Kino platzt aus allen Nähten: Zuschauer staunen darüber, wie klein Groß-Zimmern damals war

Zwei alte Filme über den Heimatort

Karl Daab (rechts) erläuterte seine historischen Filme, die er beim Zimmerner Kino zeigte. Im Hintergrund Bürgermeister Achim Grimm. - Fotos: Bernauer

Groß-Zimmern - Mit solch einem Andrang hätte wohl kaum einer gerechnet. Bürgermeister Achim Grimm sowie Filmemacher und Vorführer Karl Daab waren positiv überrascht. Sehr viele Bürger wollten die beiden Filme über Groß-Zimmern von 1955 und den Abriss des Löwenbräu 1970 sehen.

Selten war es im Sitzungssaal des Rathauses so voll wie am Montagabend. Damit alle Platz fanden, mussten zusätzlich Stühle gestellt werden.

Gekommen waren zum Zimmerner Kino, das es früher ja tatsächlich in der Jahnstraße gab, viele ältere Bürger der Gemeinde, aber ein Gutteil war jüngeren Semesters und konnte kaum hoffen, auf den bewegten Bildern jemanden wieder zu erkennen. Dieses Vergnügen genossen hingegen die Senioren, die immer wieder die Namen längst Verstorbener nannten oder Verwandte und Freunde wieder erkannten.

Aber auch die Jüngeren hatten durchaus ihren Spaß und das von Anfang an, als man in den ersten Szenen sehen konnten, wie auf dem Rathaus - damals noch im Glöckelchen ansässig - gearbeitet wurde.

Gestaunt wurde auch über die vielen alten Gassen, die mit dem heutigen Ortsbild kaum in Einklang zu bringen waren und wie klein Zimmern damals noch war.

Auf den Bildern vom FSV, wo die Fußballer mit stolz geschwellter Brust ihre Ballkünste vorführten, konnte man unbehindert bis zu den Schornsteinen der alten Ziegelei blicken. Dazwischen war schlicht nur freies Feld und Ackerland.

Immer wieder kamen Rufe wie, „Das ist meine Oma!“, auch der Pfarrer und der Lehrer wurden wiedererkannt. Oft gab es Gelächter, wenn sich vor den Augen der Kinobesucher Szenen abspielten, wie man sie sich heute gar nicht mehr vorstellen kann. Gezeigt wurde beispielsweise die Feuerwehr, die nicht mit Pferde- sondern mit Mannesstärken ihrLöschfahrzeug zum Einsatzort zog und schob. Gestaunt wurde auch, als die Feuerwehrleute dann völlig ungesichert eine hohe Holzleiter hinaufkletterten, die den Zuschauern nicht sonderlich vertrauenerweckend vorkam, „Das ginge heute gar nicht mehr“, so der Kommentar. Gelacht haben die Zuschauer auch über einige technische Tricks des Filmteams. So wurden schon damals manche Szenen in Zeitlupe gedreht. Die Turner sprangen hingegen rückwärts über den Kasten. Viele der jüngeren Zuschauer hatten bei den Straßenszenen Schwierigkeiten sich zu orientieren, glücklicherweise halfen Daab und ältere Zimmerner immer wieder mit Erläuterungen aus.

Belächelt wurden die Herren in den Knickerbockerhosen. „Die waren prima zum Äpfelklauen“, erinnerte sich ein älterer Zimmerner ganz offensichtlich mit Erfahrung. „Wenn einer in solch einer Hose ganz breitbeinig ging, dann wusste man Bescheid.“ Szenen aus dem Konsum, wo die Einkäufer noch bedient wurden, wechselten mit ganz einfachen Straßenszenen, wo sich die Zimmerner manchmal in Positur warfen, mitunter aber auch hastig aus dem Bild verschwanden. „Das wäre heute absolut nicht erlaubt“, hieß es zum Abriss des „Löwenbräu“ in der Ortsmitte, dem zweiten Film des Abends. „Da loderte mitten im Ortskern ein meterhohes Feuer“, erinnert sich Filmemacher Daab noch heute staunend. „Es gab keine Absperrung, der Verkehr floss drum herum und ein paar Meter weiter wurde Obst im Freien verkauft.“

So mancher Zimmerner sah den Abriss des alten Gebäudes mit Bedauern. „Was weg ist, ist weg“, schloss Bürgermeister Achim Grimm die Veranstaltung. „Nur schön, dass wenigstens die Störche wiedergekommen sind, allerdings nicht wie damals mitten in den Ortskern.“

Für Karl Daab wird es in den nächsten Tagen wohl Arbeit geben. Auf sein Angebot, die alten Filme bei Interesse auf DVD zu brennen, werden wohl einige Zimmerner zukommen. J bea

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