Erst folgende Jahresabschlüsse liefern Basis zum Vergleich

Zimmern ist unbezahlbar

Groß-Zimmern - Endlich liegt nun auch für Groß-Zimmern eine Eröffnungsbilanz vor. In diesem Zahlenwerk ist das gesamte kommunale Vermögen zum Stichtag 1. Januar 2009 dargestellt, das sich auf beachtliche 97 Millionen Euro summiert.

Die Gemeindevertretung soll die Bilanz am Dienstag (25. ) feststellen, also zustimmend zur Kenntnis nehmen.

Bisher war in Zimmern bei der Aufstellung von kommunalen Haushalten nach „doppischen“ Regeln ein wenig Agieren auf Verdacht. Dies deshalb, weil es erklärtes Ziel der an kaufmännische Prinzipien angelehnte „Doppik“ ist, den „Werteverzehr“ darzustellen, der im Haushalt übrigens nach Möglichkeit ausgeglichen werden soll. „Generationengerechtigkeit“ ist ein Begriff dafür, dass aktuell nicht das aufgezehrt wird, was die Älteren an Werten geschaffen haben, und dass für die Nachkommenden genug übrig bleibt. Der Verzehr ist aber erst zu beziffern, wenn der Wert feststeht.

Die Ermittlung ist ein ziemlich aufwendiges Verfahren, und so ist für Groß-Zimmern beispielsweise zu lesen, dass alle kommunalen Straßen in ihrem jeweiligen Zustand in Augenschein genommen und dokumentiert worden sind. Sie summieren sich unter Einschluss von Wegen und Plätzen auf 24 Millionen Euro und bilden damit eine ähnlich große Einzelposition in der Rubrik „Sachanlagen“ wie die kommunalen Grundstücke (22,8 Millionen Euro) und die gemeindeeigenen Bauten (rund zehn Millionen Euro). Die Einzelpositionen fallen dabei teilweise überraschend niedrig aus. Die Kindergärten summieren sich gerade einmal auf zwei Millionen Euro, Sportanlagen und Hallenbäder auf knapp drei Millionen, das Rathaus ist 1,2 Millionen Euro wert, und Anfang 2009 waren noch Wohnhäuser im Wert von rund 300 000 Euro im kommunalen Bestand. Durch Verkäufe – etwa der alten Friedensschule – sind es inzwischen weniger geworden. Der Gemeindewald bringt es auf 9,5 Millionen Euro. Die Abwasserbeseitigung, 2009 noch so genannter „Eigenbetrieb“, steht mit ähnlich großem Betrag in der Bilanz. Wird allerdings – weil wirtschaftlich ausgegliedert – unter „Finanzanlagen“ geführt. Dazu zählen auch Kredite und Beteiligungen an diversen Zweckverbänden, die sich mit Abwasserbeseitigung auf 19,3 Millionen Euro summieren. Die Sachanlagen bilden mit fast 70 Millionen Euro allerdings den bei weitem größten Posten.

Und dann ist da noch das „Umlaufvermögen“ zum Stichtag – gut 9,5 Millionen Euro, in die auch Forderungen von fast 1,2 Millionen Euro eingeschlossen sind. Für eine eher als „arm“ geltende Kommune sind die flüssigen Mittel von rund 8,4 Millionen Euro beachtlich. 5,5 Millionen Euro waren 2009 in die Rücklage eingestellt.

97 Millionen für Groß-Zimmern, 111 Millionen für Dieburg, 115 Millionen für Groß-Umstadt – das fügt sich noch einigermaßen zusammen.

Warum für das an Größe und Struktur Groß-Zimmern ähnliche Münster nur 80 Millionen Euro ausgewiesen werden, ist schon schwerer zu verstehen. In der jüngsten Sitzung des Groß-Zimmerner Haupt- und Finanzausschusses erläuterte Patrick Nickel, der als stellvertretender Leiter des Revisionsamtes beim Landkreis mit der Prüfung der kommunalen Eröffnungsbilanzen befasst ist, mögliche Ursachen solcher Diskrepanzen. Es gebe zu viele Spielräume in den Bewertungsverfahren, sagte er und führte als Beispiel an, dass es zwar gesetzlich zulässig, in Wirklichkeit aber völlig lebensfremd sei, Kindergärten über 80 Jahre abzuschreiben. In der Sitzung wurde allerdings auch deutlich, dass man sich in Zimmern mit 50 bis 60 Jahren begnügt.

Und außerdem gilt sowieso und ganz grundsätzlich für alle Lokalpatrioten: Groß-Zimmern ist unbezahlbar. J sr

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