Christa und Heinrich Ziel feiern heute Diamantene Hochzeit

Zwei von der „Treppches-Bäckerei“

Christa und Heinrich Ziel sitzen seit 60 Jahren in einem Boot.   J Foto: Bernauer

Groß-Zimmern - Christa und Heinrich Ziel feiern am heutigen Donnerstag, 8. August, Diamantene Hochzeit. Von Ulrike Bernauer

„Wenn der eine am einen Strang zieht, und der andere am anderen, das geht in der Ehe doch gar nicht“, sagt Heinrich Ziel (85). Streit gehörte beim Familienleben der Ziels einfach nicht dazu. „Dazu hatten wir gar keine Zeit“, sagen die beiden übereinstimmend.

Geboren wurde Heinrich Ziel ebenso wie seine Gattin Christa (87) in Schlesien. Ihre Heimatorte liegen gerade einmal zwölf Kilometer voneinander entfernt. Kennengelernt haben sie sich nach Flucht und Kriegsgefangenschaft allerdings erst in Darmstadt. „Wir sind zusammen auf einen Tagesausflug mit dem Bus an die Mosel gefahren, da haben wir uns das erste Mal gesehen“, erinnert sich Heinrich Ziel. Es war zwar keine Liebe auf den ersten Blick, aber das Interesse ging so weit, dass der junge Mann fragte, ob er sie einmal besuchen dürfe. „Das hat mir damals gut gefallen, wie er gefragt hat“, so die Diamantene Hochzeiterin. Dann sind sich die beiden recht schnell näher gekommen und knapp ein Jahr später wurde geheiratet. Vor der Hochzeit arbeitete Christa Ziel im Haushalt, Heinrich hingegen hatte Bäcker gelernt. „Schon in der Kriegsgefangenschaft in Darmstadt habe ich bei den Amerikanern als Bäcker gearbeitet. 54 000 Brote haben wir mit 55 Leuten in einer Schicht am Tag gebacken.“

Später eröffnete Heinrich Ziel eine Bäckerei in Roßdorf. Ab 1964 führten die beiden eine Bäckerei in Groß-Zimmern. Ehefrau Christa arbeitete trotz zweier Söhne kräftig im Laden mit. „Der wurde auch Treppches-Bäckerei genannt“, lacht Heinrich. „Die eine Treppe konnte man hinaufgehen, die andere wieder hinunter.“

Die Bächerei war da, wo heute der Brillen-Reeg ist.“ Bereits 1974 gaben die Ziels ihre Bäckerei wieder auf, aber nicht, weil sie keine Kunden hatten. „Es kamen sehr viele Leute, aber wir sind mit der Arbeit nicht nach gekommen und haben keine Mitarbeiter gefunden.“

Heinrich Ziel fand dann Arbeit in Ober-Ramstadt als Müller in der Schloßmühle. „Dem Mehl bin ich also treu geblieben“, witzelt er. Dort hat er bis zum letzten Jahr mit einem Vertrag über 50 Tage im Jahr gearbeitet. „Dann habe ich endlich gekündigt.“ Seiner Frau geht es gesundheitlich nicht so gut, sie sitzt seit längerem im Rollstuhl. „Mein Mann weiß sich aber immer zu beschäftigen, der hat keine Langeweile und im Garten oder am Haus immer etwas zum Wurschteln“, sagt sie. Christa Ziel liest sehr gerne und löst mit Leidenschaft Kreuzworträtsel.

Im Haus, das sie 1974 kauften, lebt auch noch einer der Söhne mit seiner Frau, die beiden erwachsenen Enkelkinder sind inzwischen ausgezogen.

„Urenkel haben wir noch nicht, die Kinder lassen sich Zeit. Der eine studiert noch, die andere hat ein wenig gebraucht, bis sie nach dem Studium eine feste Anstellung gefunden hat.“

Hobbys haben die Diamantenen Hochzeiter keine. „Wir haben früher viel zu viel gearbeitet und hatten einfach keine Zeit.“ Heinrich Ziel ist zwar Mitglied bei der Feuerwehr, beim DRK und der Chorgemeinschaft, aber aktiv hat er dort nie etwas gemacht. Eines war den beiden allerdings heilig: der Samstag und der Sonntag. „Wir hatten schon in den sechziger Jahren ein Boot, und da sind wir immer mit nach Erlenbach an den Main gefahren.“ Dort hatten sie sich mit anderen Familien eine Wiese gemietet, wo gezeltet wurde. „Am Samstag wurde erst die Bäckerei aufgeräumt und geputzt, dann ging es an den Main. Der Samstagnachmittag und der Sonntag gehörten den Söhnen.“

Heinrich Ziel schwimmt auch heute noch gern, deshalb hat er im Garten ein Schwimmbad mit allem drum und dran, sogar beheizt. Im Garten haben die Ziels auch immer viel gefeiert. Wehmütig denken sie an die schöne Nachbarschaft zurück. „Wir haben uns immer viel geholfen“, sagt Christa Ziel. „Das tun wir heute auch noch, aber es sind schon viele gestorben.“ So richtig groß feiern werden sie ihren Hochzeitstag nicht. „Morgens kommen die Nachbarn vorbei, am Nachmittag kommt die Familie“. Aber darauf freuen sie sich sehr.

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