Zimmernhymne für Bouffier

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Von links: Manfred Pentz (MdL), Bürgermeister Achim Grimm, Ministerpräsident Volker Bouffier und der Zimmerner CDU-Vorsitzende Christof Glaser.

Groß-Zimmern ‐ „Das muss schon ein super Job hier sein, wenn sich gleich sechs Kandidaten bewerben“, sagte der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier mit einer großen Portion Humor mit Blick auf die bevorstehende Bürgermeisterwahl. Von Michael Just

Am Donnerstagabend in der Mehrzweckhalle reihte der CDU-Landesvorsitzende Groß-Zimmern in die insgesamt 45 Veranstaltungsorte ein, in denen er seine Parteifreunde im Wahlkampf unterstützt. 150 Sitzplätze hatten die Christdemokraten vorbereitet und damit genau richtig kalkuliert. Beim Warten auf den Hauptredner fiel die Polizeipräsenz ins Auge. Sogar Mitglieder des freiwilligen Polizeidienstes zeigten Flagge, zudem hatte die CDU zehn Ordner aufgestellt. Einer von ihnen: der CDU-Kommunalpolitiker Wolfgang Kunkel. Wie der 42-Jährige sagte, gebe es bei solchen Auftritten genaue Sicherheitsvorgaben, etwa wie weit Besuchertische vom Podium weg sein müssten. „Bei Roland Koch hatten wir damals Ostereier auf den Tischen. Die mussten weg, genauso wie Glasflaschen und Gläser“, erinnert sich Kunkel. Bei Bouffier sei dies nun alles wieder erlaubt. Wie ein Polizeivertreter mitteilte, wurde der Besuch des Gastes aus Wiesbaden als „unproblematische Veranstaltung“ eingestuft. Der Sprengstoff-Hund machte im Vorfeld aber sicherheitshalber trotzdem seine Runde durch die Halle.

Die Zeit bis zum Eintreffen der Polit-Größe überbrückten die „Drei Tenöre“ mit Bürgermeister Achim Grimm in ihren Reihen. In seiner Begrüßung wünschte sich Grimm eine hohe Wahlbeteiligung und erinnerte daran, dass die Mehrzweckhalle gleich sieben Wahlbezirke vereint.

Bouffier: „Hier stimmt`s aber wirklich“

Bouffier brach eine Lanze für die Kommunalpolitik. Er bedankte sich für das Engagement aller Lokalpolitiker und hob heraus, dass die Wahl keine Stimmabgabe zweiter Klasse sei: „Hier werden die Weichen gestellt.“ Dazu sei die Kommunalpolitik die Grundlage der Demokratie. Ein Dank ging zudem an die Heimatzeitungen, die die Lokalpolitik nach außen tragen. Laut Bouffier würden soziale Netzwerke wie Facebook, in denen der Nachwuchs heute kommuniziert, solche Themen völlig vermissen lassen.

Auch deshalb seien Veranstaltungen wie diese keine Pflichtübung, sondern eine Bringschuld der Politiker als Informationsquelle. In der Folge schlug der Ministerpräsident einen Bogen von der hessischen Wirtschaftspolitik bis zur Euro-Stabilität und warb für den Bürgerentscheid zur Schuldenbremse. Die gegenwärtige Atomdiskussion setzte er an das Ende seines einstündigen Auftritts: „Es sollte jetzt keine ethischen Lösungen geben, die zu kurz gedacht sind“, konstatierte Bouffier, der dazu aufrief, realistisch zu bleiben und bei neuen Energielösungen deutsche und europäische Maßnahmen zu verschränken. Wer mit Atomangst vor der Wahl Stimmung mache, betreibe eine „Missachtung der Kommunalpolitik“.

Neben Grimm saßen noch Landtagsmitglied Manfred Pentz und CDU-Gemeindevorstand Christof Glaser auf dem Podium. Wie das Publikum lauschten sie derart gebannt den Worten Bouffiers, dass man das Fallen einer Stecknadel hätte hören können. So blieben Beifallsstürme vermutlich deshalb aus, weil niemand diese Ruhe und den Redefluss des Politikers unterbrechen wollte. Als Dank für seinen Besuch bekam der Landesvater einen „Orgelwein“ geschenkt und eine Miniatur-Drehorgel gereicht. Zu deren nicht ganz klar vernehmbaren Tönen stimmten die Lokalpolitiker dann die Groß-Zimm`ner Hymne an, was Bouffier mit Lob quittierte. „Bei euch ist`s klasse“, sagte er und schickte scherzend hinterher, dass er das eigentlich überall sagt wo er hinkommt. „Hier stimmt`s aber wirklich“, entschärfte der Politiker gleich darauf manch` verdutzten Blick und entschwand zum nächsten Auftritt nach Mörlenbach.

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