„Hänsel und Gretel“ am Staatstheater Darmstadt

Kindgerechte Märchenstunde

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Katrin Gerstenberger als Knusperhexe, Ulrika Strömstedt als Hänsel und Katja Stuber als Gretel lieferten sich einen vokal und darstellerisch starken Schlagabtausch.

Darmstadt - Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“ ist ein Opern-Dauerbrenner zur Adventszeit. In Darmstadt kam jetzt Karsten Wiegands Weimarer Inszenierung auf die Bühne. Von Axel Zibulski

Unter Publikumsprotesten nahm das Staatstheater Wiesbaden unlängst eine jahrzehntealte Produktion der Märchenoper „Hänsel und Gretel“ aus dem Programm. In Frankfurt hat Star-Regisseur Keith Warner kürzlich Regie in Engelbert Humperdincks „Kinderstuben-Weihfestspiel“ geführt. Und auch am Staatstheater Darmstadt steht der musiktheatralische Advents-Dauerbrenner jetzt auf dem Spielplan. Karsten Wiegand, seit Saisonbeginn Intendant des Hauses, hat seine ganz und gar märchenhafte Sicht vom Nationaltheater Weimar, seiner bisherigen Wirkungsstätte, mitgebracht.

In Weimar öffnete sich 1893 übrigens erstmals der Vorhang für die Erfolgsoper des einstigen Richard-Wagner-Assistenten und -Anhängers Humperdinck. Weit offen steht in Darmstadt gleich zu Beginn die Bühne, die sich Dutzende von Kindern während der Ouvertüre gleichsam ertasten. Vom Zauber des Anfangs spüren dabei auch die Erwachsenen viel, als die Premiere zur nachwuchsfreundlichen Uhrzeit am Nachmittag beginnt. Schließlich bringt Humperdincks Oper auf das Libretto dessen eigener Schwester Adelheid Wette bis heute zahlreichen jungen Theaterbesuchern ihre erste Begegnung mit der Oper.

Fantasievolle und märchenhafte Kostüme

Das wissen auch Karsten Wiegand und Valentin Schwarz, die in den fantasievollen, märchenhaften Kostümen von Alfred Mayerhofer die mit Pause gut zweistündige Oper ohne Einschränkungen kindgerecht zeigen. Was in Darmstadts Großem Haus keineswegs Realitätsblindheit bedeutet: Die Eltern, die ihre Kleinen zum Beerensammeln in den dunklen Wald schicken, werden in ihrer kargen Existenz samt väterlichem Alkoholmissbrauch ganz unverklärt gezeigt. Hier, im ersten Akt, begrenzt dann auch bald eine metallene Wand die Bühne von Bärbl Hohmann.

Noch am 21., 23, 27. und 30. November sowie am 9., 12., 21., 23. und 26. Dezember. Karten: Tel.: 06151/2811600

Sonst aber herrscht viel Fantasie im Märchenwald, den bunt illuminierte Silberstreifen markieren und in dem 14 kindliche Engel den träumenden Geschwistern begegnen, dazu ein fliegenpilzhütiges Sand- sowie ein tropfenrundes Taumännchen (Hannah Garner und Esther Dierkes). Und natürlich die gefährliche, langnasige Knusperhexe. Deren rot illuminierte Hütte mögen höchstens einige Erwachsene als Färbung jener Entwicklungsgeschichte begreifen, als die „Hänsel und Gretel“ eben auch verstanden werden kann.

Musikalisch nimmt das Staatstheater sein junges Publikum erfreulich ernst. Alles klingt erstrangig, vor allem das Staatsorchester Darmstadt, das unter der Leitung von Anna Skryleva einen leichten, präzisen Wagnerianer-Ton anschlägt. Ulrika Strömstedt und Jana Baumeister als vokal wunderbar verschmelzende Geschwister Hänsel und Gretel, Rebecca Teem und Oleksandr Prytolyuk als charakteristisch tönendes Elternpaar, vor allem aber Katrin Gerstenberger als herbe, doch nicht derbe Knusperhexe eroberten sich die kindlichen Sympathien des Publikums im Sturm!

Quelle: op-online.de

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