarbeit“, sagt Pullmann. Man tausche sich viel aus – zum Beispiel auch mit Personal. Außerdem plane der Zimmerner Kerbverein, anlässlich seines 40-Jahr-Jubiläums in 2020 an beiden Dieburger Fastnachtsumzügen teilzunehmen.

Der KVD wird etwa in der Mitte von in diesem Jahr 33 Zugnummern marschieren. Den leichten Schwund der Teilnehmer erklärt Pullmann mit der Nähe zu den Sommerferien: „Dann haben die Kitas und Schulen keine Zeit, sich vorzubereiten.“ Generell werde es jedoch immer schwerer, selbst Vereine zum Mitmachen zu motivieren, „auch wenn etwa auf die Fußballer oder die Chorgemeinschaft Verlass ist“.

Dass ein gelungenes Heimatfest mit viel Arbeit und Kosten verbunden ist, weiß der Kerbverein natürlich am besten: Im Ort gebe es mittlerweile knapp 1 000 Kerbborschte, der Kerbverein habe 400 Mitglieder, aber nur etwa 50 leisteten jetzt 1 200 Stunden ehrenamtliche Arbeit. „Eine Mammutaufgabe, wir würden uns deshalb noch über Unterstützung freuen“, sagt Pullmann.

Und über gutes Wetter, denn: „Grün-weiß feiert traditionell eine kleine Wasserkerb.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare