Große Oper mit Becken und Triangel

„Carmen“ als Zwei-Personen-Stück ist ein Spektakel! Was soll man auch tun, wenn das Ensemble bei einem Busunfall ums Leben gekommen ist? Übrig sind nur Beckenistin und Triangelspieler.

Der letzte Wunsch des Dirigenten Heribert Knabberkram ist: „Spielt Carmen!“ Dieser Aufgabe stellen sich Berta (Doris Friedmann), Kleid zerrissen, Frisur lädiert, Strumpfhose löchrig, und Ernst (Udo Splinter), Pflaster auf der Nase, Verband um den Kopf, Frack in Fetzen. Beim Theaterdonnerstag in Offenbachs Bleichstraße 14H stimmen sie die Ouvertüre an.

Zu allem bereit und zu nichts in der Lage, so ließen sich die Bemühungen zusammenfassen. Ernst will das Publikum bei Laune halten. Es erfährt, dass die Triangel mehr als drei Seiten hat, unter anderem eine weibliche und eine männliche. Doris führt Früchte ihres Vhs-Kurses „Der Fred Astaire in mir“ vor. Mangels Orchesters intonieren sie die Musik mit vielerlei Effekten; Mondschein, Wald und Käuzchen in der Sterbeszene inbegriffen.

Friedmann und Splinter bieten spontanes Improvisations-Clownstheater, das die „Einheimischen“ nicht verschont: Da wird von Berta ein „Herr Fielmann“ ausgemacht, von dem sie sich eine Brille leiht, der von ihr angehimmelt, von Ernst mit „Schnauze, Fielmann!“ zurechtgewiesen wird. Eine Souffleuse bekommt ihr Fett weg: „Das ist mein Text!“ Ein Flugzeug wird ebenso integriert wie Udo und Uwe am Mischpult. So kommt dieser Abend ohne Bühnenbild aus, mit Minimal-Requisiten, lebt von Friedmanns herrlicher Mimik und Körpersprache, Splinters drolliger Beharrlichkeit: Tragikomik mit Eigensinn! FRANZISKA EHRHARDT

Quelle: op-online.de

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