Gute Geschäfte mit dem Krieg

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Bertolt Brechts „Mutter Courage“ ist im Schauspiel Frankfurt zu sehen.

Frankfurt - Der Frieden verdirbt das Geschäft derer, die der Krieg ernährt. Diese zynische Botschaft rückt Bertolt Brechts Stück „Mutter Courage und ihre Kinder“ aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs, in der es spielt, und der des Zweiten Weltkriegs, in der es geschrieben wurde, an die Gegenwart heran. Von Markus Terharn

Das tun auch die Darsteller, wenn sie aus ihren Rollen treten, ihre Namen nennen und über ihr (Nicht-)Verhältnis zum Militär berichten. Aber der Krieg berappelt sich, die Marketenderin Anna Fierling kommt mit ihm ins Geschäft. Dass sie dafür mit dem Leben ihrer Kinder zahlen muss, begreift das Publikum früh, sie bis zum Ende nicht. Dies ist in Robert Schusters Inszenierung am Frankfurter Schauspiel erst nach dreieinhalb Stunden da. Brechts episches Theater nimmt der Regisseur beim Wort. Lyrische Einschübe bremsen die Dramatik. Dass trotzdem – und trotz vorhersehbarer Handlung – Spannung aufkeimt, verdankt sich den Mimen.

Und die profitieren davon, dass der Theaterpraktiker Brecht dem Theoretiker eins ausgewischt und grandiose Charaktere geschaffen hat. Wie diese Mutter, in der Interpretation von Heidi Ecks sympathischer, als sie sein soll, auf ihren Vorteil bedacht, aber nicht gierig. Die sich und die Ihren durch eine böse Zeit bringt und leider, das ist ihr Fehler, nicht merkt, wann sie aufhören muss zu feilschen.

Zur Kauffrau taugt sie halt besser als zur Hüterin dreier Kinder, von denen eins kühn, eins redlich und eins stumm ist. Den Eilif gibt Oliver Kraushaar als Draufgänger, der nicht kapiert, dass im Frieden verboten ist, wofür er im Krieg ausgezeichnet worden ist. Für den naiven Schweizerkas, dem die Ehrlichkeit zum Verhängnis wird, findet Christian Beermann die angemessene Plumpheit. Die anrührendste Leistung erbringt Kathleen Morgeneyer als Kattrin, deren Mimik, Gestik und Gestammel fehlende Sprache mehr als ersetzen – und die eine Stadt rettet, aber selbst dabei draufgeht. Annas Verhalten spiegeln Joachim Nimtz als grobschlächtig-aufrechter Feldkoch, Andreas Uhse als wendig-prinzipienloser Feldprediger und Franziska Junge als verführerische Kriegsgewinnlerin Yvette.

Weitere Vorstellungen sind am 30. Januar, 13., 17., 19. 25. Februar und 1. März zu sehen.

Weiß ist für das Kostümteam (Emily Laumanns, Stefanie Lindner, Matthias Winkler) die Farbe der Soldaten; auch damit das Blut gut zur Geltung kommt, das Martin Butzke, Katharina Hackhausen, Johannes Flachmeyer und Nicholas Reinke vergießen. Oft lässt die Regie links und rechts auf geteilter Bühne agieren, um deren Breite zu nutzen. Die Tiefe hat Hartmut Meyer ihr genommen, indem er sie hinten mit einer grünen Wand abschließt. Auf gelben und grünen Podesten bleibt wenig Spielraum. Den Karren der Händlerin deuten tragbare Laden an. Rot ist das Schneckenhaus, in dem sich Kattrin verkriecht.

Zackig exekutiert ein Ensemble unter Susanne Blumenthals Leitung die Musik von Paul Dessau: „Und was noch nicht gestorben ist, das macht sich auf die Socken nun.“ Das tut das Premierenpublikum erst nach langem Beifall.

Quelle: op-online.de

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