Zukunft ohne Giftstoffe?

In Plastik- und anderem Spielzeug sind oft gesundheitsschädliche Weichmacher enthalten. Die Kindergärten der Gemeinde sollen nun auf solche Stoffe hin untersucht werden.

Groß-Zimmern (guf) - „Diesem Antrag kann man guten Gewissens zustimmen“, meinte der SPD-Vorsitzende Stefan Fröhlich kürzlich im Sozialausschuss.

Gemeint war der Vorstoß der Grünen, die im Rahmen der Aktion „Kitas unter der Lupe - Zukunft ohne Gift“ Untersuchungen in Gemeindeeinrichtungen fordern.

Viele Kindertagesstätten sind mit Schadstoffen belastet. Das belegte eine Studie des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), bei der bundesweit Staubproben analysiert wurden. Die Konzentration der darin nachgewiesenen Schadstoffe, zumeist Rückstände und Ausdünstungen aus PVC-Böden, Regenjacken, Gummistiefeln oder Spielzeug, sei „sehr besorgniserregend“, heißt es in der Expertise. Unter anderem seien Phthalate und Bisphenol A gefunden worden, die stark auf das Hormonsystem von Kindern wirken.

Die Stoffe, die die Kinder beim Atmen, Essen und Spielen aufnehmen, gelten als fortpflanzungsschädigend und möglicherweise krebserregend. Der Weichmacher DEHP wurde teilweise in hoher Konzentration nachgewiesen. Er hat schädliche Wirkung auf Hoden, Nieren und Leber.

„Im Rahmen der Aktion des BUND können Proben aus Kitas gesammelt und untersucht werden“, heißt es in dem Antrag der Grünen.

Zwar solle dieses Verfahren nur 120 Euro kosten, aber die Ausschussmitglieder hatten dennoch einige Fragen.

Staub von sieben Tagen soll eingeschickt werden

Grünen-Mitglied Ellen Mink erläuterte das Vorgehen: „Der Staub von sieben Tagen sollte entweder am Ende der Woche oder beim täglichen Reinigen im Beutel des Staubsaugers gesammelt und dieser dann eingeschickt werden.“ Die Kosten würden jeweils für eine Einrichtung entstehen, nicht für einen Raum.

Weniger problematisch sei bei diesem Antrag das Geld, fand Bürgermeister Achim Grimm (CDU). Er mahnte jedoch, man müsse sich bereits im Vorfeld Gedanken darüber machen, wie mit den Ergebnissen umgegangen werden sollte, denn: „Unsere Erzieherinnen achten beim Einkauf von Spielzeug besonders auf solche Stoffe. Aber wir haben wenig Einfluss auf das, was von außen nach innen getragen wird.“ Außerdem sei wohl nichts erreicht, wenn nur Kindergärten untersucht würden. „Wenn man es ernst meint, sollte man zudem Schulen mit einbeziehen und den Antrag auch auf Kreisebene stellen“, meinte Grimm an die Grünen gewandt.

„Es wäre schlimm, wenn etwas gefunden wird“

Schwierig fanden auch Sprecher anderer Fraktionen den Umgang mit möglichen Folgen. Janek Gola (AUF/FFA) meinte: „Es wäre schlimm, wenn etwas gefunden wird, aber dieser Druck sollte uns nicht berühren.“

Fröhlich - der ebenso wie Grimm kürzlich zum zweiten Mal Vater geworden ist - schlug vor, man könnte veranlassen, dass eventuell belastete Gummistiefel oder Kleidung draußen gelassen werden. Sein Statement: „Wir können doch die Kinder nicht drin sitzen lassen und wegschauen“, fand allgemeine Zustimmung. Die Gemeindevertreter befürworteten am Dienstag mehrheitlich den Grünen-Antrag.

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