„Hänsel und Gretel“ in der Alten Oper

Leckermaul hat böse Absichten

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Frankfurt - Fast 120 Jahre hat Engelbert Humperdincks Märchen-Oper „Hänsel & Gretel“ auf dem Buckel, Staub angesetzt hat sie aber trotzdem nicht. Von Maren Cornils

Das zeigt der große Andrang, der stets in der Weihnachtszeit zu beobachten ist, wenn das Singspiel um die Geschwister wieder einmal auf die Bühne kommt. Auch bei der Premiere des Papageno Musiktheaters ist der Mozart-Saal der Frankfurter Alten Oper bestens besetzt, und viele der kleinen Zuschauer sehen das traditionsreiche Kinderstück nicht zum ersten Mal.

Bei Familie Besenbinder herrscht Hunger: Der Geldsack ist leer, die Speisekammer auch, und so schickt die Mutter (Renate Gärtner) ihre Kinder Hänsel (Angela Scochi) und Gretel (Semira Samar) mit knurrenden Mägen zum Beeren sammeln in den Wald. Als ihr Mann (Sven Marko Schmidt) später am Abend nach Hause kommt, erzählt er von der bösen Hexe, die im Wald hausen und Kinder verspeisen soll.

Hänsel und Gretel vergnügen sich im Wald

Kurz darauf brechen die besorgten Eltern auf, die Kinder zu suchen. Hänsel und Gretel vergnügen sich derweil im Wald, wo sie sich bei Einbruch der Dämmerung zum Schlafen betten. Während die Geschwister ruhen, erwacht die Finsternis um sie herum zum Leben: Sandmännchen und Taumännchen (Therese Glaubitz) statten einen Besuch ab, über ihnen wachen zwei Engel.

Ausgeruht setzen Hänsel und Gretel ihre Wanderung am nächsten Morgen fort und landen irgendwann – angelockt von Zuckerwatte und Naschereien – am Knusperhäuschen von Rosine Leckermaul (Hans-Dieter Maienschein). Wer jetzt freilich glaubt, bei so einem lustigen Namen könne es sich nur um eine nette Hexe handeln, hat sich getäuscht. Denn wie im Grimmschen Vorbild führt die füllige Dame mit den pinken Haaren nichts Gutes im Schilde ...

„Hör mal, Alte“

Hans-Dieter Maienschein macht aus Humperdincks behäbigem Zwei-Stunden-Stück eine bezaubernde, auch für kleinere Kinder geeignete 90-Minuten-Version, in dem vor allem der Regisseur als hungrige Hexe sowie Angela Sochi und Semira Samar mit ihren beeindruckenden Stimmen glänzen. Gesungen wird zwar viel, die kleinen Zuschauer werden aber nicht überfordert und dürfen zwischendurch immer mal wieder schmunzeln. Dann etwa, wenn der großspurige Hänsel im dunklen Wald erst große Töne spuckt, sich dann aber hinter Gretel duckt oder auch dann, wenn Gretel die alte Vettel kess mit „Hör mal, Alte“ tituliert.

Dem Papageno-Theater gelingt es, Humperdincks Oper behutsam für das 21. Jahrhundert zu adaptieren, bleibt eng am Original. Tolle Kostüme und eine wandlungsfähige, obwohl minimalistische Kulisse tun ein Übriges, dass Groß und Klein den Saal mit einem Lächeln verlassen.

Weitere Informationen: Noch bis 22. Dezember in der Alten Oper. Karten gibt es unter der Rufnummer 069 1340400

Quelle: op-online.de

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