Hanau im Zeichen schwereloser Kunst

+
Drahtkleider von Karin Götz als repräsentativer Blickfang.

Die fünfte Landesausstellung „Hessiale“ des Bundesverbands Bildender Künstler Hessen (BBK) berührt gleich beim Betreten des Congress Park Hanau die Sinne. Im Foyer schallt das Geräusch schneller Schritte. Von Dieter Kögel

Harte Schuhsohlen auf harten Treppenstufen. Frauenschuhe sind es, die sich auf überdimensionaler Videowand oberhalb des Foyers stilistisch wandeln. Ebenso wie die gerade noch sichtbaren Rocksäume. „Cinderella“ nennt die aus Offenbach stammende Monika Golla ihre akustisch-visuelle Installation in einer Endlosschleife.

Und gerade dadurch wird das bewegte Werk eindringlich: Es zeigt die von Zwängen gehetzte Frau zwischen Herd und Repräsentationspflicht, getrieben von Terminkalender und Modezwang. Golla ist eine von 20 Künstlern, die von der fünfköpfigen Jury aus mehr als 153 Bewerbungen für die Hessiale ausgewählt worden ist.

Monika Gollas Installation sorgte bei den Besuchern für Diskussionen.

Die ausgestellten Arbeiten tragen ureigene Handschriften. Ob es die Collageserie der Fuldaer Künstlerin Teresa Dietrich im Südfoyer ist, die sich von einem regenverwaschenen und sonnengebleichten Bebauungsplan von Castiglione zur künstlerischen Ergänzung der Topografie inspirieren ließ, oder die lange Por trät reihe von Constanza Weiss aus Frankfurt, der es in kleinformatigen Arbeiten in erster Linie darauf ankommt, dass die gemalte Person mit dem Bild in einen Dialog treten kann.

Die Stimmungen und die Atmosphäre der eisigen Ostküste Grönlands zeigt die Bad Hersfelder Malerin Heidi Nübling in den Fensternischen des Foyers in ihrer Serie „Ultima Thule“. Mit Öl und Pigmenten erforscht Mayte Mari Zwischenräume. Geschaffen durch Farblinien oder Farbflächen auf einheitlich grundierter Leinwand, die trennen, unterbrechen, teilen und dadurch irritieren.

„Hessiale“ noch bis zum 20. September im Congress Park Hanau, Schlossplatz. Geöffnet: Täglich von 9 bis 17 Uhr.

Der aufrüttelnden Schwere in Kathrin Brömses (Marburg) Auseinandersetzung mit menschlichen Defekten in Öl auf braunem Waschpapier stehen Petra von Breitenbachs mit fast unbefangener Kindlichkeit schnell auf kleinformatiges Papier aquarellierte Alltagsgedanken gegenüber. Arbeiten von Heike Blumenritt (Gießen), Veronika P. Dutt (Poppenhausen) und Sybill Ariane Keller (Darmstadt) komplettieren den Chor der Malerinnen.

Nicole Fehling (Wiesbaden) verleiht einem Stück Wand mit ihren blauen Kartonobjekten einen technischen Charakter. Marion Dörre aus Friedrichsdorf lässt Stützkorsette aus Kunststoff an der Decke des Lichthofs schweben und die medizinischen Hilfsmittel schwerelos erscheinen.

Ähnlich wie Gabriele Hattensens (Wiesbaden) Installation, bei der schmale Papierstreifen mit Wort- und Buchstabenfragmenten einen flexiblen Durchgang bilden, der vom Besucher in Schwingungen gebracht wird. Bei Karin Götz’ (Maintal) Drahtkleidern, die über dem Weiher im Schlossgarten installiert sind, setzt Wind diese Akzente. Die transparenten Hüllen aus verschiedenen Drahtsorten bilden im bewegten Zusammenspiel ständig neue Paarungen. Statisch dagegen Uwe Wagners (Neuberg) Baustelle mit rot-weißen Pylonen. Ein ungehaltenes Versprechen für die Lösung eines Problems.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare