Beim Beutel gibt’s mehr Flaschen als in der Kommunalpolitik

Zimmern steht Kopf

Vor dem Elferrat schwingt die Große Garde die Beine beim Tanz. J  Foto: sr

Gross-Zimmern - Pfarrer Christian Rauch trug Nachthemd und Schnuller, der Landtagsabgeordnete Manfred Pentz ein knielanges Röckchen, die Messdiener das Nibelungenschwert und der Pfarrgemeinderat Clownskostüme. Von Ursula Friedrich

Die Welt steht Kopf, wenn Christen dem Bann des Narrengottes Jokus erliegen. Mit fünfstündigem Bühnenprogramm feierten 120 Akteure und knapp 450 Gäste am Samstagabend die Pfarrfastnacht in der Mehrzweckhalle.

Sitzungspräsident Friedrich Faust feuerte in der traditionellen Sitzung erneut ein närrisches Feuerwerk ab, das begeisterte Mitstreiter aus katholischer Pfarrei, Vereinsgruppen sowie viele fastnachtsbesessene Bürger mit gestalteten.

Das bunte Bühnenprogramm wurde von Debütantinnen (die kleine TV-Garde meisterte diesmal ihren ersten Auftritt) und erfahrenen Akteuren geschnürt wie etwa die Tanzgruppe Desert Roses, die als blutdürstende Vampirschwestern sogar Graf Dracula (alias Sascha Löffler) nach Zimmern lockten, und freilich dem Vollblutmusiker Gerhard Kuhr, der unermüdlich Narrhallamarsch und Schunkler intonierte. Wo wäre Zimmern heute, wenn die Messdiener von St. Bartholomäus nicht wären? Ein weißer Fleck auf der Landkarte. Die Jugend lüftete im Nibelungen-Sketch das Geheimnis der Gemeindegründung: Drachentöter Siegfried gründete einst mit Kriemhild Groß-Zimmern, Zwerg Alberich mit Brunhild Klein-Zimmern. Während Hagen von Tronje – der versehentlich König Gunter steinigte – in die Hölle hinabfuhr.

„Politik in der G’maa ist ein heißes Eisen“, so der Sitzungspräsident. Gregor Beckmann und Michael Gorsboth wagten als politische Pfeifen beim Parteitag auf den Narrenbrettern dennoch einen Streifzug durch die gesellschaftspolitische Landschaft. Gerangel gab es freilich beim Streben nach der Amtskette, deren Inhaber, Achim Grimm, als Kobold Pumukl im Publikum saß. Nicht nur die Pfeifen strebten nach dem Bürgermeisteramt, Thomas Beutel, Chef des Kerbvereins, eifere gar nach Königswürden – so die jüngste Interpretation der vergangenen Kerb. Die Pfeifen gaben klein bei, schließlich sei Beutel prädestiniert für den Job, „denn wo findet man noch mehr Flaschen als in der Politik? In der Kistenwache!“

Die fünfte Jahreszeit, Freischein für allerlei Schabernack, entlockte Helmut Kria und Hans Hix ein frenetisch beklatschtes Liedchen. „De Parrer is net do? Sitzt er noch uffem Klo?“

Nach diesem Gesangsausflug wurde das Publikum in die Sterneküche von „Sandra und Tanja“ entführt. Statt Gourmet-Tipps hagelte es jedoch Skandale. Die Ölpest in der Fischkonserve und der Pferdefleischskandal im Fischstäbchen, wurden von säbelrasselnden Piraten abgelöst.

Das Männerballett, die Elfchen, brillierte mit tollem Showtanz und phantasievollen Kostümen.

Manfred Göbel, (Sitzungspräsident Faust: „Das „Kulturgestein der Gemeinde.“) schlug ungewohnt ernste Töne an. Der Frack des Großvaters diente als Metapher für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor rund 100 Jahren. Den Narrenspiegel habe er bei seinem diesjährigen Beitrag ausgepackt, so Göbel, die Botschaft: „Wir leben in Frieden, es geht uns gut.“ Wenn die drei Tenöre ihr Publikum mit ihrem Gesang mitnehmen, wird die Seele gleichfalls balsamiert.

Bürgermeister Achim Grimm, Hasi Heimburger und Sascha Löffler sorgten für fulminante Gesänge im Saal. Mit einem pfiffigen Mix aus Rhythmus und Gesang landeten der Nachwuchschor der Kirchenspatzen ebenfalls einen Volltreffer.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare