Mehr Vögel denn je wurden bei Nabu-Wanderung im Wald gehört und gesehen

Zwitschern vom hohen Ast

Die Blaumeise (oben) gehörte zu den Vögeln, die die Wanderer gut sehen konnten. Mit dem Fernglas vor den Augen kann man die Vögel wesentlich besser betrachten, denn die Tiere - wenngleich nicht sonderlich scheu - halten sich zumeist weit oben in den Baumkronen auf. Foto: Bernauer

Groß-Zimmern (bea) - Der Frühling schickt nicht nur seine ersten Boten in Form von Krokus, Winterling oder Schneeglöckchen, auch der Naturschutzbund (Nabu) hat zur ersten Vogelstimmenwanderung eingeladen - ein untrügliches Zeichen, dass der Winter wohl vorbei ist. Von Ulrike Bernauer

Es ist trüb und nieselig im Zimmerner Wald. Das tut der Laune der Vogelstimmenwanderer jedoch keinen Abbruch und der der Vögel erst recht nicht. Im Gegenteil, die mögen ein solches Wetter und zwitschern noch ein wenig lauter.

Rund 20 Vogelfreunde haben sich um 8.30 Uhr am Sonntag am Parkplatz Spießfeld eingefunden und hoffen, möglichst viele Vögel nicht nur zu hören, sondern sie auch zu sehen. Damit das möglich ist, haben sich viele mit einem Fernglas gerüstet, denn auch wenn die gefiederten Freunde nicht besonders scheu sind, so befinden sie sich doch meist auf einem hohen Ast. Nach der Begrüßung durch den Nabu-Vorsitzenden Dr. Lothar Jacob kommen die Spaziergänger nicht weit. Kaum 50 Meter vom Parkplatz entfernt, hören sie erst eine Singdrossel und dann einen Buntspecht. Letzterer ist bei genauem Hinschauen auch gut zu erkennen. Hingebungsvoll und ohne sich von dem Trupp Wanderer stören zu lassen, hämmert er an einem Loch im Stamm einer Kiefer.

Der Buntspecht gehört aber nicht zu den selten gesehenen Vögeln im Wald. Bis jetzt gehörte der klopfende Gesell zu den Vögeln, die seit Beginn der Vogelstimmenwanderung immer dabei waren. Neben dem Buntspecht sind auch der Buchfink, der Eichelhäher, der Kleiber, die Kohlmeise und die Ringeltaube alte, gern gesehene Bekannte. Ein Novum ist allerdings ein Höckerschwanenpaar, das die Wanderergruppe im Überflug über den Wald erspäht.

20 Arten haben die Vogelliebhaber am Ende ihrer Wanderung gesehen. „Das ist auch die maximale Zahl, die wir im Rahmen einer Vogelstimmenwanderung bis jetzt gezählt haben“, sagt Jacob, der auch darauf hinweist, dass so mancher Vogel noch nicht aus dem Winterquartier zurück gekehrt ist.

Dazu gehört der Zilpzalp, der an seinem Gesang leicht zu erkennen ist. Für ihn müsste die Wanderung später im März stattfinden. Er wurde erst zweimal bei Veranstaltungen in den vergangenen elf Jahren gehört und gesichtet.

Neben den Vögeln sahen die Naturfreunde auch noch Rehe und ein Eichhörnchen. Der kleine Paul (8) freute sich ganz besonders über einen kleinen roten Baumkletterer. „Das ist das erste Eichhörnchen, das ich mit eigenen Augen sehe.“

Franz Peter, Vogelsachkundiger des Nabu Groß-Umstadt, der die Gruppe führte, erzählte viel Wissenswertes über die Vögel. Er räumte auch mit dem beliebten Vorurteil auf, dass die Vögel zur Freude des Menschen singen würden. „Sie grenzen damit ihr Revier ab. Ist reichlich Nahrungsangebot im Wald vorhanden, wie hier im Zimmerner Wald, dann sind die Reviere klein, ist das Futterangebot hingegen spärlich, dann sind die Reviere groß.“

Ein anderes Vorurteil sprach Jacob an, der auf viel Totholz links und rechts des Wegesrandes hinwies.

Viele Deutsche lieben einen aufgeräumten Wald, wie man ihn aus der Nachkriegszeit kennt. Damals wurde jedes Ästchen mitgenommen, um es im Ofen zu verfeuern. Im unaufgeräumten Wald hingegen, finden auch die holzbohrenden Käfer ihren Wohn- und Lebensraum.

Und diese Tiere wiederum benötigt ein gesunder Wald. Für so manchen Vogel sind sie natürlich auch ein Leckerbissen.

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