Zukunft aufbauen im St.Josephshaus

150 Jahre Jugendarbeit

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Der Bischof überreicht Heimleiter Markus Pelz ein Buch, das zum 200. Geburtstag des Heimgründers erschienen ist.

Klein-Zimmern - 150 Jahre St. Josephshaus wurden am Donnerstag gefeiert. Hierfür war der Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann. angereist, einer der Nachfolger des Heimgründers Wilhelm Emanuel von Ketteler. Von Ulrike Bernauer 

Die Feier begann mit einem Gottesdienst in der katholischen Kirche. Die Kapelle des St. Josephshauses wäre für die rund 400 Besucher zu klein gewesen. Kardinal Lehmann sprach über den Gründer des Hauses, das inzwischen zu einer großen Einrichtung mit vielen Häusern gewachsen ist, Bischof Ketteler gründete 1864 die „Knabenanstalt“. Das St. Josephshaus blickt auf eine recht wechselhafte, aber auch erfolgreiche Arbeit zurück. Mit der heutigen Einrichtung ist das frühere Haus nicht zu vergleichen. Die Jungen schliefen damals in zwei Räumen, es gab ein Esszimmer und einen Schulsaal. Heute hat jeder Bewohner, der stationäre Aufnahme in den Wohngruppen findet, ein eigenes Zimmer. Die Räume konnten die zahlreichen Gäste der Feier später bei einem Rundgang besichtigen. Am Auftrag des Hauses hat sich wenig geändert. Zielgruppe waren damals „Jungen aus der handarbeitenden Bevölkerung, deren Eltern verstorben oder zur Ernährung und gar der Ausbildung der Kinder nicht mehr in der Lage waren.“

Auch heute sind es Kinder, die im Elternhaus nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie nötig hätten, und die teilweise mit Einverständnis der Eltern, teilweise auch gegen deren Willen, Aufnahme finden. Geändert zu damals habe sich auch die Geldbeschaffung, erläuterte Einrichtungsleiter Markus Pelz. Bischof Ketteler hatte das Haus Zeit seines Lebens mit Privatgeldern, Spendenaufrufen und dem Erlös der jährlichen Kollekte am Weißen Sonntag unterstützt, so ist es in der Chronik zu lesen. „Heute kommt die Jugendhilfe dafür auf“, so Pelz in seiner Ansprache an das Festpublikum. Er ergänzte jedoch: „Für besondere Aufgaben müssen wir uns auch heute das Geld über Spenden besorgen.“ Die katholische Kirche unterstützt das St. Josephshaus weiterhin und Bischof Lehmann durfte sich über eine besondere Ehre freuen. Melanie Roth, Auszubildende zur Konditorin, hatte fürs Fest eine prachtvolle Torte gebacken, das Messer zum Anschneiden wollte sie gerne Lehmann überlassen.

Heimleiter Pelz ist stolz auf die Konditorin

Die prachtvolle Süßspeise, versehen mit einem Porträt von Ketteler und Kinderzeichnungen aus Marzipan, durfte Roth schließlich selber anschneiden. Bischof Lehmann bereitete es im Anschluss viel Freude, die Tortenstücke zu verteilen. Heimleiter Pelz ist stolz auf die junge Konditorin. Sie hat einige Jahre im St. Josephshaus verbracht und lernt nun im Dieburger Cafe Ostheimer. Ihr Ausbilder war begeistert von der Idee und stand der jungen Frau hilfreich zur Seite. Die Dekoration stammt allerdings allein von der Absolventin des St. Josephshauses. Der „Trommeldonner“, rhythmisch musizierende Schüler der Albert-Schweitzer-Schule, die auch etliche Jugendliche aus den Klein-Zimmerner Wohngruppen besuchen, eröffnete das Fest mit vielen Trommelschlägen. Die Lehrer der Bischof-Kettler-Schule sangen im Chor, untermalt von Schlaginstrumenten. Die Kinder und Jugendlichen präsentierten im Anschluss ein Lied, das extra für die Feier geschrieben wurde, und in dem es heißt „150 Jahre St. Josephshaus, bauen wir hier Zukunft auf!“

Weil es nicht nur für die Erwachsenen ein Fest sein sollte, sondern auch für die Kinder und Jugendlichen, gab es draußen Spielmöglichkeiten. Umringt von Zuschauern war der Menschenkicker, ein überdimensionales Tischfußballspiel, in dem keine bemalten Spieler, sondern lebendige Menschen an den Stangen hängen. Beliebt waren auch das Dosenwerfen oder Probefahrten mit einem kleinen Traktor über das Gelände. Die Erwachsenen schauten sich lieber die Ausstellung über die Geschichte der Einrichtung an, die noch am Montag (20.) und Mittwoch (22.) von 16 bis 19 Uhr zu sehen ist. Oder sie ließen sich von Erziehungsleiter Jörg Walther die Räume der Wohngruppen zeigen und erhielten Einblicke in den Alltag von Jugendlichen und Erziehern.

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