Die Groß-Zimmernerin Anne Herdt ist zu ihren Wurzeln zurückgekehrt

Zwischen Fastnacht und Malerei

Anne Darnieder (heute Herdt) trat bei der Pfarrfastnacht unter anderem mit ihrer Band „Bagage“ auf.
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Anne Darnieder (heute Herdt) trat bei der Pfarrfastnacht unter anderem mit ihrer Band „Bagage“ auf.

Groß-Zimmern – Eng mit der Pfarrfastnacht der katholischen Pfarrgemeinde St. Bartholomäus verbunden ist Anne Herdt. Die Tochter von Erwin Darnieder, der mit Gleichgesinnten 1971 die beliebte Fastnachtssitzung in der Gersprenzgemeinde ins Leben rief, war zu Hause in die gesamte Vorbereitung eingespannt. Die 1952 Geborene, die von ihrem Vater das kunsthandwerkliche Geschick und die Liebe zur Musik geerbt hatte, gestaltete das Bühnenbild für die ersten Sitzungen im Kaiserhof und wirkte aktiv im Programm mit.

Zusammen mit Friedrich Stumpf und Udo Engelhard trat sie bei der ersten Sitzung 1971 als Trio „Ud-An-Fri“ sowie in den beiden folgenden Jahren als „Ot-An-Fri“ mit Otto Herdt auf. „Friedrich und ich haben sämtliche Lieder verballhornt und auf die kritische Betrachtung des Ortsgeschehens umgeschrieben“, erzählt Anne Herdt, die damals den Gesangspart übernahm und zudem mit der Zimmerner Band „Bagage“ bei den närrischen Sitzungen auftrat. „Wir probten bei uns zu Hause. Da ich über das geplante Pfarrfastnachtsprogramm Bescheid wusste, haben wir unser Repertoire entsprechend zusammengestellt und konnten der Veranstaltung den passenden musikalischen Rahmen geben“, erzählt die heute 68-Jährige weiter. In dieser Zeit wurden die Grundsteine für ihr weiteres künstlerisches Leben gelegt. Während der Oberstufe hatte sie ihre erste Ausstellung mit surrealen Kunstcollagen und entschied sich nach ihrem Abitur von 1973 bis 1976 in Worms Kunstpädagogik, Deutsch und katholische Religion auf Lehramt zu studieren. Parallel dazu sang sie bei „Bagage“ und wurde, als sich die Band trennte und ein Teil davon als „Sound Seven“ weitermachte, zur Frontfrau dieser neuen Kombo. „Von 1973 bis 1977 waren wir als Tanzkapelle im südhessischen Raum unterwegs und unter anderem dauerhaft im Darmstädter Tanzlokal ,Huckebein’ engagiert“, erzählt die Groß-Zimmernerin, die ein halbes Jahr an der Albert-Schweitzer-Schule als Kunst- und Deutschlehrerin tätig war, bevor sie 1977 mit ihrem damaligen Mann Friedrich Stumpf in den rheinischen Westerwald ging. Das Paar war dort an unterschiedlichen Schulen tätig und bekam zwei Söhne (1979 Benjamin und 1983 Dominik).

Kurz nach der Geburt ihres zweiten Jungens kehrte die vielseitig Engagierte mit ihren Kindern in ihre Heimatgemeinde zurück und begann wieder zu malen. Ihre Zeichnungen, Aquarellbilder und Collagen präsentierte sie beispielsweise ab 1985 bei verschiedenen Hobby- und Freizeitkunstausstellungen in der Mehrzweckhalle, in der Musikkneipe „Hoppla“ in der Beinestraße sowie über Groß-Zimmern hinaus in Darmstadt, Groß-Umstadt und im Koblenzer Raum. „Die Verfremdung von Landschaften hat mich schon immer interessiert“, sagt die ehemalige Kunstlehrerin, die Zeitverträge an verschiedenen Schulen im Landkreis Darmstadt-Dieburg hatte, bevor sie 1990 eine volle Stelle an der Wilhelm-Leuschner-Schule in Darmstadt bekam. 1990 heiratete die damals 38-Jährige Otto Herdt, der Sohn Moritz mit in die neue Patchwork-Familie brachte.

„Für die Pfarrfastnacht 2000 entwarf ich das Bühnenbild, das ich zusammen mit Gerhard Bohland realisierte“, schildert Anne Herdt, die vor zwei Jahren wieder zur Malerei zurückkehrte. „Ich male nun mit Ölfarben Urlaubserinnerungen und alles, was mir vor die Augen kommt, vor allem Motive für meine vier Enkel“, gesteht Anne Herdt, die beim Malen gerne Weltmusik – afrikanische, arabische oder irische Lieder hört und sich davon inspirieren lässt. In der Coronazeit hat die Groß-Zimmernerin, die seit ihrem elften Lebensjahr Gitarre spielt, zudem zur Musik zurückgefunden: Wie bereits in ihrer Jugend harmoniert Anne Herdt mit ihrem Mann Otto als Duo. Das Repertoire besteht überwiegend aus Chansons und Liedern von Interpreten wie Bob Dylan, Cat Stevens, Joan Baez sowie Edith Piaf und Hildegard Knef. „Das sind Lieder, die ich auch als Jugendliche gerne gesungen habe und die heute noch im Kopf sind“, sagt Anne Herdt, die gerade mit ihrem Mann Otto Edith Piafs „Autumn leaves – Les feuilles mortes“ einstudiert hat. Eigentlich plante sie für 2021 mit „ihren Jungs“ von „Sound Seven“, mit denen sie sich in den vergangenen Jahren stets an Aschermittwoch – zur Erinnerung an ihre gemeinsamen Fastnachtskampagnen – traf, ihre alten Songs nochmals aufnehmen. „Das muss wahrscheinlich noch etwas verschoben werden“, mutmaßt sie.

Von Martina Emmerich

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