Das Gute kommt aus Offenbach

Eine Lesung mit dem Buchanfang zu beginnen ist üblich – sie mit dem Ende zu beschließen darf als ungewöhnlich gelten, zumal bei einem Krimi. Doch Rosa Ribas verriet nicht zu viel. Der Autorin passte es nur ins Konzept, dass ihr im Frankfurter Suhrkamp-Verlag erschienener Krimi „Kalter Main“ mit einer Autofahrt nach Offenbach aufhört, wo sie das Werk im gut besuchten Bücherturm vorstellte. Von Markus Terharn

Das Böse bleibt in Frankfurt, das Gute kommt aus Offenbach“: So wie Buchhändlerin Helma Fischer kann man die Handlung auch zusammenfassen. Gut ist Kommissarin Cornelia Weber-Tejedor, geboren in der Lederstadt, wo ihre Eltern noch leben. Böse ist der Mord an Marcelino Soto, einem angesehenen Mitglied der spanischen Gemeinde in Frankfurt. Gut ist die Übertragung aus dem spanischen Original, aus der die in Offenbach lebende Übersetzerin Kirsten Brandt vortrug. Böse war niemand, dass Ribas einige Passagen im Original zu Gehör brachte; saßen doch einige Sprachschüler der 1963 in Barcelona geborenen, seit 16 Jahren in der Mainmetropole lebenden Schriftstellerin in der Bibliothek. Andere verstanden immerhin „Commerzbank“.

Während Ribas hurtig durch den Text huschte, traf Brandt den lebhaften Tonfall der Dialoge wie auch den Humor genau. In fliegendem Wechsel führten beide in die Handlung ein, machten mit den Protagonisten bekannt. Und sie weckten Verständnis für die Probleme der ersten Generation von Gastarbeitern. Dafür hat Ribas in ihren Roman sechs kurze Kapitel eingeschoben, die typische Schicksale schildern, von denen sie eins präsentierte. Diese Geschichte von Celsa Tejedor, galicische Mutter der hessischen Beamtin, geriet so überzeugend, dass ein Mann im Publikum diejenige seiner Gattin darin zu erkennen meinte ...

Mit der deutsch-spanischen Polizistin, die zwischen zwei Kulturen auf der Suche nach ihrer Identität ist (und deren beide Nachnamen übrigens dasselbe bedeuten), ist Ribas fraglos eine so interessante wie ausbaufähige Figur gelungen. Deren zweiter Fall ist schon geschrieben, und ab Oktober will die Verfasserin den dritten in Angriff nehmen. Im vierten soll Offenbach dann ganz groß rauskommen! Das hat sie versprochen. MARKUS TERHARN

Quelle: op-online.de

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