Zu eng für Variante „Pro Rad“

Wünsche der Politiker zur Ortsdurchfahrt Groß-Zimmern geplatzt

Engstellen, wie der nur 73 Zentimeter breite Gehweg Ecke Dieburger Straße/Angelgartenstraße sind besondere Herausforderungen bei der Planung.
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Engstellen, wie der nur 73 Zentimeter breite Gehweg Ecke Dieburger Straße/Angelgartenstraße sind besondere Herausforderungen bei der Planung.

Die Wunschliste ist lang, doch der Platz einfach nicht ausreichend. Bei der Gestaltung der sanierungsbedürftigen Ortsdurchfahrt L 3114 ist die zunächst favorisierte Variante „Pro Rad“ jetzt endgültig vom Tisch.

Groß-Zimmern – In einer Sondersitzung traf sich der Bau- und Planungsausschuss am Mittwoch im Rathaus, um via Videokonferenz mit Hessen Mobil und dem beauftragten Planungsbüro Sweco auszuloten, was geht – und was eben nicht. Statt des Schutzstreifens für Radfahrer sind jetzt wieder Bäume aktuell, die das 500 Meter lange Straßenstück vom Kreisel Waldstraße/Bertha-von-Suttner-Straße bis zur Kreuzung Wilhelm-Leuschner-/Darmstädter Straße beschatten sollen.

Das Thema, das so sehr auf den Nägeln brennt, dass sich der Bauausschuss mitten in der politischen Sommerpause zusammen fand, soll unverzüglich angegangen werden. Nach dem Beschluss „Pro Rad“ seien die Fraktionen nochmals „ins Grübeln gekommen“, so der Ausschussvorsitzende Christian Hader (SPD). „Jetzt gehen wir „auf Konsenssuche nach dem Optimum für die Ortsdurchfahrt.“

Nach 20 Minuten stand endlich die Leitung zu den per Video zugeschalteten Fachleuten von Hessen Mobil. Die fackelten nicht lang und zertrümmerten die Hoffnung von SPD und CDU. Beim Ringen um Lösungen, wie der Radverkehr sicher in den Verkehrsfluss integriert werden kann, geht Hessen Mobil nicht mit. 6,5 Meter Straßenbreite inklusive je 1,5 Meter breiten Schutzstreifen für den Radverkehr hatte die Union in einem Antrag gefordert, außerdem auf die viel zu schmalen Gehwege hingewiesen, die in der Ursprungs-planung für die schwächsten Verkehrsteilnehmer übrig geblieben wären.

Auf eine Querungshilfe in Höhe der Angel- und Angelgartenstraße drängt die Fraktion der ZiLi. Und die Grünen brachten ein Überholverbot für einspurige Fahrzeuge ins Spiel. Auch der Wegfall von rund 20 Parkplätzen war im Nachklapp zur Pro-Rad-Vari-ante negativ aufgestoßen. Jetzt wird an neuen Plänen getüftelt.

Ingenieur Steffen Holz machte deutlich: „Bei 6,50 Metern Fahrbahnbreite inklusive Schutzstreifen verbleiben 3,50 Meter für den Kfz-Verkehr. Das geht nicht.“ „Wir brauchen eine Kernfahrbahnbreite von fünf Metern für den Kfz-Verkehr.“ Auch Sonja Ebling von Hessen Mobil sprach Tacheles und schickte hinterher: „Bei einer Begegnung von zwei Lastkraftwagen dürfen auch Schutzstreifen legitim überfahren werden.“

Da blieb Ernüchterung. Der Wunsch des CDU-Abgeordneten Friedrich Faust, mit einer attraktiven Ortsdurchfahrt für Radler die Verkehrswende zu flankieren, scheint aufgrund der Gegebenheiten verpufft. Und noch ein Argument spricht gegen Schutzstreifen für Pedaleure: „Bei einer Anordnung von Schutzstreifen ist laut Straßenverkehrsordnung kein Parken und Halten möglich. Sie dürfen nicht mal kurz zum Bäcker oder das Hoftor öffnen“, so Ebling. Die Ideen eines kombinierten Rad- und Fußweges verwarf die Planungsbehörde ebenso wie den Vorschlag, die Ortsdurchfahrt einseitig mit einem Radfahrstreifen auszustatten.

Planer Steffen Holz skizzierte das „Dilemma“: „Sie haben parkenden und fahrenden Verkehr, Fußgänger und Radler – man kann es nicht allen recht machen!“ Bauamtsleiter Klaus Keller ergriff das Wort: „Die Schutzstreifen bringen nur Nachteile, so kommen wir nicht weiter. Stattdessen sollte man bautechnisch eingreifen und mit entsprechender Gestaltung den Straßenverkehr verlangsamen.“

Immerhin rund 15  000 Fahrzeuge wälzen sich täglich über die Ortsdurchfahrt. Und ja, die Hoffnung auf eine durchgängige Tempo-30-Regelung, die will man nicht aufgeben und bei der zuständigen Verkehrsverkehrsbehörde im Landkreis Darmstadt-Dieburg beantragen.

Der Faktor Zeit wird von Hessen Mobil vorgegeben: „Wir haben die Maßnahme nach 2023 verschoben“, sagte Sonja Ebling. Deadline für den Förderantrag beim Land ist jetzt der 1. Juni 2022 – bis dahin müssen die Planungsunterlagen eingereicht werden.

Doch zunächst muss alles durch den politischen Geschäftsgang. Gut zwei Monate Zeit bleiben dem Ingenieur Steffen Holz, der zunächst seine Planungsentwürfe im Ausschuss vorstellen soll. Der finalen Gestaltung der Ortsdurchfahrt muss auch das Gemeindeparlament nochmals zustimmen.

Bereits ab Montag (23.) verwandelt sich die L 3114 stückweise in eine Baustelle, dann beginnen die angekündigten Kanalarbeiten.  (zah)

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